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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.02.2007

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 12 Mitglieder FG, 8 Mitglieder ORION, 3 Gäste

Thema: Nützlinge im Pflanzenschutz (div. Insecta).


- Verlesung des Protokolls vom 9.01.2007 durch Uwe Heinig.

Oliver Hillert erläuterte in seiner Beamer-Präsentation die Einsatzmöglichkeiten von Nützlingen im Pflanzenschutz. Einleitend stellte er die Firma "Katz Biotech AG" aus Baruth vor, in der er arbeitet. Auf 1300 m² Hallenfläche werden von 18 Mitarbeitern 17 nützliche Arthropodenarten produziert und 10 Schädlingszuchten betrieben. Die Arbeitsabläufe wurden dargestellt, Einblicke in die Gewächshäuser ermöglicht und über spezielle Probleme, z.B. die exakte Bewässerung und den Eigenbau von Geräten informiert. Die Vorreiter auf dem Gebiet des biologischen Pflanzenschutzes waren zwei große Firmen in den Niederlanden, neben diesen existieren meist kleinere, mittelständische Betriebe, wie eben die "Katz Biotech AG".

Chemie ist in Gärtnereien oft nur begrenzt einsetzbar, zudem entwickeln die Schädlinge bereits nach kurzer Zeit Resistenzen gegen die Mittel. So besteht ein großes Interesse an biologischen Verfahren der Bekämpfung. Im Moment beschränkt sich das Angebot der "Katz Biotech AG" auf Angebote für Gewächshäuser, künftig sollen aber auch Nützlinge für den Freilandeinsatz produziert werden, z.B. zur Bekämpfung der "Weißen Fliege" an Rosenkohlkulturen.

Es folgte die Gegenüberstellung der Nützlingsgruppen Räuber und Parasitoide und die Erläuterung der Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Auf Fotos wurden Beispiele gezeigt, so eine monophage Raubmilbe, die kurativ gegen eine Spinnmilbenart eingesetzt wird und eine weitere, polyphage Raubmilbe, die mehrere Spinnmilbenarten frisst und auch prophylaktisch eingesetzt werden kann. Gezeigt wurden weiterhin ein Raubthrips im Einsatz gegen eine Blattthripsart und Florfliegenlarven, sie leben zwei Wochen bis zur Verpuppung und fressen alles, was zu erbeuten ist, Blatt- und Wollläuse, Thripse und Spinnmilben. Marienkäferlarven der Gattungen Chilocorus und Rhyzobius eignen sich zur Bekämpfung von Deckelschildläusen, verschiedene Wespen, sie zählen zu den Parasitoiden, werden vielfältig eingesetzt. Von den Wespenarten werden im Jahr bis zu 25 Millionen gezüchtet und konfektioniert auf Einheiten, z.B. 500 Stück europaweit verschickt. Während einer Saison müssen die Anwender in der Regel mehrere Chargen bestellen. Zuvor wird mittels Schädlingszuchten in den Gewächshäusern der Firma die Eignung zur Bekämpfung geprüft.

Neben Landwirtschaft und Gartenbau existieren weitere interessante Einsatzgebiete der biologischen Schädlingsbekämpfung. Als Beispiel wurde vom Vortragenden "Tropical Island" angeführt, die Anlage mit ihren vielen tropischen Pflanzen wird von Beginn an von "Katz Biotech AG" betreut. Die Startbedingungen in der Halle waren kompliziert, heute gibt es ein funktionierendes geschlossenes Ökosystem bezüglich Schädlingen und Nützlingen.

Abschließend zeigte Oliver Hillert Kurzfilme von Prof. Urs Wyss (Uni Kiel) zum Thema. In beeindruckenden Makroaufnahmen wurden die Entwicklung der Kontrahenten sowie Jagdszenen und Beutefangverhalten dargestellt. Zu sehen waren neben verschiedenen Raubmilben u.a. Marienkäfer und deren Larven, räuberische Gallmückenlarven und Schwebfliegenlarven.

Nach diesem sehr interessanten Vortrag aus dem Bereich der angewandten Entomologie waren noch einige Fragen der Anwesenden zu beantworten und es kam zu einer kurzen Diskussion über die Zulassung von Nützlingen. Probleme gibt es, wenn diese ins Freiland entkommen und überleben, bestes Beispiel: der asiatische Marienkäfer Harmonia axyridis.

Die Sitzung endete gegen 20.30 Uhr, der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)