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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.11.2007

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend: 17 Mitglieder FG, 16 Mitglieder ORION, 18 Gäste

Thema: Moore in Brandenburg – Probleme ihres Schutzes


Der Vorsitzende begrüßte die zahlreich erschienenen Teilnehmer an diesem Vereinsabend, besonders den Vortragenden, Dr. Jörg Gelbrecht. Die Teilnehmerzahl zeigt, wie interessant und wichtig das Thema Schutz der Moore ist.

Dr. Gelbrecht, uns allen als Schmetterlingsforscher bekannt, begann seinen Vortrag mit einer kurzen Vorstellung seiner Person. Er arbeitet als Chemiker im Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin-Friedrichshagen. Zu seiner Freizeitbeschäftigung, der Lepidopterologie kam er bereits als Kind, als er u.a. mit Prof. Succow in verschiedenen Mooren unterwegs war.

Erste Fotos zeigten natürliche, entwässerte und wiedervernässte Moore und an ihnen wurde erläutert, worum es sich bei einem Moor eigentlich handelt, nämlich um Landschaften in denen Torf gebildet wird oder oberflächlich ansteht und wie dieser gebildet wird. Eine schematische Grafik zeigte die Wasser- und Stoffflüsse in einem wachsenden Niedermoor, dazu erklärte Dr. Gelbrecht die dort vorherrschenden chemischen Bedingungen. Im weiteren Vortrag ging es um Stoffretentionsprozesse in wachsenden Mooren, um Ursachen der Entwässerung von Niedermooren und letztendlich um Strategien zum Moorschutz.

10-12 % der Landesfläche Norddeutschlands sind Moore, diese besitzen eine enorme Bedeutung für Landschaft und Klima. So haben Moore eine wichtige Funktion für den Wasserhaushalt bzw. die Speicherung, sie sind chemisch gesehen eine Stoff-Senke und sie wichtig für Artenvielfalt und Naturschutz. Die Unterschiede zwischen Hoch- und Niedermooren wurden erläutert, in Norddeutschland findet man nur letztere. Leider sind national und international 95-99 % der Moore entwässert bzw. in der natürlichen Entwicklung gestört. Ursachen sind u.a. Melioration, Grundwasserabsenkung und Niederschlagsdefizite. In einzelnen Bundesländern gibt es inzwischen aber Programme zum Schutz dieser Biotope. Dieser ist u.a. auch in Bezug auf die aktuelle Klimasituation notwendig, denn 2-4 % der CO2-Emission in Deutschland wird durch Trockenlegung von Mooren verursacht.

In Brandenburg findet man drei Moortypen, oligotroph-mesotrophe, mesotroph-subneutrale und eutrophe Moore. Zu jedem Typ wurde die vornehmlich vorzufindende Vegetation vorgestellt und dort lebende Insektenarten angesprochen, ebenso verschiedene Formen der Nutzung von Mooren und deren Auswirkungen auf Vegetation und Insektenfauna. Als Beispiele wurden die Tagfalter Boloria aquilonaris und Coenonympha tullia genannt, deren Rückgang im Norddeutschen Tiefland auffällig ist. Die Nachweise vor und nach 1980 wurden auf Karten dargestellt.

Der folgende Teil des Vortrages wurde sehr chemisch: Es wurde anhand von Folien erklärt, was in einem Torfkörper bei Wassermangel passiert, welche chemischen Prozesse ablaufen. Die Zersetzung des Torfes, die Umwandlung der oberen Bodenschicht und die chemischen Bedingungen, die durch Wassermangel hervorgerufen werden, sind auch durch Wiedervernässung nicht umzukehren! Fotos zeigten intakte und nicht intakte Moore, deren Zustand vor und nach der Entwässerung und nach Wiedervernässung. Deutlich zu sehen sind die Unterschiede im Pflanzenwuchs. Statt der ursprünglichen, nährstoffarme Habitate benötigenden Flora finden sich nun nährstoffliebende Sumpf- und Wasserpflanzengesellschaften. Trotzdem ist diese Maßnahme wichtig, denn auch wenn nicht der ursprüngliche Zustand erreicht wird, stellen die entstehenden Feuchtbiotope einen wichtigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar! In Mecklenburg-Vorpommern wurden 10.000 ha wiedervernässt, dort laufen intensive Forschungen zur Entwicklung dieser Landschaften, auch begleitet vom IGB. Hierzu wurden Strategien und Hauptziele zum künftigen Schutz der wenigen noch intakten Moore und der wiedervernässten Flächen zuvor stark oder schwach entwässerter Moore vorgestellt.

Auf den sehr interessanten und informativen Vortrag folgten Fragen aus dem Kreis der Anwesenden sowie eine kurze Diskussion bevor die Sitzung gegen 20.45 Uhr endete. Der gesellige Teil fand anschließend in den Chaussee-Stuben statt .


Uwe Heinig (Schriftführer FG)