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Protokoll der Versammlung von FG Entomologie und ORION im Naturkundemuseum am 10.10.2006

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 10 Miglieder der FG, 13 des ORION, 6 Gäste

Thema des Abends: Technik der Makrofotografie (Beamervortrag)

Referent: Bernd Krüger


Eröffnung der Sitzung durch Thomas Ziska

Verlesung des Protokolls vom 12.9. durch Uwe Heinig

Zu Beginn seines Referats führte Herr Krüger aus, wie er von Jugend auf die Makrofotografie als sein Hobby betrieben und sie seit seinem beruflichen Ruhestand perfektioniert hat. Er bezeichnet seine Tätigkeit als „dokumentierende Fotografie" – jede Tieraufnahme in natürlicher Umgebung.

In der Vergangenheit mit Kleinbildfilm 24 x 36 mm oder besser mit dem Format 6 x 6, also mit der analogen Fotografie schon, hat er sehr gute Ergebnisse erzielt. Jedoch benötigte er neben den Objektiven viel Zubehör, was die Kosten erheblich steigerte.

Deshalb fotografiert er heute nur noch mit dem digitalen System, mit einer Camera von Sony, Typ F 828.

Herr Krüger zeigte auf Bildern seine in der Vergangenheit benutzten und seine heutigen Kameras mit verschiedenen Objektiven und Zubehör auf Stativen aufgestellt.

Am Beispiel dreier Aufnahmen vom Nierenfleckfalter, 2002, 03 und 05 erklärte er die sich von Jahr zu Jahr verbessernde Technik der Hersteller.

Makrofotografie bedeutet: nah ran an das Motiv – in unserem Falle an ein Insekt, das im nächsten Moment den Standort wechseln kann.

Mit Makroeinstellung auf Standardkameras geht dabei bei dem zwangsläufigen Weitwinkel ohne zusätzliche Beleuchtung zu viel Licht verloren.

Aus Schnelligkeitsgründen arbeitet Herr Krüger mit Nahlinsen, die den Abstand vom Motiv gewährleisten.

Die Tiefenschärfe, so der Referent, stelle man immer auf das Auge des Insektes ein (so es nicht um die Flügelzeichnung bei Schmetterlingen geht!).

Bei Nahlinsen von 8 dptr (Dioptrin) und einer Brennweite von 200 mm gelingen Aufnahmen von Blende 2.8 bis 8.

Am Beispiel mehrerer Aufnahmen des gleichen Motivs (der Bläuling –icarus) demonstrierte Herr Krüger den Effekt von Blitzaufnahmen mit oder ohne Hintergrundbeleuchtung: Nur mit Blitz = Hintergrund schwarz, Blitz + Gegenlicht = Hintergrund hell. Bei Gegenlicht erzielt man auch bessere plastische Darstellungen, durch die man die Zweidimensionalität eines Bildes verändern kann. Auch hier zeigte der Referent im Bild wieder seine bevorzugten Geräte mit Zubehör.

Zur Vermeidung von Schatteneffekten benutze man Ringblitzgeräte, am besten im Verbund mit einem zusätzlichen Spotblitz direkt auf das Motiv zielend. Die gezeigten Gerätschaften alle sehr professionell, entsprechend kostspielig natürlich, z.B. ein Balgengerät plus Makroobjektiv für Innenaufnahmen, oder etwa die Fotolampen in Verbindung mit schräggestellten Milchglasscheiben oder halbkugeligen Lichtschirmen, die man zur Dokumentation der eigenen Sammlung anwenden kann. – Alles sehr aufwändig im Gegensatz zu alten trickreichen Methoden, mit denen gestandene Entomologen auch gute Ergebnisse erzielten.

Dennoch: Die fotografischen Ergebnisse bestätigen den Aufwand des Profis, wie die folgenden Fotos zeigten.

Wer je versucht hat, die schnell auffliegenden Sandlaufkäfer aufs Objektiv zu bannen, kann über die gezeigten Fotos nur staunen: Libellen im Fluge, Schmetterlinge, Käfer, Wanzen frontal, beim Saugen, Sandlaufkäfer in copula – und das alles in der natürlichen Umgebung.

So schloss der Referent mit der Feststellung, dass außer den passenden Gerätschaften das Wichtigste beim Fotografieren im Freiland eine gute Kondition sei (immer erneutes Positionieren, bis das Bild endlich gemacht ist), und - wer von uns weiß das nicht?- Geduld und nochmals Geduld.

Nach seinem Vortrag antwortete Herr Krüger auf Fragen.

Der Fundortangabe bei einem präparierten Insekt in der Sammlung entspricht bei den Fotos von Herrn Krüger sein Exkursionstagebuch, in dem die einzelnen Aufnahmen durchnummeriert sind. Die Nummern verweisen auf die species.

Nicht alle Insekten kann er selbst determinieren. Dabei nimmt er gern die Hilfe der Spezialisten in Anspruch.

Ein 3D-Knopf oben am Stativ ist unbedingt notwendig, damit die Kamera jede Kipp- und Drehmöglichkeit hat.

Unbedingt mit Nahlinsen arbeiten, um bei Makroaufnahmen auch im Randbereich die nötige Tiefenschärfe zu haben.

 

Ende der Sitzung gegen 20.30 Uhr, danach noch rege entomologische Unterhaltung.

Jörg Heimann