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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 09.10.2007

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 11 Mitglieder FG, 8 Mitglieder ORION, 3 Gäste

Thema: Neues zur biologischen Bekämpfung von Material- und Vorratsschädlingen.


- Verlesung des Protokolls vom 11.09.2007 durch Thomas Ziska (geschrieben von M. Woelky).

- Hinweis auf die Tagung des BFA Entomologie am 13./14.10.2007 im Naturkundemuseum und Information über Vortragsthemen.

Dr. Matthias Schöller fragte in seinem Vortrag zuerst was eigentlich Vorratsschädlinge sind und wo man solche findet. Viele dieser als Schädlinge eingestufte Arten stammen ursprünglich aus Totholz, Rinden u.ä. und sind heute im Freiland in der Regel nicht mehr zu finden. Am Beispiel des Brotkäfers (Stegobium paniceum) erläuterte der Vortragende die von seiner Firma „Biologische Beratung bei Insektenproblemen" praktizierte biologische Schädlingsbekämpfung ohne Chemie. In den Räumen der Hallenser Bibliothek, einem früheren Kornspeicher, gibt es hölzerne Regale, Dielen-Fußböden und darin Ritzen, die den Käfern gute Entwicklungshabitate bieten. Aber auch die oft sehr alten und wertvollen Bücher wurden durchlöchert, deren Einband wurde früher z.T. noch aus Lumpen hergestellt. Jahrelang wurden Spritzmittel für die Dielen eingesetzt, ein Langzeitpyrethroid und die Bücher wurden mit Stickstoff begast. Nun kam die Lagererzwespe Lariophagus distinguendus gegen die Larven des Brotkäfers zum Einsatz, deren Entwicklungskreislauf wurde vorgestellt. Seither wurde kein neuer Befall in den Büchern registriert. Eine Liste stellte die Wirte der Lagererzwespe vor, die verschiedenen Käferfamilien zuzurechnen sind.

Ein weiteres Beispiel war der Befall des Cranach-Altars im Erfurter Dom durch den Nagekäfer Anobium punctatum. Dr. Schöller beschrieb die Entwicklung der Larven dieses Klopfkäfers (Anobiidae). Die Frage war, ob die Lagererzwespe hier ebenfalls für die biologische Bekämpfung geeignet sei und die Larven im Holz erreichen kann. 2005 wurden erst 2.000 und später nochmals 1.000 Individuen der Lagererzwespe freigelassen, erste Auswertungen waren allerdings nicht aussagefähig, da viele Anobium-Larven von selbst gestorben waren, es konnte nur festgestellt werden, dass Die Larven für die Entwicklung der Lagererzwespe geeignet sind. Das Presseecho war trotz der geringen Aussagekraft der Ergebnisse gigantisch, ging es doch um einen historischen Altar.

Weitere Untersuchungen wurden in der Allerheiligenkirche in Erfurt durchgeführt wobei Larven des Blauen Fellkäfers (Korynetes coeruleus) aus der Familie Buntkäfer zum Einsatz kamen. Sie sind als Feinde der Nagekäfer-Larven bekannt und wühlen sich durch deren Fraßgänge. Weiterhin wurde die Brackwespe (Spatius exarator) erprobt, die so klein ist, dass sie in die Larvengänge der Nagekäfer vordringt und deren Larven anstechen kann und während der Untersuchungen wurde die Schlupfwespe Cephalonomia gallicola im Holz nachgewiesen, die Art ist im Übrigen ein Neunachweis für Deutschland. Am besten geeignet waren die Korynetes-Larven, ergänzt durch die Brackwespe.

Zusammenfassend stellte Dr. Schöller fest, dass der Holzschutz ein neues Feld für die biologische Bekämpfung von Schädlingen darstellt. Untersucht werden muss künftig welche anderen Nützlinge geeignet sind und wie diese an die Anobium-Larven herankommen. Es gibt noch viele offene Fragen und Untersuchungen sind recht langwierig, Ergebnisse liegen oft erst nach fünf oder mehr Jahren vor.

Im Anschluss an den sehr interessanten Vortrag, der einmal ein völlig neues Gebiet der biologischen Bekämpfung von Schadinsekten vorstellte, zeigte der Vortragende einen Film über das Thema, hergestellt von Urs Wyss (Ento Films), der in beeindruckenden Makroaufnahmen Ameisenwespchen auf der Suche nach Larven, deren Anstich und den folgenden Kampf sowie die Entwicklung der Parasitoide darstellte.

Fragen und Anmerkungen kamen von Prof. Horst Korge, Manfred Gerstberger, Dr. Wilfried Funk und Thomas Ziska.


Die Sitzung endete gegen 20.15 Uhr, der gesellige Teil fand in den Chaussee-Stuben statt .

Uwe Heinig (Schriftführer FG)