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Entomologische Gesellschaft Orion Berlin

Protokoll zur Sitzung am 27.02.2007

Anwesend sind 15 Mitglieder und 2 Gäste


Herr Woelky wies noch einmal auf die zum 1. Mai vorgesehene Exkursion nach „Schmetterlingshorst“ am Langen See hin, einem früher bekannten Ausflugslokal mit lepidopterologischen Schaukästen, das an seine frühere Tradition wieder anknüpfen möchte.

Herr Bernd Schulze berichtete in seinem Lichtbildervortrag über einige bemerkenswerte Beobachtungen im Jahr 2006:

  1. Vom kleinen Schillerfalter ( Apatura ilia) erhielt er am 10. Oktober beim Vereinstreffen von Peter Rückheim ein schon abgeflogenes Weibchen der offensichtlich 2. Generation ( Fundort Mehrow, Kreis Barnim, 9.10.2006). Es legte ab13. Oktober über mehrere Tage etwa 30 Eier ab aus denen nach jeweils 5 Tagen insgesamt 16 Raupen schlüpften. Da die Weibchen dieser Art nur wenig Sperma speichern (fehlende Bursa copulatrix) und im Verlauf mehrere Begattungen benötigen, ist eine Anzahl Männchen im Beobachtungsgebiet zu vermuten. Die geschlüpften Raupen nahmen als Futter aus Ermanglung von Espe Korkenzieherweide an. Er berichtet über die interessante weitere Entwicklung der Raupen über ihre bisherige Winterruhe hinaus bis zum Februar-Ende.
     
  2. Von Areas galactina, einem großen Bärenfalter (Fam. Arctiidae) erhielt Herr Schulze ein Weibchen aus waldreichem Hochland in Malaysia ( Cameron Highlands 1400m ). Die aus der Eiablage erhaltenen Raupen nahmen Löwenzahn Wegerich Brennnessel Mangold an. Später fütterte er neben Spitzkohl, Chickore und Eisbergsalat vor allem Endivie. Fütterungsversuche mit Mohrrüben und Kartoffeln im Winter waren ebenfalls erfolgreich. Nicht gefressen wurden alle sonst als Winterfutter dienenden Immergrünen. Die Raupen brauchen sehr hohe Luftfeuchtigkeit, besonders aber während der Verpuppung. Sie bilden dichte Gespinste mit eingewobener Behaarung. Die ausgehärteten Puppen sind bewegungslos mit absolut starren Abdominalsegmenten, die Puppenhülle ist sehr hart. Bis zur Verpuppung traten kaum Verluste auf. Nach einem Jahr Puppenruhe gab es nur einen geschlüpften Falter. Die verbliebenen Puppen waren abgestorben, enthielten aber meist entwickelte Tiere. Ungelöst blieb die Frage, welche Faktoren zum Schlüpfen der Falter führen. Herr Schulze äußerte die Vermutung, dass Hypoxämie durch Sauerstoffmangel am Boden zu Beginn der Regenzeit Auslöser sein könnte. Hierüber gab es einen lebhaften Erfahrungsaustausch.. Bei der Zucht traten Probleme mit einer aus Südostasien eingeschleppten Buckelfliegenart auf, bei der es sich um Megaselia scalaris handeln soll. Deren Larven haben die fertigen Puppen befallen und ausgefressen. Sie leben auch in lebendem Gewebe und können bei Wirbeltieren über Wunden und eingeatmet in der Lunge parasitisch werden. Sie verursachen bei Reptilienzuchten gelegentlich Verluste. Herr Korge wies darauf hin , dass die Gattung Megasilia hunderte schwierigst unterscheidbare Arten aufweist, so dass es fraglich ist, ob Schäden nur durch diese einzige Art verursacht werden.
     
  3. Der Nagelfleck Aglia tau wurde im Nauener Forst, aber auch in Brieselang, nicht jedoch im Spandauer Forst, der zum gleichen Waldlandschaftszug gehört in erheblicher Populationsdichte nachgewiesen. Als Köder dienten unbefruchtete Weibchen, durch die zahlreiche Männchen angelockt wurden.

Prf. Horst Korge/Bernd Schulzet>