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P r o t o k o l l der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum am 13.06.2006

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 10 Mitglieder FG, 5 Mitglieder ORION, 2 Gäste

Thema: Langzeitbeobachtungen von Köcherfliegen am Nudower Teich bei Potsdam.


- Begrüßung der Anwesenden, besonders des Vortragenden, Dr. Wolfram Mey vom Naturkundemuseum durch Thomas Ziska.

- Verlesung des Protokolls vom 9.05.2006 durch Jörg Heimann.

- Buchvorstellung: "Tagfalter Bayerns und Österreichs" durch Carsten Anderssohn.

In seinem Vortrag berichtete Dr. Mey dieses Mal über die heimische Fauna, sonst handelten seine Berichte oft von Unternehmungen in "fernen Welten". Aber auch die heimische Fauna ist interessant und birgt viele Geheimnisse und Überraschungen! Seit 1979 führt der Vortragende in regelmäßigen Abständen ökologisch-faunistische Untersuchungen zur Köcherfliegenfauna am Nudower Teich bei Potsdam durch. Über 25 Jahre währt nun diese Datensammlung und liefert Ergebnisse mit hoher Aussagekraft, der heutige Vortrag stützte sich auf das Material aus dem Jahr 2001. Auf Folien stellte Dr. Mey die Lage des Teiches dar, der zu einer südlich Potsdam gelegenen Kette mehrerer künstlich entstandener Gewässer gehört, deren Ursprung der Autobahnbau in den 1930er Jahren war. Heute sind sie z.T. Badegewässer. Es folgten Dias, die verschiedene Biotope am Ufer des Teiches zeigten und der Vortragende stellte die Untersuchungsmethodik vor. So wurde in den Jahren der Bearbeitung in 14-tägigem Rhythmus eine vorher festgelegte Strecke am Ufer begangen, was zu 10-12 Exkursionen je Vegetationsperiode führte.

Auf Folien mit Artenlisten und Diagrammen stellte Dr. Mey die Ergebnisse der Untersuchungen vor, z.B. die Verteilung der Arten auf die Jahreszeiten und die Veränderung des Bildes im Verlauf der Jahre. 2001 dominierten andere Arten als 1979. Große Veränderungen im Artenspektrum waren besonders in den 1990er Jahren festzustellen, als der Teich durch das Anfüttern der Fische durch Angler stark eutrophiert war. Inzwischen liegt er auf Privatland und ist wie zu Beginn der Untersuchungen wieder klar.

Im folgenden wurden einzelne Köcherfliegenarten detailliert besprochen und Angaben zu deren Biologie und Biotopansprüchen gemacht.

Die Untersuchungen werden auch künftig weitergeführt.

Fragen kamen zunächst von Thomas Ziska, der wissen wollte, ob alle Arten mit der Methode der Uferbegehung erfasst werden können, oder ob eine zusätzliche Larvensuche notwendig ist? Antwort: Manche Arten lassen sich im Larvenstadium besser Nachweisen, die Suche in einem See oder Teich mit bis zu fünf Meter Wassertiefe ist aber, im Gegensatz zu flachen Fließgewässern, sehr schwierig. Die Imagines halten sich aber meist auch im Uferbereich auf. Ist Lichtfang günstig? Nein, es werden auch Arten von Nachbargewässern angezogen und nicht nur die Arten des spezifischen Teiches erfasst. Wie sieht es mit Fressfeinden aus? Kaum untersucht, Fische, Libellen- oder Wasserkäferlarven jagen schon Köcherfliegenlarven.

Matthias Hartung fragte, ob es über Köcherfliegen ähnliche Untersuchungen zur Gewässerwahl gibt, wie sie über Libellen angestellt wurden? Antwort: Das geht nicht, da bei Köcherfliegen im Gegensatz zu Libellen keine Exuvien am Gewässer verbleiben.

Wilfried Funk fragte, wie lange Köcherfliegen leben? Antwort: Die Larven in der Regel ein Jahr, es gibt einige Arten mit zwei Generationen, das ist die Ausnahme. Imagines leben 1 - 3 Wochen. Für die Entwicklung und Lebensdauer der Arten ist die Wassergüte entscheidend, weniger die Wirkung des Wetters auf die Imagines.

Peter Weisbach fragte zum Thema Populationsschwankungen: Antwort: Die gibt es natürlich und sie sind, wie bei vielen Insekten nachweisbar. Auf den Folien wurden sie deutlich, nicht nur Biotopveränderung führte über Jahre zu verändertem Artenspektrum.

Zum Abschluss des Abends zeigte Dr. Mey noch einige Dias von vier Wasserschmetterlingsarten, die als Beifänge am Nudower Teich nachgewiesen wurden und informierte über deren Biologie.

Die Sitzung endete gegen 20.15 Uhr, der gesellige Teil fand im wieder offenen Lokal "Kombinat" statt.

Uwe Heinig