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MICHAEL WOELKY wurde 75


Jeden 2. und 4. Dienstag im Monat Punkt 17.00 Uhr, schließt MICHAEL WOELKY im Exploratorium des Museums für Naturkunde Berlin den Schrank mit den Stereomikroskopen auf und begrüßt Gäste und die mit ihm erschienenen Mitglieder der Entomologischen Gesellschaft ORION-Berlin gegr. 1890 e. V.

Die Schränke, die danach geöffnet werden, geben Einblick in einen wahren entomologischen Schatz: eine Schmetterlingssammlung mit derzeit 2478 Arten der Berlin-Brandenburgischen Fauna und eine Käfer-Bestimmungssammlung mit 8981 Arten aus Mitteleuropa. Auch andere Insektenordnungen sind vertreten, z. B, Odonata, Heteroptera, Trichoptera etc.

MICHAEL WOELKY, seit über 40 Jahren der 1. Vorsitzende des ORION und von seinen Freunden MIKE oder MAIK gerufen, hütet diesen Schatz wie seinen Augapfel, denn das alles ist von Vereinsmitgliedern in jahrelanger Arbeit zusammengetragen und unter seiner Ägide erweitert und gehütet worden. Arbeiten in der Sammlung oder Bibliothek, Bestimmungen, Kurzvorträge und Diskussionsrunden finden überwiegend am 4. Dienstag im Monat statt. Der 2. Dienstag ist den wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Vortragen gewidmet. Es ist eine Gemeinschaftsveranstaltung zusammen mit den im NABU organisierten Entomologen Berlins. Diese monatlichen Treffen finden seit ca. 15 Jahren statt und haben sich als ein gut besuchtes Forum für alle Berliner Entomologen entwickelt. Regelmäßig erscheinen interessierte Gäste, die dank der guten Öffentlichkeitsarbeit des Museums und des ORION von den Vorträgen erfahren haben. Der ORION und das Museum sind heute eng miteinander verbunden. Schrittweise und mit viel Geschick ist es M. WOELKY zusammen mit dem Ehrenmitglied M. GERSTBERGER gelungen, das Museum zur festen Heimstätte der Gesellschaft zu machen.

M. WOELKY trat 1960 dem ORION bei, der sich bereits kurz nach dem Kriege im Westteil der Stadt neu gegründet hatte. Zu der Zeit gab es kein festes „Vereinslokal". Die Mitglieder trafen sind zum Erfahrungsaustausch in verschiedenen Gaststätten. Es gab für den kleinen Verein, der damals noch nicht einmal das e. V. im Namen führte, keinerlei behördliche Unterstützung, weder finanziell noch durch ein Nutzungsrecht eines Raumes etwa in einem Museum oder in einer Bibliothek. Das brachte viele Probleme mit sich, weil immer wieder auch ein Standort für die Sammlungen und Bibliothek gefunden werden musste. Während als erstes die Käfersammlung im Biologischen Institut der Technischen Universität bei Prof. KORGE einen würdigen Platz gefunden hatte, waren die Schmetterlingssammlung und die vereinseigene Bibliothek bis in die 70er Jahre in wechselnden provisorischen Räumlichkeiten, zuletzt im Sportcasino der Sporthalle Schöneberg, untergebracht. Um diesen auf die Dauer unhaltbaren Zustand zu ändern, wurde MICHAEL nie müde, beharrlich nach einem beständigen Platz zu suchen. Durch die Vermittlung von MANFRED GERSTBERGER fand der Verein schließlich einen Tagungs- und Sammlungsverbleib in den Räumlichkeiten der „Naturwissenschaftliche Sammlungen" des Stadtmuseums in der Charlottenburger Schlossstraße. Dort stand die Sammlung so lange, bis sie zu ihrem (hoffentlich) endgültigen Standort im Museum für Naturkunde wechselte.

Als MICHAEL zusammen mit seinem Bruder OTFRIED, beide Ur-Berliner, der damaligen „Altherrenrunde" des ORION beitraten, waren die dort aktiven Entomologen bald sehr beeindruckt von der großen Artenkenntnis der Brüder, sodass sie MICHAEL 1973 zu ihrem 1. Vorsitzenden wählten. Kaum gewählt, verblüffte er seine Vereinsfreunde mit dem Plan: Wir machen eine Insektenbörse in West-Berlin. Und als Ort der Börse stellte er - aus damaliger Sicht eine an Größenwahn grenzende Idee - die Kongresshalle im Tiergarten (heute bekannt als Haus der Kulturen der Welt) in Aussicht.

Der Schreiber dieser Zeilen weiß nicht, wie M. WOELKY es geschafft hat - seine Erfahrungen als versierter Holzkaufmann mögen ihm zustatten gekommen sein -aber 15 Jahre lang, bis Ende der 70er Jahre, richtete der ORION mit MICHAEL WOELKY als Organisator jedes Jahr in der Haupthalle dieses prominenten Gebäudes eine Insektenbörse aus. Deutschlandweit kamen Aussteller und Händler nach Berlin. Mit dem erzielten Überschuss konnten Fachliteratur und Fachzeitschriften für den Verein angeschafft, das Vereinskonto aufgestockt und Zuschüsse in Form von Benzingeld für Exkursionen bezahlt werden. Besonders beliebt wurden die „Pfingstexkursionen", die auch heute noch stattfinden (allerdings ohne Zuschüsse). M. WOELKY war sich früh bewusst, dass ein verheirateter Entomologe immer nur so gut sein kann, wie ihn seine Frau werden lässt. Er hat deshalb immer darauf gedrängt, dass auch die Ehepartner zu diesen Exkursionen mitkamen oder bei anderen Zusammenkünften einbezogen wurden.

