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Exkursionsberichte

Exkursion nach Joditz / Vogtland vom 2. bis 5. Juni 2011

von Jörg Heimann


3. Juni 2011- ORION im "Grünen Band" Sachsens

(Ehemaliger DDR-Grenzstreifen nördlich der bayrischen Landesgrenze zwischen Thüringen und Tschechien)


Die jährliche traditionelle ORION - Exkursion ging dieses Jahr ins bayrisch-sächsische Vogtland nach Joditz, wo wir in zwei Gasthäusern vom 2.-5.Juni Quartier bezogen. Das erklärte Ziel war das "Grüne Band", ein vom Freistaat Sachsen erworbenes zu entwickelndes Gebiet von ca 740 ha und einer Länge von ca. 42 km.

Prof. Dr. Wenzel, vielerorts engagiert im Biotopenschutz, gab den Anlass zu diesem Exkursionsziel. Bernd Krüger fand in dem Ort Joditz das Quartier, und Michael Woelky, der bei den bayrischen Behörden schon die schriftliche Sammelgenehmigung für Oberfranken besorgt hatte, übernahm wie jedes Jahr die Organisation und Leitung.

Am 3. Juni trafen wir - 35 Teilnehmer in 7 Pkw - im Ort Posseck (auf sächsischer Seite) Herrn Dipl. Ing. Findeis, vom Landratsamt Vogtlandkreis, Amt für Umwelt und Bauordnung, den Sachbearbeiter für Naturschutz. Er hieß unsere Gruppe willkommen, erteilte uns für den heutigen Tag mündlich die Sammelgenehmigung und gab uns einen Überblick über den zeitlichen Werdegang dieses ehemaligen schwer bewachten und durch Minen geschützten „antifaschistischen Schutzwalls" der DDR bis hin zur Pflege- und Entwicklungskonzeption "Grünes Band". Der Freistaat Sachsen hat - für alle anderen in Frage kommenden Bundesländer nachahmenswert – den gesamten Grenzstreifen erworben und dem Natur- und Biotopenschutz zur Verfügung gestellt.

In Autokolonne ging es nun in 5 Stationen zu ausgewählten Naturschutzgebieten, beginnend im Süden, am NSG Dreiländereck bei Pabsleithen, im Einzugsgebiet der Saale, wo wir vom Auto aus einige Hundert Meter den Kolonnenweg weiter gingen und dann, den "Panzergraben" überwindend über eine Heidefläche, etwa 70m in die krautig bewachsene Niederung des Grenzbaches hinab stiegen, der hier die Grenze zu Tschechien bildet. Das Biotop war gekennzeichnet durch Heideflächen und Feuchtwiesen, die gemäht werden müssen, um Baumneuwuchs zu verhindern.
Der Panzergraben war mit schräg gestellten Betonplatten aus Hohlbeton (!) armiert. Diese Platten erweisen sich heute im Nachhinein als ideale Höhlen für Füchse und Dachse, die sich nur von unten eingraben müssen.

Von dort zog die Autokolonne weiter zur 2. Station in die Nähe von Tiefenbrunn. Auch hier ein "Geschützter Landschaftsbestandteil" in 500 - 600 m ü.d.M. mit weiter Sicht ins Bayerische hinein auf Fichtelberg und Ochsenkopf. Die Erhebung hier stellt die Wasserscheide zwischen Saale und Elster dar.
Auch hier neben dem Kolonnenweg, einst von DDR-Grenzern befahren, der stets begleitende Panzergraben, und danach entlang der Grenze Wiesen und Felder.

Das 3.Biotop, der "Geschützte Landschaftsbestandteil  Sachsgrün".
Parallel zum Panzergraben verläuft hier eine Landstraße. Hinter dem Graben beginnt ein sumpfiger Föhren- und Laubwald.
Zwischen Sauergräsern und Wasserrinnsalen wurde gekäschert und fotografiert, während hoch über uns die wuchtigen Schläge der Windkrafträder rauschten. Ich selber empfand, während ich im Grase mit dem "Niederwild" beschäftigt war, diese rhythmischen Rauschschläge nicht als störend. Es hörte sich an, als wenn weiter weg Autos vorbeihuschten.

Zur 4. Station, NSG "An der Ullitz" bei Blosenberg, ging es weite Strecken bergauf. Die Sicht war weit, es wurde zunehmend hügeliger und trockener.
Wir befanden uns nach einer kleinen Fußwanderung in einem Trockenrasenbiotop, unterbrochen von Hecken mit vielen Schlehen und Eichengehölzen.
Die Eichen, obwohl über hundert Jahre alt, wachsen nicht weiter, wie uns Herr Findeis erklärte, seien aber gesund. Vielleicht ist der Wassermangel der Grund dafür. Nur in steilen Senken hielt sich hier und da ein ansehnlich großer Baum.
Gepflegt wird dieses Gebiet durch Hüteschafhaltung - sehr wichtig, um die autochthone Flora hierzu erhalten, z.B. die Purpursommerwurz (Orobanche purpurea), Natternkopf (Echium vulgare), Pechnelke (Lychnis  viscaria) und den Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus). Sogar eine besondere Veronicaart, das Dilennius Knabenkraut (Veronica dillennii) kommt hier vor und unter den Heuschrecken gibt es hier den Warzenbeißer (Decticus verrucivorus).

Das 5. und letzte NSG hatte den schönen Namen Himmelreich. Es liegt deutlich hörbar direkt östlich des Autobahndreiecks Hochfranken.
Dieses Gebiet wurde noch vor dem Neubau der Autobahn rechtzeitig für den Landschaftsschutz gerettet. Feuchte Wiesengründe, Flachmoore, Hecken und Kleingehölze (z.T. auf Kalkböden) gewährleisten viele floristische und faunistische Gesellschaften:
Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), die Einbeere (Paris quadrifolia), und an Waldrändern auch der Seidelbast (Daphne mezereum).

An diesem - vielen von uns besonders geschätztem Orte - verabschiedete sich unser kundiger Führer Herr Findeis, nicht ohne seiner Erwartung Ausdruck zu geben, er freue sich über eine Rückmeldung von uns mit entomologischen Berichten der erkannten und fotografierten Insektenarten.