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Protokoll der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 12.09.2006

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend: 8 Mitglieder FG, 7 Mitglieder ORION, 4 Gäste

Thema: Kulturgeschichte der wissenschaftlichen Schmetterlingsdarstellungen.


- Begrüßung der Anwesenden zur ersten Sitzung nach der Sommerpause durch Michael Woelky und kurzer Rückblick auf die Sommermonate. In seinem Garten fand er drei Schmetterlingsarten, u.a. den Senfweißling, die er nie zuvor dort beobachtet hatte. Eine Folge des heißen Sommers?

- Verlesung des Protokolls vom 13.06.2006 durch Uwe Heinig.

In seinem Vortrag machte Dr. Jürgen Eckl mit der Kulturgeschichte der wissenschaftlichen Schmetterlingsdarstellungen von der Antike bis zur Gegenwart bekannt und stellte dazu im Dia Tafeln mehrerer Werke bekannter und weniger bekannter Autoren vor.

Erste Darstellungen von Schmetterlingen stammen bereits aus der Zeit der Antike bzw. von den Azteken, diese können aber noch nicht als wissenschaftlich betrachtet werden, stellen eher zufällige Zeichnungen dar. Die Azteken verehrten den Schmetterling z.B. als einen Gott.

Eines der bekanntesten ersten wissenschaflichen Werke sind Roesel von Rosenhofs "Der Insecten Belustigungen", monatlich herausgegeben 1746-61 bis zwei Jahre nach seinem Tod. Der Vortragende informierte über seine Lebensdaten und über den Kontakt zu Linné, worauf die Verwendung von Elementen aus dessen "Systema Naturae" zurückzuführen ist. Aber schon lange zuvor, 1592, zeichnete Jakob Hufnagel das Große Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri), die wohl erste Darstellung eines Schmetterlings in Europa. Michelangelo Cerguozzi aus Rom, er lebte 1602-60 malte das Bildnis "Die Vogelbeobachter" in dessen Zentrum man eine Distel, umkreist von Schwalbenschwanz (Papilio machaon) und Kleinem Fuchs (Aglais urticae) sieht. Jeder Entomologe kennt die Zeichnungen der Maria Sybilla Merian aus ihrem Werk "Metamorphosis Insectorum Surinamensium", die Entwürfe entstanden ab 1701 in Surinam, gedruckt wurde es ab 1705, erreichte viele Auflagen und war besonders in Adelshäusern verbreitet. Ihm entstammten die folgenden im Dia gezeigten Schmetterlingstafeln, die Beweis für eine exakte Beobachtung in freier Natur und Darstellung besonders der Entwicklung der Insekten sind. Dr. Eckl informierte in Auszügen über die interessante Lebensgeschichte der M.S.Merian. Eleazar Albin publizierte 1720 das erste entomologische Buch in England "A Natural History of English insects". Ihm folgte 1742 Benjamin Wilkes mit 12 Tafeln über Schmetterlinge.

Bisher basierten alle vorgestellten Publikationen auf Freilandbeobachtungen, nun kam das Sammeln und Präparieren von Insekten hinzu, Beispiel: Georg Wolfgang Knorr (1754). Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden meist bei Reichen und Adligen Naturalienkabinette, die in der Regel auch zahlreich Insekten zeigten. In Amsterdam entwickelte sich mit der Aquarellmalerei, das Gegenteil zu den Naturalienkabinetten. Familie Sepp, insbesondere Jan Christiaan Sepp publizierte ab 1762 Zeichnungen zu den "am wenigsten beachteten Kreaturen". Die Sammlung wurde 1860 beendet. Weitere Schmetterlingsdarstellungen besonders zum Thema Metamorphose mit immer exakteren Detailzeichnungen verdanken wir Albert Seva (1765) "Thesaurus der Natur", Jacob l'Admiral (1774) "Neugierige Beobachtungen über Veränderungen bei vielen Insekten" und dem Amsterdamer Geschäftsmann Pieter Cramer, der 1775-82 erstmals den Zeichnungen tropischer Falter wissenschaftliche Beschreibungen nach Linné beifügte. Seine Sammlung mit vielen Typen ging 1777 an das BMNH und stellte dort den Grundstock der Schmetterlingssammlung.

Jean Jaques Ernst malte 1779-93 350 Tafeln Europäischer Schmetterlinge nach der Natur, 1789 folgten Illustrationen zur 10. Auflage von Linnés "Systema Naturae" sowie Arbeiten von Fabricius durch Johann Jacob Roenner und 1766-1840 erschien von Moses Harris "The Aurelian or Natural History of English Insects". Im Zusammenhang mit den letzten vorgestellten Werken wies der Vortragende auf die Finanzierung der kostspieligen Tafeln hin. Viele von ihnen wurden von Adligen gesponsert und diesen dann gewidmet.

In Deutschland erschien 1806-41 die "Sammlung exotischer Schmetterlinge" von Jacob Huebner, der Vorläufer des "Seitz". 1837-44 erschien von Julius Theodor Christian Ratzeburg das erste Werk zur angewandten Entomologie: "Die Forst-Insekten" behandelt u.a. auch schädliche Nachtfalter, wobei angemerkt wurde, dass dort auch verschiedene Arten Aufnahme fanden, die nicht als Schädlinge in Erscheinung traten, nur um sie als Bestandteil der heimischen Fauna zu publizieren.

Ein Beispiel für entomologische Literatur aus Amerika liefert Thomas Say: "American Entomology" (1824-28).

Was folgte, war die Vorstellung lokaler Monographien z.B. die Niederlande + Kolonien und das Russische Reich betreffend (Bsp.: Wilhelm de Haan, Gotthelf Fischer von Waldheim). Auch einige beeindruckende Tafeln aus Werken verschiedener Autoren, u.a. James Rothschild, William H. Edwards, John Whitehead und Frederic Moore aus der Zeit von etwa 1850-1905 über exotische Schmetterlinge Nord- und Südamerikas, Australiens, Indiens und Ceylons sowie vom Mount Kinabalu wurden von Dr. Eckl gezeigt, bevor eine Tafel aus Frederick William Frohawk "Natural history of English butterflies" von 1924, die den Admiral (Vanessa atalanta) zeigt, die Präsentation beendete.

Zu allen vorgestellten Tafeln wurden vom Vortragenden Informationen über die Zeichner und das Format gegeben und abschließend festgestellt, dass die grafische Kunst der heutigen Fotografie oft überlegen ist, besonders mittels exakter Detaildarstellungen.

Die Sitzung endete gegen 21.00 Uhr, der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)