In der Zeit vor dem Mauerfall war die brandenburgische Umgebung für Westberliner Entomologen verschlossen. Stattdessen lernten sie auf den alljährlichen Exkursionen die Landschaften Süddeutschlands, besonders die der Fränkischen Schweiz, kennen und lieben. Die Organisation lag immer in den Händen von MAIK.

Unter dem Vorsitz von MICHAEL WOELKY haben die Vereinsmitglieder schon früh ihre entomologische Feldarbeit unter dem Blickwinkel des Biotop- und Artenschutzes betrieben und viele faunistische Daten gesammelt. Es ist seiner Beharrlichkeit und großen Menschenkenntnis zu verdanken, dass es ihm stets gelungen ist, die notwendigen behördlichen Sammelgenehmigungen, wo auch immer in Deutschland, zu bekommen. Er selbst ist ein „Schmetterlingsmann". Sein Interesse gilt den „Makros", von denen er eine umfangreiche Sammlung angelegt hat. Darüber hinaus ist er ein gewiefter und erfolgreicher Züchter, was ihm einen guten Ruf als kompetenten Lepidopterologen eingebracht hat.

Nach Jahren der Stagnation beginnt sich der ORION heute langsam zu verjüngen. In den letzen zwei Jahren sind viele junge Leute hinzugekommen. Dazu hat wesentlich der Internet Auftritt des ORION beigetragen. Die web-Seite des ORION ist ein attraktives und gelungenes Aushängeschild der Gesellschaft: www.orion-berlin.de. Sie führt sowohl zu einer Fundgrube an Fakten über die Entomofauna von Berlin und Brandenburg als auch über die Gesellschaft selbst. Es ist bezeichnend für seine vorausschauende Vereinsführung, dass M. WOELKY diese wichtige Art der Kommunikation schon in ihren Anfängen als unverzichtbar für die Vereinsarbeit erkannt und gefördert hat. Als „web-master" konnte er seinen jüngeren Bruder HUBERT gewinnen, der mit großem Engagement für Qualität und Aktualität der web-Seite sorgt.

Während seiner langjährigen Mitgliedschaft im ORION, davon mehr als 40 Jahre als 1. Vorsitzender, hat er es geschafft, die Gesellschaft nicht nur zusammenzuhalten, sondern sie auch zu erneuern und der entomofaunistischen Arbeit in Berlin einen Anlaufpunkt, ein Zuhause zu geben. Dafür sind wir ihm dankbar.

MICHAEL WOELKY hat sich um die Berliner Entomologie verdient gemacht. Am 25. Oktober 2013 wurde er 75. Wir gratulieren ihm.

Ein Artikel in den Entomologische Nachrichten und Berichte, 57, 2013/4
TEXT JÖRG HEIMANN & WOLFRAM MEY


Lutz Stiesy  * 23.07.1936  † 21.11.1995


Plötzlich und unerwartet verstarb am 21. November 1995 im Alter von erst 59 Jahren der bekannte Berliner Lokalfaunist Lutz Stiesy. Berlins Entomologen verloren mit ihm einen aktiven Schmetterlingsforscher und eines ihrer aktivsten Verbandsmitglieder.
1936 in Schmalkalden in Thüringen geboren, kam er 1954 nach dem Abitur nach West-Berlin, da ihm in der DDR ein Studium verwehrt wurde. An der TU studierte er zum Bau- Ingenieur und trat 1963 seine Stellung bei den Berliner Entwässerungswerken an, die er bis zum Ende seiner Berufstätigkeit bekleidete. 1991 erzwangen die gesundheitlichen Folgen eines Herzinfarktes den Vorruhestand.
Lutz Stiesys lebenslanges Interesse an der Natur entstand in der Schule und wurde durch einer seiner Lehrer geweckt und gefördert. Gern erzählte er von botanischen Exkursionen durch Thüringens herrliche Landschaften.
Zu seinen Lieblingen, den Schmetterlingen, kam Stiesy in Berlin sowie auf Urlaubsreisen in den Naturlandschaften Süddeutschlands und Österreichs. Auch dabei stand vor fast 25 Jahren wieder ein Pädagoge Pate: Der Klassenlehrer einer seiner Töchter vermittelte die Kontakte zu den Entomologen – wie die Insektenkundler heißen – der Stadt Berlins bekannte Schmetter- lingsforscher Stöckel und Cleve gaben Anleitung und Hilfe für erste eigene faunistische Untersuchungen. Stiesy sammelte aktuelle Beobachtungen und wurde bald zum Schmetterlingsexperten für den Westberliner Süden, insbesondere für Marienfelde und Lankwitz. Begeistert widmete er sich 1983 bis 1987 der Arbeiten für die zweiteilige Schmetterlingsfauna des damaligen West-Berlins. Hier wurde auch sein Talent als Zeichner sichtbar. Viele erläuternde Abbildungen stammen von Lutz Stiesy. Sein letzter Beitrag zur Erforschung der Berliner Schmetterlingsfauna waren seine Beobachtungen auf dem ehemaligen Flugplatz Johannisthal in Treptow.

