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Protokoll der gemeinsamen Versammlung von ORION und FG Entomologie Berlin im Naturkundemuseum vom 13.12.2005

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend: 8 Mitglieder FG, 15 Mitglieder ORION, 7 Gäste

Thema: Entomologische Forschung in Südost-Asien: Exkursion auf die Insel Borneo.


- Aufruf durch Dr. Manfred Uhlig zur Mitarbeit an einer Fauna der Mark Brandenburg die Kurzflügler-Unterfamilie Staphylininae betreffend. Material wird gerne bestimmt und registriert.

- Verlesung des Protokolls vom 8.11.2005 durch Jörg Heimann.

In seinem Vortrag, mittels Beamer-Präsentation bestens illustriert, berichtete Dr. Wolfram Mey über Sammelreisen während der 2005 Borneo und Sulawesi besucht wurden. Um Sulawesi wurde der ursprünglich vorgesehene Vortrag erweitert. Ausgangspunkt für das Interesse an diesen Inseln waren über 10 Aufenthalte auf den Philippinen von wo umfangreiches Material mitgebracht wurde und die Feststellung, dass die Verbreitung der Arten in der Region unklar ist. Im letzten Glazial erfolgte eine gewaltige Flächenausweitung zu so genannten "Mega-Inseln", später wieder ein Rückgang der Fläche und Vereinzelung der Inseln. So gab es nachweislich glaziale Immigrationsrouten von Borneo nach Palawan, Sulawesi und auf die Philippinen.

364 Köcherfliegenarten, davon 97% Endemiten, 291 Kleinschmetterlingsarten (70% Endemiten) und 1151 Großschmetterlingsarten verschiedener Familien mit 21-89% Endemiten je nach Familie wurden nachgewiesen. Darunter gibt es Artenpaare wie die Papilioniden Papilio xuthus, die Art kommt in Taiwan vor, und Papilio benguetanus, eine Art von Luzon. Ursprünglich eine Art, entwickelten sich diese Papiloniden durch eine lange Zeit der Separation zu zwei eigenständigen Arten. Für solche Artenpaare gibt es weitere Beispiele, die die Verwandtschaft der Arten in der Region belegen.

Es folgten Bilder der besuchten Orte, zuerst wurde am Mt. Kinabalu gesammelt, einem 4100 m hohen Berg, dessen Umgebung einen Hotspot der Biodiversität darstellt. Die Expedition erfolgte unter Beteiligung von Dr. Frank Koch und K. Ebert aus dem Naturkundemuseum. Sie trugen zur Erfassung weiterer Insektengruppen bei und halfen z.B. beim Einsammeln und der Aufarbeitung umfangreicher Lichtfangausbeuten. Tagaktive Arten wurden zusätzlich mit Malaisefallen gefangen. Wie wichtig die heutige Erforschung solcher Regionen ist, zeigt die Tatsache, dass von den Rändern der Nationalparke Gemüse- und Blumenproduzenten immer weiter vordringen, was ein Zurückweichen des Regenwaldes zur Folge hat, wogegen selbst die Verwaltung der Parks und die Ranger keine Chance haben. In absehbarer Zukunft wird es die heute vorhandenen Flächen und die Biodiversität nicht mehr geben!

Auf Bildern zeigte der Vortragende in erster Linie Köcherfliegenarten, in Europa meist graue Tiere, dort bunt und auffällig, sowie verschiedene Kleinschmetterlinge, besonders Wassermotten, aber auch andere Gruppen. Zu jeder Art, viele von ihnen wurden neu beschrieben oder müssen noch beschrieben werden, wurde über die Verbreitung informiert und über Pendant-Arten, die auf den Philippinen vorkommen. Bilder von Käfern, Schaben, Zikaden oder einer Landassel, meist große, farbige oder bizarr gestaltete Tiere beendeten das Kapitel Mt. Kinabalu.

Ein weiteres Expeditionsziel war das Danum Valley, wo in der Umgebung des dortigen Field Center, betrieben durch die Royal Zoological Society London, gesammelt wurde. Hier existiert ein intakter Tieflandregenwald, der ein sehr interessantes Biotop darstellte. Für alle Unternehmungen, so eine Information von Dr. Mey, waren im Übrigen Forschungsgenehmigungen erforderlich. Gezeigt wurden Regenwaldimpressionen und Bilder der besuchten Biotope.

Das dritte Ziel der Borneo-Reise war der Tawau Hills Nationalpark, ein Primär-Regenwald-Biotop und ebenso interessant, wie das vorher besprochene Gebiet. Bilder zeigten die verschiedenen Vegetations-Etagen in diesem Wald mit kleinen, mittelgroßen und großen Bäumen, die noch von den riesigen Kronen der Dipterocarpaceen überragt werden. Diese entwickeln Flügelfrüchte und aus einer solchen Frucht von Shorea macrophylla wurden zu Hause zwei Schmetterlingsarten gezüchtet, u.a. eine Sesie.

Von beiden Fundorten, dem Danum Valley und den Tawau Hills, wurden Bilder verschiedener Insekten, überwiegend Köcherfliegen gezeigt und wiederum auf deren bekannte Verbreitung und ihre Pendant-Arten anderswo in der Region eingegangen.

Das Naturkundemuseum unternahm 2005 eine Expedition nach Sulawesi, wo in der Gegend des Lake Matano, einem bis 500 m tiefen See, gesammelt wurde. Der Vortragende hatte die Möglichkeit an dieser Reise teilzunehmen, die in erster Linie der Mollusken-Forschung diente. Ähnliche Beobachtungen die Radiation betreffend, wurden aber auch bei Köcherfliegen gemacht und deren Biologie erforscht. Auf den Bildern von Sulawesi präsentierte Dr. Mey wiederum beeindruckende Impressionen aus dem tropischen Regenwald sowie von den örtlichen Gegebenheiten und berichtete vom Sammeln am ebenfalls angesteuerten Lake Towuti. Erbeutet wurde eine große Zahl Arten, viele von ihnen kommen dort endemisch vor und ebenso viele sind bisher unbeschrieben! Die Reise dauerte nur 14 Tage. Betrachtet man die Ausbeute dieses kurzen Zeitraumes, stellt sich die Frage, wie viele Arten gibt es noch zu anderen Jahreszeiten? Es sollten weitere Expeditionen unternommen werden.

Im Anschluss an den interessanten Vortrag stellte Michael Woelky noch eine Frage in der es um den Stand der Bearbeitung der unbeschriebenen Arten ging: Dr. Mey antwortete, dass die Bearbeitung sehr schwierig ist, alles Material präpariert und, soweit möglich, Familien und Gattungen zugeordnet wurde. Es gibt noch Jahre zu tun! Einige Gruppen wurden auch Spezialisten zur Bearbeitung zugeleitet, Köcherfliegen und Kleinschmetterlinge werden natürlich im Haus bearbeitet.

Man muss das Material heute sammeln und aufbewahren, keiner weiß, wie lange das noch möglich ist. Eine Bearbeitung kann noch in vielen Jahren erfolgen.

Die Sitzung endete gegen 20.40 Uhr, der gesellige Teil folgte wie immer im Lokal "Kombinat".

Uwe Heinig(Schriftführer FG)