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Protokoll der gemeinsamen Sitzung von Fachgruppe Entomologie und Orion im Naturkundemuseum am 13.9.2005, Beginn: 19.00 Uhr

Anwesend: 8 Mitglieder Fachgruppe, 13 Orion, 6 Gäste

Vorsitz: Thomas Ziska

Referent des Abends: Dr. Frank Koch

Thema: Erfahrungen zur Erfassung von Biodiversität in der afromontanen Region am Beispiel der Pflanzenwespen (Symphyta)


Eröffnung der Sitzung durch Thomas Ziska

Herr Ziska begrüßte die Anwesenden und wies auf die bereits fünfjährige Tradition des gemeinsamen monatlichen Vortragsabends der Fachgruppe Entomologie und des „Orion" hin. Gute und sehr gute Referate haben die Abende bestimmt.

Ausdrücklich bedankte Herr Ziska sich bei Manfred Gerstberger für dessen organisatorisches Engagement und bei den Herren Dr. Mey und Dr. Deckert für die Unterstützung der gemeinsamen Vortragsabende.

Ferner wies Thomas Ziska auf die bevorstehende Fachtagung des Bundesfachausschusses Entomologie am 24./25. September im Museum hin. Im Tagungsbüro werden noch Helfer gesucht.

Nach der Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung durch Uwe Heinig ergriff Dr. Koch das Wort zu seinem Vortrag.

Dr. Koch bereiste im Auftrage des Institutes für systematische Zoologie des Museums einige ostafrikanische Gebirgsregionen von Malawi im Norden bis nach Südafrika.

Zu erforschen war das Vorkommen der Pflanzenwespen der Gebirgsregionen, vorwiegend in Höhen zwischen 950 und 1600 m ü.d.M.

Denn dort, so der Referent, seien viele endemischen Arten der Pflanzenwespen zu Hause, neben anderen Arten, die ihr Habitat ebenso in den niederen Savannen haben.

Zu Beginn gab der Referent eine kurze Einführung zur Stellung der Pflanzenwespen innerhalb der Hymenoptera. So unterscheiden sich die Symphyta, um die es heute geht, von den Apocrita durch das Fehlen der sonst kennzeichnenden Wespentaille. Ihr Hinterleib ist breit mit dem Thorax verbunden.

Die Weibchen haben sägeartige Legeapparate, mit denen sie die Pflanzen zur Eiablage ansägen, anbohren – anders als einige Arten der Apocrita, die einen Legestachel zum Parasitieren besitzen. Zu den Apocrita zählen aber auch unsere gemeinen Wespen und Bienen.

Was nun ist der Grund, die Symphyta in Afrika, in der montanen Region zu studieren?

Es sind die endemischen Pflanzen und die dadurch bedingten endemischen Symphytaarten, deren 32 schon Benson (C.W. Benson, Cambridge) dort gefunden hat, deren es aber viel mehr gibt, wie Dr. Deckert und Dr. Koch und andere festgestellt haben, nämlich geschätzt 500 – 600 Arten – unter den 198.000 Arten der Hymenopteren aber immer noch wenige.

Deutlich zeigte Dr. Koch diesen gewaltigen Unterschied an einem mit dem Beamer produzierten Foto einer Tagesausbeute mit Malesefallen:

Aussortiert lagen links die Schmetterlinge, rechts die Käfer, massenhaft auch andere Insekten, und dazwischen ein kleines Häuflein Mikrohymenopteren, darunter die Symphyta.

Die vorhandenen Arten nachzuweisen ist eine schwierige Aufgabe, weil es eine Eigenart der afrikanischen Populationen der Pflanzenwespen ist, dass immer nur wenige Individuen einer Art existieren.

Der Referent gab auf eine Frage von Thomas Ziska die Erklärung für dieses Phänomen: Es sind vermutlich die in Afrika stärker als bei uns dominierenden Ameisen, die die Larven der Symphyta fressen.

Auf anderen Fotos sahen wir einzelne Arten der Pflanzenwespen, viele novae species darunter, viele Erstbeschreibungen von Dr. Koch, auch einzelne Deckerti und eine Meyi benannte.

Die Forschungsaufgabe ist dringend, zumal nicht nur in den Savannen, sondern auch auf den Plateaus der Berge die Primärvegetation zugunsten von Kulturpflanzen dezimiert wird.

Einzelne Geldgeber haben deshalb schon noch intakte Buschgebiete gekauft, um sie Biologen aller Richtungen zu faunistischer Arbeit zu öffnen – mit dem Ziel, dass die Arten dort dokumentiert werden und die staatlichen Behörden dieses Gebiet dann unter Naturschutz stellen.

Anhand von geographischen Skizzen und Fotos zeigte Dr. Koch mit dem Beamer , wo und wie er die Pflanzenwespen findet: U.a. in den Easter Highlands in Botswana, in den Drakessbergen, auf dem Mont Mulanje (einem herausragenden „Inselberg").

Auf Fotos sind die aufgestellten Malesefallen zu sehen, Die Insekten fliegen gegen ein schwarzes Tuch, kriechen nach oben und auf einem weißen Tuch bis zur Giftflasche, die mit Dichlorphos bestückt ist – in Afrika nicht unter Verbot!

Nach dem mit viel Beifall bedachten Vortrag ergaben sich einige Fragen.

Die Antworten auf die Fragen von Thomas Ziska nach der Artenzahl und dem angewandten Gift hat der Protokollant hier im Text schon widergegeben.

Michael Woelky fragte nach der Entwicklungsdauer der Pflanzenwespen.
Antwort: Es sind kaum Larven zu finden. Deshalb kann man nur aus den Flugzeiten Schlüsse ziehen. Einige Arten haben mehrere Generationen im Jahr.

Eine Frage betraf die giftigen Pflanzen – ob die Larven damit zurecht kämen.
Antwort: Einige Arten ja.


Ende der Sitzung gegen 20.15 Uhr – danach entomologische Unterhaltung im Restaurant „Combinat"

Uwe Heinig(Schriftführer FG)