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Protokoll der gemeinsamen Versammlung von ORION und FG Entomologie Berlin im Naturkundemuseum am 8.11.2005

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 13 Fachgruppe, 14 ORION, 4 Gäste

Thema: Lepidopterologische Exkursion in den östlichen Pamir (Tadschikistan)

Referent: Dr. Oliver Schmitz


Eröffnung der Sitzung durch Thomas Ziska erst um 19.40 Uhr, da wegen der Bauarbeiten im Museum die üblichen Zugänge gesperrt waren und die Gruppe in geschlossener Formation von Dr. Ziegler zum Hörsaal geführt werden musste.

Herr Ziska wies darauf hin, dass diese Prozedur für die nächsten Monate so bliebe.

Danach verlas Thomas Ziska das von Uwe Heinig geschriebene Protokoll der letzten Sitzung und gab das Wort an Dr. Schmitz.

Dr. Schmitz begann seine Ausführungen mit der Topographie des Exkursionsgebietes, die er am Beamer erläuterte.

Am 14. Juli 2004 landete die Exkursionsgruppe im kirgisischen Bischkek, von wo aus die zunächst 3-köpfige Gruppe im gemieteten Auto in Richtung Tadschikistan losfuhr: der Fahrer und die beiden Entomologen Thomas Ottmüller und Oliver Schmitz. Im weiteren Verlauf der Reise gesellten sich dann zwei Russen dazu, die für die organisatorische Planung verantwortlich zeichneten.

Über den Toö Ashu-Pass und den Ala-Bel-Pass ging es, und schon waren in Höhenlagen von 2800 – 3630m ü.NN die ersten Parnassiden zu bewundern: Parnassius tianschanicus, – P. actius dubitalis, P. mnemosyne falsus, P. delphius namanganus und P. patricius uzyngyrus.

Prächtig anzusehen, die Beamerprojektionen dieser wohl schönsten der paläarktischen Tagfalter. Von P. delphius konnten sogar Zuchtergebnisse erzielt werden. Verschiedene Raupen- und Puppenstadien waren fotografiert worden, und auch auch andere Tagfalter, z.T. aus niederen Lagen, wurden gezeigt: Boloria sipora, Colias erate und mehrere Arten der Bläulings-Gattung Polyommatus.

Weiter ging es nach Osch, über das Alai-Gebirge zur tadschikischen Grenze. Über den Taldyk-Pass in 3500 m Höhe ging es weiter, wo Tagfalter der Art Erebia radians fotografiert wurden, vorbei am legendären Kara-Kul-See, und dann endlich das Exkursionsziel: Murghab, Hauptort im östlichen Pamir, zur afghanischen Grenze hin gelegen, im Tal des Flusses Aksu, einer grünen Flußoase inmitten der kargen steinigen, baumlosen Hochgebirgslandschaft.

Und hier, im Sammelgebiet in 4000 m Höhe wurde die Exkursionsgruppe Ende Juli vom Schnee überrascht. Doch danach flog wieder die gesamte Tagfalterfauna.

Die Vegetation behauptet sich in dieser Fels- und Schotterregion hauptsächlich in Form von Pflanzenpolstern. Auch die Weiden, Salix sp., wachsen als einzige Baumart hier nur in Strauchform.

Auch hier wieder die Falterfauna. Pieris deota, unserem Großen Kohlweißling P. brassicae ähnlich und der Schwalbenschwanz, hier in der Unterart Papilio machaon ladakensis, sowie die Parnassius-(Unter)arten P. staudingeri jacobsoni und kiritshenkoi sowie P. simo.

Auf den Hochweiden, wo die Hirten ihre Yakherden hüten und von wo aus man an den Berghängen die scheuen Marcopoloschafe beobachten kann, wurden Colias eogene und C. cocandica sowie verschiedene, Melitaea- und Clossiana-Arten beobachtet. An den steilen Berghängen flog Colias marcopolo, und an den Weiden (Salix) wurden Raupen des Spinners Neoris huttoni gefunden.

Als Krönung dann: Parnassius autocrator, jener Falter, der 1913 zuerst als Unterart von P. charltonius beschrieben und erst später als eigene Art erkannt wurde. Besonders die Weibchen bestechen durch die auffällige Gelbfärbung auf den Hinterflügeln.

Nach dieser Pracht der geschautenTagfalter schloss der Referent mit einer quasi entschuldigenden Geste an die Kleinschmetterlingsspezialisten, dass er nicht auf diese Gruppen eingegangen sei.

Anschließende Fragen:

Herr Gerstberger nach Zuchtmöglichkeiten.

Antwort: Raupen (Pieris deota) konnten problemlos in Kartons mitgenommen werden, allerdings überlebten nur die älteren Larvalstadien die klimatische Umstellung.

Herr Ressler nach der Literatur.

Als Antwort gab der Referent unter anderem die Werke von V. Tshikolovets („Butterflies of Tadjikistan" und „The Butterflies of Pamir") sowie das Werk von A. und W. Lukhtanov „(„Die Tagfalter Nordwestasiens") an.

Frage nach dem Lichtfang:

Antwort: Es wurde sowohl in niederen Lagen, als auch im Hochgebirge geleuchtet. Hier war jedoch der Anflug oftmals sehr spärlich, was angesichts der nächtlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt verständlich war.

Frage nach der gefundenen Artenzahl.

Antwort: Ungefähr 2/3 der im östlichen Pamir vorkommenden Tagfalterarten konnten angetroffen werden und wurden im Vortrag gezeigt.

Dr. Ziegler sprach in seiner Frage das Problem der Überweidung an.

Antwort: Der Bestand des Weideviehs ist heute deutlich geringer als noch zu Sowjetzeiten – keine auffällige Überweidung.

Ende der Sitzung 20.40 Uhr – danach noch entomologische Unterhaltung im „Kombinat"

Jörg Heimann