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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 11.10.2005

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend: 12 Mitglieder FG, 8 Mitglieder ORION, 6 Gäste

Thema: Mit Zierpflanzen, Obst und Gemüse in unsere Region verschleppte Schmetterlingsarten (Lepidoptera).


- Eröffnung der Sitzung durch Michael Woelky und Hinweise auf die wieder eröffnete Gaststätte "Schmetterlingshorst". Dort werden, wie früher, Kästen mit Schmetterlingen an den Wänden aufgehängt, Material aus dem Naturkundemuseum, das keine Fundortetiketten trägt. In dieser Sache rief Michael Woelky dazu auf, die Insekten immer gewissenhaft zu etikettieren, da nicht etikettierte Stücke wissenschaftlich wertlos sind. Leider ist das auch heute noch, wo das Erstellen der Fundortetiketten mittels Computer sehr einfach geht, nicht immer Praxis.

- Verlesung des Protokolls vom 13.09.2005 durch Jörg Heimann.

Manfred Gerstberger begann mit einer Info zum 15. SEL-Kongress, der 2007 in Erkner stattfindet. Hierbei handelt es sich um eine internationale Veranstaltung der Lepidopterologen. Die Nähe zu Berlin bietet die Möglichkeit, Kontakt zu anderen Schmetterlingsexperten aus dem In- und Ausland zu knüpfen.

In seinem Vortrag berichtete er über Schmetterlinge, die auf verschiedenste Weise eingeschleppt wurden. Man unterscheidet drei Artengruppen, erstens synanthrope Arten, die in freier Natur nicht dauerhaft überleben können und auf Entwicklugsmöglichkeiten innerhalb von Häusern angewiesen sind. Ein Beispiel dafür stellt die Dörrobstmotte Plodia interpunctella dar, die auf einem ersten Dia gezeigt wurde. Sie riecht vorhandenes Dörrobst! Synanthrope Arten treten fast immer in Siedlungsbereichen auf und fliegen zwischen Gebäuden mit Entwicklungs-Habitaten umher. Eine weitere Artengruppe bilden die Neozooen, die dauerhaft im Freiland überleben können, wie z.B. die Kastanienminiermotte Cameraria ohridella, die aus Asien verschleppt wurde und heute bei uns jede weiß blühende Kastanie befallen hat. Die dritte Gruppe sind die so genannten Irrgäste, die nicht im Außenbereich überleben können, aber primär in Gewächshäusern, der "Biosphäre" Potsdam oder im "Tropical Island" auftreten. Diese Arten können unter Umständen auch im Umfeld dieser Orte nachgewiesen werden. Andere Irrgäste werden im Siedlungsbereich, auf Müll- oder Lagerplätzen nachgewiesen. Um diese letzte Gruppe, die Irrgäste, ging es in Manfred Gerstbergers Vortrag.

Eine Folie (Anlage) führte die angesprochenen Arten auf, diese wurden zudem auf Dias gezeigt. Meist sind die Arten mit Pflanzen oder Substrat in unsere Region eingeschleppt worden, manchmal auch mit Obst und Gemüse, z.B. wurde die Tineidae Opogona sacchari aus ihrer Heimat, den Kanarischen Inseln mit Bananen zu uns eingeführt und im Gemüseladen entdeckt. Beispiele für Arten aus Gewächshäusern u.ä. sind Oinophila v-flava und Caloptilia azaleella ("Biosphäre", "Tropical Island"). In Gärten in Berlin-Mariendorf fanden sich besonders viele eingeschleppte Arten, die sicher mit Zierpflanzen zu uns kamen und deren Heimat in S-Europa, aber auch in Afrika oder Amerika liegt. Hier befindet sich ein Lagerplatz für Pflanzen in der Nähe. Bisher handelte es sich um so genannte Kleinschmetterlinge, Motten, Wickler und Zünsler, aber auch einige Eulen (z.B. Trichoplusia ni, Chrysodeixis eriosoma) und sogar ein Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri) wurden in Einzelexemplaren bei Lichtfängen nachgewiesen.

Die erstgenannte Eule kam mit Gemüse aus Thailand zu uns, das Wiener Nachtpfauenauge wird wohl aus einer Zucht entwichen sein.

Alle diese Arten, meist Einzelnachweise oder auch alte Funde, die oft in Checklisten der heimischen Fauna oder sogar Roten Listen herumgeistern, sind jedoch nicht Bestandteil unserer Fauna und müssen aus solchen Listen gestrichen werden. Meist ist nicht einmal mehr nachvollziehbar, woher und wie sie zu uns kamen. Bei der Neubearbeitung von Artenlisten der heimischen Fauna wurden vom Vortragenden ca. 20 Arten heraus genommen.

Eine kurze Ergänzung zum Vortrag kam von Michael Woelky, Fragen u.a. von Wilfried Funk: Wurde in Deutschland schon einmal der Monarch gefunden? Antwort: Nein, Wanderfalter werden auch nicht zu verschleppten Arten gezählt (Beispiel: Totenkopfschwärmer).

Michael Schülke bemerkte, dass es schwierig ist, diese nicht heimischen Arten zu bestimmen. Er hat z.Z. drei Tachyporinae-Arten auf Lager und nur eine davon herausgefunden. Manfred Gerstberger sagte dazu, dass es schon Literatur, oft aus dem Ausland gibt und die Möglichkeit mit Museumsmaterial zu vergleichen bzw. die Tiere Spezialisten vorzulegen, bis jemand die Art erkennt.

Joachim Schulze, bemerkte mit einem nicht ganz ernst zu nehmenden Einwurf zum Schlussbild des Vortrages, das den Bereich der Ruine des Naturkundemuseums zeigte, der in den nächsten Jahren wieder aufgebaut werden soll, dass es sich eigentlich um ein schützenswertes Biotop handelt, das erhalten werden müsse. Von dort wurde eine Staublaus beschrieben und somit stellt die Ruine das "Terra typica" dieser Art dar!

Die Sitzung endete gegen 20.15 Uhr, der gesellige Teil folgte wie immer im Lokal "Kombinat".

Uwe Heinig(Schriftführer FG)