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Protokoll gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 14.06.2005

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 10 Mitglieder FG, 10 Mitglieder ORION, 5 Gäste

Thema: Parasiten: Überlebenskünstlern auf der Spur.


Der Vortrag von Frau Dr. Bannert wurde zur Ausstellung über Parasiten im Naturkundemuseum ausgearbeitet, diese tourt jetzt durch verschiedene deutsche Städte. Man kann das Thema auch so formulieren: "Parasiten leben und leben lassen".

Jeder Mitteleuropäer kommt mit Parasiten in Kontakt, sei es über Nahrungsmittel, durch Spaziergänge im Wald, durch Haustiere, Tropenreisen oder dadurch, dass sich ungebetene Gäste in Haus und Wohnung einnisten. Neben diesen unerwünschten Begegnungen, gibt es aber auch eine positive Möglichkeit des Kontaktes, die medizinische Anwendung von Parasiten.

Im folgenden wurden verschiedene Parasiten mit den ihnen eigenen Spezialisierungen vorgestellt und über deren Erfolg informiert. Dieser liegt in der besonderen Fortpflanzung, der Nutzung von Nischen zur Infektion, der perfekten Anpassung und Tarnung im Wirt, überhaupt in komplexen Lebenszyklen im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Wirt begründet.

Als erstes Beispiel wurde der Schweinebandwurm (Taenia solium) genannt, der bis drei Meter Länge erreicht. Der Lebenszyklus inklusive der Parasitisierung des Menschen wurde dargestellt. Andere Arten wurden erwähnt, der Fischbandwurm kann sogar bis 20 Meter lang werden! Im Falle des Kleinen Fuchsbandwurmes, den man sich im Wald z.B. über dort verzehrte Beeren zuziehen kann, stellt der Mensch einen Fehlwirt dar. Die Schwächung soll Beutetiere des Fuchses treffen. Der Bandwurm nistet sich in der Leber ein, man wird ihn nie wieder ganz los. Die Folgen sind lediglich medikamentös eindämmbar.

Eine Infektion mit Fadenwürmern (Trichinen) zieht man sich über Fleisch zu. Die Larven überleben Konservierungsmethoden wie Räuchern und können bis 30 Jahre überdauern. Nur kochen bzw. garen tötet die Tiere. Rohes oder halbrohes Fleisch sollte gemieden werden.

Die nächsten Parasiten, die von Frau Dr. Bannert vorgestellt und besprochen wurden, kennt jeder: Zecken, zu denen der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) zählt, saugen bei Warmblütlern, also auch Menschen, Blut. Dabei sind sie wahre Hungerkünstler, können jahrelang ohne Nahrung auskommen. Beim Stich können gefährliche Krankheiten wie FSME und Lyme-Borreliose übertragen werden, jede zweite Zecke trägt Erreger in sich. Die Vortragende beschrieb die Krankheitsbilder und schilderte Vorsorgemaßnahmen.

Zu ungebetenen Gästen im Zuhause gehören Kopf- und Filzläuse, Bettwanzen (nehmen wieder zu) und Flöhe. Sie alle haben sich an das Leben auf Haaren mit Klammerbeinen perfekt angepasst. Es gibt kaum noch Menschenflöhe, jedoch sind Katzenflöhe oft in Wohnungen anzutreffen und diese plagen auch den Halter der Katze. Über Katzen parasitisiert auch der Einzeller Toxoplasma gondii den Menschen. Normalerweise kontrolliert das Immunsystem einen Befall, nur wenn dieses geschwächt ist, z.B. durch AIDS, droht Gefahr.

Auf Tropenreisen lauern besonders heimtückische Parasiten. Jedem ist die durch die Anophelesmücke übertragene Malaria ein Begriff. Die Plasmodien (Einzeller) ziehen sich in die roten Blutkörperchen zurück, können dort vom Immunsystem nicht erreicht werden. Ähnlich verhält es sich beim Erreger der Schlafkrankheit Trypanosoma brucei: Diese verstecken sich zwischen den roten Blutkörperchen und ändern ständig die Oberflächenstruktur. Damit wird das Immunsystem zu ständiger Anpassung gezwungen, was endlich zum Zusammenbruch führt. Pärchenegel, eine Saugwurmart bei der Männchen und Weibchen lebenslang miteinander verbunden sind, übertragen Bilharziose-Erreger. Diese schalten das Immunsystem aus indem sie sich als rote Blutkörperchen tarnen.

Die Ausführungen zu den einzelnen Parasiten gaben oft zu denken, wie man sich in der heimischen Natur oder auch bei Fernreisen bewegt.

Zuletzt wurde der medizinische Einsatz von Parasiten, z.B. Blutegeln, erläutert, der wieder mehr in Mode kommt. Auch werden zur Heilung von verschiedenen Hautkrankheiten oder Wunden sterile Fliegenmaden eingesetzt, die sehr gut zwischen gesundem und krankem Gewebe unterscheiden können. Im Mittelalter war die Anwendung weit verbreitet, wurde aber später nur noch wenig praktiziert. Ein weiteres genanntes Beispiel ist der Einsatz von Schweinepeitschenwürmern zur Therapie chronischer Darmentzündungen.

Im Anschluss an den interessanten Vortrag wurde eine Reihe Fragen gestellt, die von Frau Dr. Bannert beantwortet wurden: Thomas Ziska fragte, ob man denn nun Blaubeeren im Wald essen kann oder ob die Gefahr zu groß ist, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren. Antwort: Sollte ein Fuchs seinen Kot im Bereich der Beeren hinterlassen haben beseitigt selbst gründliches Abspülen nicht jede Gefährdung, nur einkochen, z.B. als Marmelade ist sicher.

Boris Büche fragte, ob es Vergleichszahlen über Infektionen mit Fuchsbandwurm vor 100 Jahren und heute gibt. Antwort: Der Fuchsbandwurm ist auf dem Vormarsch und bildet regional Herde aus, konkrete Zahlen waren aber nicht verfügbar. Hierzu ergänzte Dr. Matthias Hartung, dass es solche Zahlen auf einer veterinärmedizinischen Internetseite gibt. Jens Esser bemerkte, dass man an einem toten Fuchs auf keinen Fall Käfer suchen sollte, da sich die Bandwurmlarven auch auf dem Äußeren des Tieres finden.

Weitere Fragen und Diskussionsbeiträge kamen von Stephan Gottwald, Dirk Kunze und Dr. Joachim Ziegler.

Zum Abschluss dieses letzten gemeinsamen Treffens vor der Sommerpause verwies Thomas Ziska auf den ersten Termin im September und wünschte einen entomologisch erfolgreichen Sommer.


Die Sitzung endete gegen 20.30 Uhr, der gesellige Teil folgte wie immer im Lokal "Derya".

Uwe Heinig(Schriftführer FG)