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Protokoll der Sitzung vom 28. März 2006

Anwesend: 14 Mitglieder, 3 Gäste

Beginn: 19.20 – vorher schon rege Bestimmungsarbeit


Begrüßung durch Michael Woelky und einige Mitteilungen:

Frau Höpfner hat sich bei Michael Woelky gemeldet. Sie vermacht dem ORION aus dem Nachlass ihres Mannes Schmetterlinge, Käfer, Fliegen und Wanzen und Literatur, u.a. drei Bücher über Wildbienen.

Geotag der Artenvielfalt im Juni im Schlosspark Glienicke. Herr Dannenberg , Gartenbauamtsleiter -  Untere Naturschutzbehörde Zehlendorf ist für dieses Gebiet zuständig.
Unser Vereinsmitglied Roland Hermann, der sich schon erfolgreich mit Gartenbauämtern auseinandergesetzt hat – als es um Raupen des Ligusterschwärmers ging. Mit ihren Futterhecken waren diese im Auftrage des Bezirksamtes von einer Gartenbau Firma zum falschen Zeitpunkt  beschnitten worden. Künftig will das Gartenbauamt als untere Naturschutzbehörde zur richtigen Jahreszeit den Schnitt durchführen lassen. Michael Woelky sicherte Roland Hermann die volle Unterstützung des ORION zu. In Auseinandersetzungen mit Behörden stehe man mit dem Verein im Rücken besser da.

Nach der Verlesung des Protokolls durch Jörg Heimann hielten Stephan Gottwald und Michael Hornburg einen Vortrag per Beamer.
Thema: Anmerkungen zur Prachtkäferfauna Venezuelas.

Gottwald und Hornburg, beide auf die Käferfamilie Buprestidae spezialisiert, haben Venezuela wiederholt bereist, zuletzt im November 2005.
Sie begannen ihre Exkursion im Agrar-zoologischen Institut der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Maracay, in der Nähe der Hauptstadt Caracas. In dem dort etablierten Entomologischen Museum verschafften sich die beiden Entomologen einen Überblick über die institutseigene Coleopterensammlung, indem sie die Daten der darin enthaltenen Buprestiden zusammentrugen.
Viele Species waren ihnen schon bekannt, andere noch nicht, und so machten sich Gottwald und Hornburg per Taxi oder Bus, später in einem Mietwagen, auf die Exkursion.
Und es wurde viel gefunden.
Per Beamer projizierten sie heute präparierte Prachtkäfer aus eigenen Funden, auch einige aus dem Institut – und ganz hervorragende Naturaufnahmen.
Direkt in der Nähe des Instituts, also im bergigen Regenwald der Küstenkordillere, dem äußerten Ausläufer der Anden, wurden Arten der Gattung Neotrachys gefunden, an Farnen der Gattung Sticheris, in copula fotografiert.
In trockeneren Zonen verschiedene Lampetis-Arten, deren Artbestimmung nicht ganz einfach ist - zumal die Larven offensichtlich polyphag leben.
Bei der Bestimmung von Xenorhipis gab der Sexualdimorphismus  seinerzeit Probleme. Lange Zeit waren m. und w. als verschiedene Gattungen beschrieben.
Viele, sehr viele Species wurden vorgestellt und von den beiden Referenten beschrieben: aus den Regionen des Orinocotieflandes, aus Savannen der Guayana-Hochebene und aus der Halbinsel Paraguaná.
Die Gattung Ditriaena wurde vorgestellt, Lampetis hirtomaculata (häufig). Im Trockenbuschwald Käfer der Gattungen Acmaeodera, Conognatha – und : Hiperantha – ein Tier, deren Verwandte auch aus Australien bekannt sind, das also von der Zeit des Urkontinentes zeugt, noch vor dem Auseinanderdriften.
Eine Aufnahme von Lampetis principalis, ein 4 cm großes Tier, schon 1836 beschrieben, aber selten (Locus typicus: Panama).
Auf der Halbinsel Paraguaná: eine vermutlich neue Art der Gattung Oaxacanthaxia.
Mehrere Acmaeodera – Arten, viele wohl noch unbekannt.
An Totholz Chrysobothris, mühsam mit dem Exhaustor erbeutet, und : die endemische Bordonia venezolana – erstmals wieder nachgewiesen!
Im Flachland am Kapokbaum dann: Euchroma goliath, neben Euchroma gigantea wohl die größten, 6 cm großen Prachtkäfer.
Festgestellt wurden für die Fauna Venezuelas bisher ungefähr 200 Arten der Familie der Prachtkäfer, der geschätzte Gesamtartenbestand dürfte mindestens das doppelte betragen.

Michael Woelky bedankte sich bei den Referenten für den ausführlichen Vortrag und schloss die Sitzung um 21.10 Uhr.

Jörg Heimann