Lutz Stiesys jäher Tod reißt eine große Lücke in die kleine Zahl kompetenter Berliner Verbandsentomologen. Im traditionsreichen Berliner Entomologischen Verein „ORION“ bekleidete er die Ämter des 2. Vorsitzenden sowie des Bibliothekars. Mit der Betreuung der Vereinschronik zum 100jährigen Bestehen des „ORION“ leistete Lutz Stiesy auch einen Beitrag zur Berliner Kulturgeschichte. In den letzten Jahren hielt Stiesy engen Kontakt zu den Potsdamer Entomologen – sein persönlicher Einsatz für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den entomologischen Vereinen und Arbeitsgruppen in Brandenburg und Berlin.

Manfred Gerstberger


Erich Haeger  * 17.09.1893  † 27.03.1993


Der erste Weltkrieg war vorüber, als eirıes Tages in unserem Stettiner Entomologenkreis ein unbekannter ostpommerscher Landlehrer, Erich HAEGER, auftauchte und ein paar selbstgefangene Schmetterlinge zur Bestimmung vorlegte. Erstaunliche Arten waren darunter, wie sie vorher und später in jenen Gegenden kaum wieder gesehen wurden: Synvaleria oleagina SCHIFF., Ochrostigma melagoııa BKH. u. a. HAEGER, der den ganzen Krieg mitgemacht hatte und mit dem Goldenen Verwundeten-Abzeichen, aber krank an Seele und Leib zurückgekehrt war, hatte von einem verständigen Arzt den guten Rat bekommen, zur Beruhigung seiner Nerven so etwas zu tun wie Schmetterlinge sammeln. Aber das bloße Sammeln befriedigte ihn nicht. Als er nun in Stettin dazu angeregt wurde, sein pommersches Heimatland faunistisch zu erkunden, stürzte er sich mit Feuereifer auf diese neue Aufgabe. Ein Motorrad, ja später ein Wagen wurden angeschafft, und damit bereiste und besammelte HAEGER weite Teile des entomologisch so wenig bekannten Ostpommerns, in erster Linie aber die Mössen und Wälder seiner engeren Heimat um Alt-Valm im Kreise Neustettin. Hier war er als echter Bauernsohn zuhause.

Dabei hielt er aber die Verbindung mit Stettin immer aufrecht, stets bereit, Neues zu lernen und durchzuführen, und in allem, was er unternahm und berichtete, offen, rnitteilsam und zuverlässig. Gegenseitige Besuche und persönliche Aussprachen folgten, bald waren wir gute Freunde. HAEGER aber wuchs allmählich zum besten Kenner ostpommerscher Falter und zu einem unentbehrlichen Mitarbeiter an der geplanten "Pommernfauna" heran, die ohne ihn für den Osten hätte unvollständig bleiben müssen.

Infolge von Differenzen mit Kollegen aus Nazikreisen wurde HAEGER, der doch so ein begeisterter, guter Lehrer seiner Landkinder war, an die äußerste Grenze des Landes in ein kleines Nest Gewiesen "strafversetzt". Damit tat man ihm unbewußt den größten Gefallen. Hier gab es eııtomologisch völliges Neuland, also reiche faunistische Betätigung für ihn. Seine Veröffentlichungen über Fänge an einer "Lichtfalle" im Schulhaus berichten davon.

Dann aber kam der zweite Weltkrieg und mit ihm der Zusammenbruch. - HAEGER hatte in Gewiesen aushalten wollen, mußte aber im Sommer 1945 schließlich mit seiner Familie doch abwandern. Verarmt und entkräftet, seiner Sammlung und Bücher beraubt, traf er in der Mark Brandenburg ein und suclıte sich eine Lehrerstelle in Kreuzbruch bei Liebenwalde, wo ihm die Gegend entomologisch interessant erschien. Hier trafen wir uns unverhofft wieder. Schwere Zeiten folgten, aber unentwegt begann unser alter Freund auch hier wieder mit dem Aufbau einer Sammlung und mit der Durchforschung der neuen Heimat. Von seiner günstig gelegenen Schulhauswohnung aus betrieb er Nacht für Nacht Lichtfang, erst primitiv, dann immer vollkommener, bis er zum regelrechten Lichtfangspezialisten heranreifte.

Alle Anflüge wurden genau registriert, alle Fänge nach Möglichkeit exakt bestimmt oder in Verbindung mit anderen Kennern durchgesprochen und bekanntgegeben, und als mit der Erreichung der Altersgrenze der Abschied von der lieb gewordenen neuen Heimat nahte, verfügte HAEGER über ein Beobachtungsmaterial und listenmäßige Erfassungen von Lichtfängen, wie nur wenige Sammler. Er hat mit der Veröffentlichung dieser Beobachtungen einen wertvollen Beitrag für die Fauna der Mark geliefert.

