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Protokoll der Sitzung vom 22.02.2005

Anwesend: 15 Mitglieder, 1 Gast

Eröffnung der Sitzung durch Michael Woelky um 19.15 Uhr – vorher jedoch schon eifriger Betrieb an den Binokularen


Verlesung des Protokolls

Michael Woelky teilt mit, dass René Ressler die Checkliste der Insektenordnung Siphonaptera, die Flöhe also, ins Internet gestellt hat.

Manfred Gerstberger und Dr. Arndt zum Tag der Artenvielfalt am 11.06.2005: An diesem Tag soll im Großen Tiergarten die Anzahl und Vielfältigkeit der Arten durch Beobachtung und Sammeln dokumentiert werden – parallel weltweit u.a. im Central Park in NY. Der Orion als die berufene Instanz für die Insekten Berlins, wird daran teilnehmen.

René Reßler als Bibliothekar legt einige Neuanschaffungen vor, u.a. ein Raupenbestimmungsbuch von Nippe. Außerdem präsentiert er drei CD ROM mit Abbildungen von Blütenspannern, Fam. Eupitheciae.

Thema des Abends: der Vortrag von Prof. Horst Korge mit dem Thema: „ Schnecken fressende Insekten und Entomologen".

Gemäß dem humorvollen Titel bemerkte Horst Korge gleich zu Anfang seiner Ausführungen, dass er sich freue, im internen Kreis des Orion über seine eigenen Erfahrungen bei seinen Exkursionen berichten zu können. So erläuterte er im Laufe seines Vortrages die cychroide Form der Schnecken fressenden Käfer, vornehmlich der Gattungen Cychrus und Procerus: länglicher Kopf, vorgezogene Mandibeln, weit vorstreckbares vorderes Beinpaar und – bei Cychrus – tief hinunter gezogene Epipleuren der Flügeldecken. Diese Merkmale sind Schutzvorrichtungen der Räuber gegen den Schleim, den die Schnecken gegen die Feinde absondern. Der Schleim der Schnecken, namentlich der bei uns eingewanderten und verbreiteten Lusitanischen Wegschnecke, ist enorm wirksam. Horst Korge hat – ganz forscher Forscher – das einmal ausprobiert, indem er mit der Zunge eine Kostprobe vom Schleim genommen hat. Er beschreibt den Geschmack als etwas unangenehm aber andauernd – man wird den Geschmack nicht so schnell wieder los.

Seine Cychrus-Sammlung startete Korge, wie er eindrucksvoll erzählte, am 19. Januar 1951, als er – auf der Suche nach Bembidion Clarki an dessen locus typicus in Brbg. – beim Durchsuchen einer Baumstuke durch ein stridulierendes Geräusch aufmerksam wurde: Er fand Cychrus rostratus – neben Cychrus caraboides die häufigste Art bei uns.

Korge entdeckte aber auch an einem ganz untypischen Ort einen Cychrus, nämlich in einer Sandabbaggerung, und zwar bei seinen Untersuchungen in der Döberitzer Heide. Die Ergebnisse hat er in einem Beitrag in dem Heft „Die Döberitzer Heide" veröffentlicht.

Ein zweiter Schnecken fressender Käfer ist Procerus, der Riesenlaufkäfer. Aus dem Kaukasus stammend hat er im Balkan und nordwärts bis in die Carawanken verschiedene Arten gebildet. Wie einen Kasten mit Cychrus, so hat Prof. Korge auch einen Kasten mit Procerus mitgebracht.

Procerus gigas, aus dem österreichischen Grenzgebiet, und den wegen seiner Größe und starken Wölbung sehr auffälligen Procerus dumomtchelli, die beide vornehmlich Wegschnecken fressen. Man sollte deshalb meinen, diese große Laufkäfergattung vornehmlich in bewaldeten Gegenden anzutreffen.

Doch hat Horst Korge noch eine andere Erfahrung gemacht, als er vor Jahren zwischen Istanbul und Ankara unterwegs war, gleich neben der befahrenen Autostraße.

Nach einer Übernachtung in Zelten fand man Procerus am Tage in großer Anzahl in den über Nacht liegen gebliebenen süßen Melonenschalen, in einem xerothermen Biotop, gänzlich ohne Wälder. Auch Breuning, der große Carabusspezialist berichte etwas Ähnliches, so Korge. Und schließlich gibt es ja noch Entomologen, die Schnecken fressen.

Und Horst Korge wäre nicht Horst Korge, wenn er nicht am Schluß seiner Ausführungen sich humorvoll über den Kult des Schneckenessens verbreitet hätte. Die cychoide Form des Schneckenbestecks, Butter, Gewürze und Salz als Mittel gegen den Schneckenleim. Die Schnecken fressenden Entomologen stehen in diesem Punkt den Käfern in nichts nach.


Ende: 20.45 Uhr – danach........."Derya"

Jörg Heimann