Als Ruhesitz wählte HAEGER den Vorort von Berlin Glienicke an der Nordbahn. Auch hier hatte er von seinem zweckmäßig dafür ausgebauten Häuschen gute Lichtfangmöglichkeiten, vor allem aber reizte ihn die günstige Verbindung mit Berlin. Er wurde zum ständigen Besucher der Berliner Entomologenabende; auf allen Tagungen, überall war und ist HAEGER heute der bekannte, beliebte Faunist, Kenner seiner Falter und ihrer Fangmethoden, der temperamentvoll und immer interessiert von seinen abenteuerlichen Fahrten und Fängen berichtet und freigebig von den ihm zugeflogeııen Schätzen abgibt.

HAEGER hat Glück bei seinen Beobachtungen, aber Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige. Er hat sich in Glienicke auch keineswegs zur Ruhe gesetzt, sondern jetzt hat er erst die rechte Zeit gefunden, seine Erkundungen über Teile der Mark auszudehnen, die bisher kaum beachtet wurden. Das gilt besonders von vielen entlegenen Punkten im Süden der Mark, womit der Anschluß an die mitteldeutsche Fauna gewonnen wird.

Mit schwerem Gepäck ohne sich Ruhe und Rast zu gönnen, immer wieder erfüllt vom Eifer für neue Beobachtungen, dringt der über 70jährige wie ein Jugendlicher den ganzen Sommer hindurch wöchentlich zu den Stellen vor, wo es ihm möglich ist, sein Licht leuchten zu lassen, während zuhause die stets verständnisvolle, wackere Hausfrau die Lichtfalle bedient.

Möchte uns unser Freund HAEGER noch lange in voller Leistungsfähigkeit erhalten bleiben!

E. URBAHN
31. Oktober 1965, Mitteilungen der Deutschen Entomologischen Gesellschaft, e.V., Jahrgang 24, Nummer 4


Kurt Waschke  * 22.02.1901  † 30.09.1989


Kurt WASCHKE entstammt einer Altberliner Handwerkerfamilie und übt selbst bis auf den heutigen Tag das Maler-Handwerk aus.

Die Liebe zur Schmetterlingswelt erwachte in ihm, als sein naturliebender Vater ihn im Alter von 8 Jahren dazu anleitete, das Tagpfauenauge aus Raupen zu züchten. Hierzu zeigte auch die aus Ostpreußen vom Lande stam- mende Mutter viel Verständnis.

Mit 12 Jahren sammelte er bereits Schmetterlinge seiner Berliner Heimat und trat mit 18 Jahren dem Verein „ORION“ bei, dem er seitdem über 50 Jahre als ältestes Mitglied angehört.

Kurt WASCHKE ist einer der besten Kenner der märkischen Schmetterlinsfauna, denn er besuchte, solange es irgend ging, auf seinen Sammelfahrten regelmäßig die weitere Umgebung Berlins mit so klassischen Sammelorten wie Finkenkrug und Rüdersdorf.

Da auch seine Frau aus Tilsit in Ostpreußen stammt, hatte er früher oft Gelegenheit, ostpreußische Verwandte zu besuchen und im Zehlau-Bruch und an anderen Orten Ostpreußens die Schmetterlingswelt zu studieren.

Nach 1945 gründete er mit August GUHN und Hermann RANGNOW jun. die entomologische Vereinigung ORION aufs Neue, deren Ursprung in Berlin auf das Jahr 1890 zurückgeht.

Kurt WASCHKE gehört seitdem, seit über 20 Jahren, dem Vorstand des ORION an, dem er durch seinen persönlichen Einsatz weitgehend das Gepräge gab.

Wenn der ORION viele aktive Insekten-Sammler aller lnteressensgebiete in Berlin zweimal monatlich zur Aussprache, Bekanntgabe ihrer Beobachtungen und wissenschaftlichen Auswertung des Festgestellten vereint, und darüber hinaus alljährlich die Berliner Insekten-Tauschbörse stattfinden konnte, so ist dies in hohem Maße WASCHKE's Verdienst.

Seit 1965 Jahren ist er der 1. Vorsitzende des Vereins ORION, in dem er 1968 zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Die Entomologische Gesellschaft wünscht dem Jubilar noch viele weitere Jahre, die mit der Freude an der Entomologie ausgefüllt sein mögen.

Dr. Karl CLEVE
01. Januar 1971, Mitteilungen der Entomologischen Gesellschaft in der BRD, Jahrgang 29, Heft 4


Der Käfersammler Emil Werner  * 4.12.1904  † 18.12.1987

Erinnerungen von Jürgen Gienskey


Emil Werner 1971 in Bärenfels

Als ich 1960 in einem Schaufenster in Berlin-Reinickendorf das Käferbüchlein von Hans Wagner sah, es kaufte, begann meine Sammlertätigkeit. Da ich darin gute Tipps las, wie man fängt und eine Sammlung aufbaut, brauchte ich Utensilien. Also ging ich zur Insektenbörse, die damals in der Mensa der Universität in Dahlem am 4.12. stattfand. An der Kasse saß ein Herr im fortgeschrittenen Alter. Er erklärte mir auf meine Frage, wo ich die benötigten Dinge bekommen könne: Bei ihm in Moabit, in der Bugenhagenstraße. Neben seiner Tätigkeit als Herrenmaßschneider hatte er von der Münchener Firma Reitter die Vertretung für Insektensammlerbedarf übernommen. So fing alles an. Als sich dann noch herausstellte, daß wir beide am gleichen Tag, an dem wir uns kennenlernten, Geburtstag hatten, wußten wir, daß das kein Zufall war. Es begann eine lange Freundschaft. So kam ich zu Emil Werner. Im Laufe der Jahre wurde die Beziehung immer enger. Unsere Frauen lernten sich auch kennen. Der Höhepunkt war die Übernahme der Patenschaft für unseren Sohn Karsten.

Durch Emil lernte ich den ORION kennen. In den vielen Jahren seiner Mitgliedschaft ( seit 1933 ) brachte er so manchem jungen Sammler die Grundkenntnisse der Koleopterologen bei. Viele, die es lesen, wissen was sie Ihm zu verdanken haben. Unterstützt wurde er von seiner Frau, einer Schmetterlingssammlerin mit dem Spezialgebiet Eulen, die schon genau so lange Mitglied war.

Die nicht vollständige Liste seiner Reisen und Sammelorte läßt erahnen, wie aktiv er war. Viele seiner bekannten Sondergebiete hat er erst nach dem Ende seiner Berufstätigkeit, die er mit 71 Jahren beendete, begonnen. Seine Frau erzählte oft über ihn, daß ihr  "Olleken", schon morgens ab 5 Uhr am Tisch saß, um zu präparieren oder zu bestimmen.

Wie oft haben wir im Verein gehört, wie wichtig es sei, die Tiere richtig zu etikettieren. Was mußte sich unser Vorsitzender anhören, als der Vortrag, den Emil halten wollte in der Vortragsliste mit  "verbogenen Rüßler" betitelt war. Er konnte sehr genau sein. Einige Male war ich mit Ihm gemeinsam auf Reisen. Ein großes Erlebnis war es, nach stunderlanger Suche im feuchten Flußufer der Drau endlich jeder ein Tier von Bembidion eques (einem nicht häufigen kleinen Laufkäfer) zu erwischen.

Es wurden nicht nur Käfer gesammelt. Auch die Botanik kam nicht zu kurz. Interesse war für alles aus der Natur da. Als unser Freund Günter Grundmann mit in Simmerlach in Kärnten war, hatten wir das für uns seltene Erlebnis in einem alten Stollen das Leuchten von Antimonit unter dem Licht der UV-Lampe zu bewundern. Angeregt dadurch, kam gleich darauf die nächste Überraschung. Als wir abends mit der Lampe die Steinmauer der Zufahrt zu unserer Pension ableuchteten, entdeckten wir, da die Tiere grün aufleuchteten, eine kleine Skorpionart, die wir sonst nur mühsam gefunden hätten.

So gäbe es noch viele Geschichten zu erzählen. Es sollte jedoch kein Buch werden, sondern nur ein Hinweis auf den Grund, etwas über Emil Werner festzuhalten. Die Sammlung von Emil Werner befindet sich in meinem Besitz. Sie besteht aus ca. 35 Kästen unterschiedlicher Größe. Es dürften etwa 8.000 Tiere in ca. 1500 Arten sein.

Ich will nach einigen Jahren noch eine Ergänzung hierzu schreiben Denn durch das Erscheinen der Entomofauna Germanica, Verzeichnis der Käfer Deutschlands, von Frank Köhler und Bernhard Klausnitzer, erhielt ich die Möglichkeit, besser nach Raritäten in der Sammlung zu fahnden. Vieles hat sich inzwischen als Wunschdenken in der Bestimmung erwiesen. Es kann aber auch umgekehrt sein. Vielleicht sind ja bei gewöhnlichen Tieren auch Besonderheiten.

Mein Anliegen war aber eigentlich, Emil nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.


Gustav Wethlo  * 17.12.1887  † 02.04.1987


Aus dem Leben eines Entomologen - so berichtete uns der Jubilar in unserer Aprilsitzung von sich und seiner Tätigkeit, die er zum Teil als Liebhaber, zum Teil beruflich für die Entomologie ausübte.

Geboren am 17. Dezember 1887 in Berlin kam er nach Besuch des Friedrich- Gymnasiums und des Lehrerseminars 1908 als Lehrer in den Schuldienst, wurde 1926 Schuldirektor und übernahm später das Amt eines Schulrates. Aus politischen Gründen mußte er 1933 seinen Dienst quittieren und stand vor der bangen Frage: was nun? Da bot sich ihm unerwartet eine Gelegenhet an, seine schon seit frühen Jahren vorhandene Liebe zur Entomologie praktisch anzuwenden. Bei der zur damaligen Zeit weltbekannten Insektenfirma „Dr.O.Staudinger -- A.Bang-Haas“ in Dresden suchte man einen Sachbearbeiter für Koleopteren, und es dauerte nicht lange, so hatte sich Herr WETHLO eine leitende Stellung in der Firma erarbeitet, die ihn mit allen Insektenordnungen in Berührung brachte. Aus dieser Zeit rührt der schriftliche und auch persönliche Verkehr mit vielen Entomologen Deutschlands und der Welt her. In seiner humorvollen und unterhaltsamen Weise schilderte er uns zahlreiche Anekdoten aber auch die oft mühevolle Arbeit, den Bestand an Insekten zu erhalten, zu vergrößern und die zahlreichen und oft schwierigen Kunden zufrieden zustellen.

Nach 1946 war Herr WETHLO wieder in Berlin als Schulrat und später als Stadtrat für Volksbildung in einem Berliner Verwaltungsbezirk tätig und trat 1955 in den Ruhestand.

Gerade die dienstliche Stellung brachte ihm die Möglichkeit, der Entomologie im Schulunterricht größere Bedeutung einzuräumen. Auch die Tätigkeit als Dozent an der Berliner Diesterweg-Hochschule - einer Institution für Lehrerfortbildung - gab Gelegenheit,in Vorlesungen, Exkursionen und praktischen Übungen besonders die Entomologie zu berücksichtigen.

Von zahlreichen Sammelreisen nach Nordafrika, Balkan, Italien, Jugoslawien, Hohe Tatra, Spanien, Teneriffa und Griechenland brachte er Material und vor allem auch zahlreiche Farbdias von Insekten, aber auch von Land und Leuten mit, die er in Vorträgen weiteren Kreisen, auch außerhalb der entomologischen Vereine zugänglich machte,immer bemüht,das Interesse für die Entomologie zu wecken und zu fördern.

Die Berliner Vereine kennen Herrn WETHLO als rühriges Mitglied und auch als Vorsitzenden des Vereins „0rion“, wo er 12 Jahre lang die Geschicke leitete und heute noch als Ehrenvorsitzender an den Sitzungen teilnimmt. Weiter ist er Mitglied der Münchener Entomologischen Gesellschaft sowie zweier Botanischer Vereine in Berlin.

Alle seine Freunde sowie die Mitglieder der DEG wünschen dem Jubilar weiterhin Gesundheit und hoffen, ihn noch möglichst oft in ihren Kreisen begrüßen zu können.

Sth.
Mitteilungen der Deutschen Entomologischen Gesellschaft, e.V., Jahrgang 26, 31.Dezember 1967, Nummer 5


Dr. Carl Cleve  * 02.05.1901  † 17.08.1979


Wer das mit Kunstschätzen aller Art ausgestattete Clevesche Haus in der Fasanenstraße 39 betritt und die Freude hat, in den Räumen der gastfreien Familie CLEVE, Eltern, Tochter und Sohn, weilen zu dürfen, wird immer stark beeindruckt sein von dem Sinn für alles Schöne, für Kunst wie für Wissenschaft, dem er hier begegnet, aber auch von dem wunderbaren Zusammenklang dieses Familienkreises, in dem alte Tradition und neues Vorwärtsstreben harmonisch vereint sind.

Dr. CLEVE, dessen Familie Beziehungen nach Holland hat, dessen Vater aber aus der Gegend von Schivelbein im ehemaligen Pommern stammte, ist in Berlin geboren und hat hier auch seine Jugendzeit verlebt. In München studierte er Maschinenbau, promovierte dort 1927 mit einer Arbeit über den Wasserumlauf in Dampfkesseln und war dann bis zu seiner Pensionierung als Oberingenieur und Fachkraft für Dampfkessel- und Feuerungsbau bei Borsig tätig. 50 Veröffentlichungen aus seinem Spezialgebiet legen Zeugnis ab von seinen besonderen Fachkenntnissen.

Von früher Kindheit an sammelte unser lieber Freund CLEVE Schmetterlinge und züchtete Raupen, wenn diese auch, wie der Knabe resignierend meinte, „von allein totgingen". Später ließen Dienst und andere Aufgaben keine Zeit für die Beschäftigung mit der Entomologie. 1945 aber kam er auf Dienstreisen mit dem Hamburger Sammlerkreis und besonders mit Georg WARNECKE in Verbindung, der ihm zum guten Freund und Helfer bei allen entomologischen Fragen und Unternehmungen wurde.

In Berlin schloß sich Dr. CLEVE, der 1937 geheiratet hatte, der DEG und dem „Orion“ an, besuchte aber auch die Sitzungen der „Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin“. Dadurch kam er mit vielen Kennern und Förderern unserer biologischen Wissenschaft, vor allem aber der Entomologie,in Berührung. Bald war er überall ein geschätzter, ja unentbehrlicher Mitarbeiter, wirkte in verschiedenen Ämtern des Vorstandes beider wissenschaftlichen Gesellschaften mit. Stets pflichtbewußt, hilfreich und freundlich vermittelnd, trägt er viel zu einem geordneten, in Ruhe aufwärtsstrebenden Vereinsleben bei und wirkt in ähnlichem Sinne auch für den Zusammenhalt im großen Kreis der Familie CLEVE.

Für die Förderung seiner Sammlung und die Kenntnis der Schmetterlinge ist er unausgesetzt in allen freien Stunden tätig. Er liebt es nicht, Urlaubstage im bequemen Nichtstun in einem Strandbad zu verbringen. Von jeher hat er diese Zeit zu Beobachtungsfahrten in die Alpen und in interessante, schöne Gegenden Deutschlands ausgenutzt. Dabei hat er dank seiner Kenntnisse und aller sich bietenden Gelegenheiten oft hervorragende Fänge gemacht. Es sei nur an den Fang einer seit langer Zeit bei Hannover zwar bekannten aber nie wieder dort aufgefundenen Tephronia cremiaria FRR. erinnert. -- Dieselbe unermüdliche erfolgreiche Tätigkeit entwickelt Dr. CLEVE auch bei seinen Forschungen um Westberlin, wo er sich mit sicherem Blick Gebiete zu exakten Erkundungen ausgewählt hat, die inzwischen reiche Früchte getragen haben, die Naturschutzgebiete Teufesbruch bei Spandau und die Pfaueninsel. Wenn man bedenkt, daß zur Erreichung dieser Ziele mit öffentlichen Verkehrsmitteln -- einen Wagen hat Dr. CLEVE nicht, hin und zurück mehr als 3 Stunden nötig sind, und dass er auf der Pfaueninsel innerhalb der letzten 3 Jahre fast 100mal halbe Nächte beim Licht- und Köderfang tätig war, so erkennt man erst die ganze Einsatzfreudigkeit dieses großen nicht nur stattlichen Entomologen.

Die Auswertung aller dieser Beobachtungen in Nah und Fern, die in exakt geführten Karteien und Sammlungen niedergelegt sind, kommt jetzt während des sog. Ruhestandes in Vorträgen und vielen Spezialarbeiten zur Geltung. Dabei weiß Dr. CLEVE durch seine technischen und mathematisch- physikalischen Kenntnisse auch in moderne Forschungsmethoden einzudringen, die vielen älteren Entomologen verschlossen sind.

Zur Vollendung des 70. Lebensjahres wünschen wir dem verehrten Jubilar, der die Freude hat, in seinem herangewachsenen Sohn einen Mitarbeiter mit gleichen Interessen neben sich zu wissen, weitere Schaffenskraft und gute Erfolge noch für viele Jahre.

E. URBAHN
Mitteilungen der Deutschen Entomologischen Gesellschaft, e.V., Jahrgang 30, 1.Juni 1971, Heft 2


Dr. Karl Stöckel   * 30.08.1898  † 02.08.1978


Am 30. August 1968 vollendete der bekannte Berliner Großschmetterlingsforscher Dr. Karl Stöckel in Berlin-Zehlendorf das 70. Lebensjahr.

Seit über 60 Jahren ist der Jubilar ein nie ermüdender Beobachter und Sammler der märkischen Falterwelt. So nahm er am Tage nach seinem 70. Geburtstag an einem sich bis nach Mitternacht erstreckenden Leuchtabend auf der Pfaueninsel teil und stellte durch sein Stehvermögen auch jüngere Teilnehmer in den Schatten.

Durch den Arztberuf seines Vaters kam er schon als Schüler durch weite Teile der Mark Brandenburg. Mütterlicherseits entstammt er dem altberliner Geschlecht der Beussels, die im Nordwesten Berlins ansässig waren. Sein Vorfahr Georg Christian Beussel (gest. 1844) war Landwirt in Martinicken-felde, einem Teil des heutigen Moabit, von wo aus er eine Straße, die spätere Beusselstraße, anlegte.

Nach dem Studium der Architektur an der TH Berlin, das Stöckel mit einer Dissertation über Hannovers Renaissancebauten abschloß, stand ihm in der Berliner Bauverwaltung eine aussichtsreiche Laufbahn bevor. Diese wurde im Jahre 1933 infolge seiner offenen Gegnerschaft zu den neuen Machthabern jäh unterbrochen.

Stöckel fand nun Trost und Ausgleich in der weiteren und noch intensiveren Erforschung der märkischen Schmetterlingsfauna. Seine umfangreiche Spezialsammlung fiel aber leider 1943 den Bomben zum Opfer.

Nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft begann er 1946 mit dem Wiederaufbau seiner Sammlung und der Neubearbeitung seines Werkes über die Großschmetterlinge Berlins und der Mark Brandenburg. Dies war damals mit Rücksicht auf die unmittelbaren Kriegsfolgen sehr schwierig. Auch hatte er dabei mehrfach unerwartete Berührung mit fremden Dienststellen. Sein Sammeleifer entführte ihn nämlich gelegentlich in abgegrenzte Bezirke. Von dort kehrte er manchmal erst nach gründlichen und lange Zeiträume beanspruchenden Prüfungsprozeduren über seine Naturkundekenntnisse schließlich wieder wohlbehalten zurück.

Schließlich gelang es, die Sammlung, unter Hinzufügung von Neufunden, etwa wieder auf den alten Stand zu bringen. Zur exakten Determination hat er dabei oft die berühmte Pünglersammlung durchstudiert, wobei er durch den ihm befreundeten Professor HERING unterstützt wurde.

Karl Stöckel ist wiederholt mit insbesondere ökologischen und lokal-faunistischen Arbeiten an die Öffentlichkeit getreten. Auch hat er an den Bestrebungen der Berliner Landesnaturschutzstelle zur Faunenbestandsaufnahme regelmäßig mitgearbeitet.

Vor etwa zehn Jahren hat er eine in ihrer Ausführlichkeit einmalige Fauna der Großschmetterlinge der Mark Brandenburg zusammengestellt und danach laufend ergänzt. Der Determination kritischer Arten schenkte er dabei besonderes Interesse. Dies kommt an vielen Stellen, wie z. B. bei der Melitaea athalia-Gruppe, zum Ausdruck. Infolge finanzieller Schwierigkeiten konnte dieses 1200 Druckseiten umfassende Werk leider bisher nicht veröffentlicht werden. Es können aber aus dieser Arbeit wertvolle Informationen an Interessenten mitgeteilt werden.

Wir wünschen Karl Stöckel, der als musischer Mensch auch Verfasser launiger Gedichte und ansprechender Bilddarstellungen ist, noch viele Jahre der Freude an seiner märkischen Heimat.

Mitteilungen der Deutschen Entomologischen Gesellschaft, e.V. Jahrgang 27 /15. Dezember 1968 /Heft 5


Adolf Kricheldorff  * 06.02.1881  † 20.06.1962


Wenn am 6. Februar Adolf KRICHELDORFF seinen achtzigsten Geburtstag feiert, werden seine noch lebenden alten Bekannten und Freunde in Gedanken bei ihm sein und ihm herzlich die Hand drücken; ist es doch den meisten wegen der Trennung unseres Vaterlandes nicht möglich, persönlich mit ihm den Festtag zu verbringen und ihm die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Dabei werden die Gedanken zurückgehen an gemeinsam verbrachte Stunden in unserer märkischen Heimat und an glückliche Sammlertage mit ihren Freuden und Fröhlichkeiten.

Adolf KRICHELDORFF ist ein Entomologe von altem Schrot und Korn; die Liebe zur Insektenkunde ist ihm gleichsam in die Wiege gelegt worden. War doch nicht nur sein Vater Albert KRICHELDORFF ein angesehener Entomologe in Berlin, sondern auch sein Großvater Adolf KRICHELDORFF, der 1873 in Berlin das bekannte entomologische Institut und Handelsunternehmen begründete, das nach seinem 1890 erfolgten Hinscheiden von seineın Sohn und naclı dessen 1924 erfolgten Tod von unserem Jubilar weitergeführt wurde. Seit 1905 ist er Mitglied der Deutschen Entomologischen Gesellschaft, in welcher er sich durch seine menschliche Güte, seine stete Hilfsbereitschaft und durch seine großen Kenntnisse auf dem Gebiet der Käfer- und Schmetterlingskunde einer besonderen Beliebtheit erfreute. Auf zahlreichen Sammelreisen nach Spanien und Portugal, nach Italien und besonders nach Südtirol erweiterte er seine Kenntnisse und brachte viele neue Arten und Rassen mit nach Berlin. Unvergeissen bleiben die Tage mit ihm in Atzwang bei Bozen, wo es ihn immer wieder hinzog, wo er ganz der Natur und dem Sammeln lebte und wo er glücklich und zufrieden war. Aber auch die Wanderungen mit ihm durch den Bredower Forst und den Brieselang gehörten zu den schönsten Erlebnissen. Hier kannte er jeden Weg und Steg und alle bedeutsamen Fundstellen; er wußte, wo der Bussard horstete, wo das Hornissennest sich befand, wo die schönsten Klafter lagen, und wo nıan die herrlichsten Prachtkäfer und Bockkäfer fangen konnte. Wehmütig stimmten seine Erzählungen von den früheren schönen Zeiten, als alles noch anders und viel besser, ursprünglicher war, als noch der schwarze Storch in der Jungfernheide brütete, und heute ganz verschwundene oder seltene Tiere häufig anzutreffen waren.

Der unselige zweite Weltkrieg machte allem ein Ende. Seine so anheimelnden Wohn- und Geschäftsräume, wo man so gern weilte, wurden am 3. Februar 1945 durch Volltreffer und Feuer gänzlich vernichtet; 87 Schränke mit mehr als 4000 Kästen mit Insekten und Vogeleiern, darunter der größte Teilt seiner in 30 Schränken untergebrachten prachtvollen Privatsammlung von palaearktischen und exotischen Lepidopteren und Coleopteren gingen verloren. Ein unersetzlicher Verlustl Der Umzug nach Kleinmachnow, wo seine verheiratete Tochter wohnte, war für ihn ein wehmütiger Abschied von dem geliebten Berlin.

Hier verbringt er seine Tage immer noch mit Sammeln und der Zucht von Insekten und tropischen Aquariumfischen und ausländischen Pflanzen. Seine Gedanken gehen zurück an längst dahingegangene alte Freunde und Bekannte, namhafte Entomologen wie KRAATZ, KOLBE, HORN, RÖSCHKE, WEISE, SCHILSKY, SCHUBERT, Hermann MÜLLER, KLÄGER, HEINE, v. BODENMEYER, deren Namen in der entomologischen Welt fortleben.

Wir Lebenden der alten wie auch der jungen Generation wünschen unserem lieben Freunde Adolf KRICHELDORFF von ganzem Herzen noch viele Jahre voller Gesundheit und Wohlergehen, voller Freude am Leben und an der Beschäftigung mit der Insektenkunde; möge er seinen unverwüstlichen Humor und auch seine Rüstigkeit behalten, damit wir wenigstens einmal im Jahr auf der Insektenbörse mit ihm zusammen sein und uns an seinem heiteren Wesen, an seinem liebenswerten Menschentum erfreuen können.

B. HARMS
15. Februar 1961, Mitteilungen der Deutschen Entomologischen Gesellschaft, e.V., Jahrgang 20, Nummer 1