zurück zum Programm-Archiv
Banner

P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 12.02.2008

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 10 Mitglieder FG, 13 Mitglieder ORION, 4 Gäste

Thema: Asiatische Parnassier (Lepidoptera, Papilionidae)


Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden wurde das Protokoll vom 8.01.2008 verlesen (Uwe Heinig). Es folgte ein Hinweis auf den am 1.03. stattfindenden 27. Märkischen Entomologentag, die Einladungen/Programme wurden kürzlich verschickt.

Zum Thema des Abends stellte Dr. Jürgen Eckl die faszinierende Vielfalt der in Asien verbreiteten Parnassier vor, gab einen kompletten Überblick über die in dieser Region in großer Diversität vorkommenden Schmetterlinge. Gleich zu Beginn machte er darauf aufmerksam, dass nur Parnassius apollo inklusive seiner weit verbreiteten Subspecies auch den deutschen Namen Apollofalter verdient, Parnassius bedeutet nicht gleichzeitig Apollo! Auch berichtete er, wie er zu dem Sammelgebiet Parnassier kam.

Die Fotos zum Vortrag wurden von Michael Woelky angefertigt, ihm dankte Dr. Eckl für diese Mitwirkung am guten Gelingen des Vortrages.

Chronologisch ging der Vortragende die verschiedenen Gruppen der Falter durch, begann mit acco, es folgte die szechenyii-, cephalus-, delphius-, staudingeri-, stenosemus-, charltonius-, inopinatus-, acdestis-, augustus- und simo-Verwandschaft. Im Bild gezeigt und gegenübergestellt wurden knapp 60 Species und Subspecies der Tiere und zu jeder über Verbreitung, Biotopansprüche, Flugzeiten und -höhen und Geschichte der Entdeckung informiert. Ergänzt wurden die Ausführungen durch Verbreitungskarten, die dem Sammelwerk „Parnassius" von Manfred Dietz, erschienen zwischen 1999 und 2006, entnommen waren. Die meisten Arten aus den Verbreitungsgebieten in China und Mittelasien, die sich wie unser heimischer Apollo an Sedum-Arten entwickeln, fliegen ausschließlich im Hochgebirge in Höhen zwischen 4.000 und 6.000 m in einzigartigen Biotopen, die teilweise ebenfalls auf Fotos gezeigt wurden. Wenige Arten sind in tieferen Lagen ab 3.000 m anzutreffen. Eine Ausnahme machen auch die Arten, die im ostsibirischen Hügelland vorkommen, z.B. Parnassius arcticus und P. tenedius. Sie kommen je nach Jahreszeit bis ins Tiefland vor. Einige Hochgebirgsarten beginnen mit ihrer Flugzeit bereits während der Schneeschmelze, sie fliegen also auch noch über Schneefeldern.

Die Gebiete, gerade in der ehemaligen Sowjetunion und in China waren lange Zeit fast unzugänglich, liegen in Grenzbereichen oder lagen in Militärsperrgebieten, so dass die Sammeltätigkeit nur sehr eingeschränkt möglich war. Oft waren daher Armeeangehörige die ersten Entdecker, von ihnen gelangte das Material zu Händlern und Sammlern, teils zu „exotischen" Preisen. Seit etwa 1990 und dem politischen Umbruch ist ein explosionsartiger Anstieg zu verzeichnen. Die Zahl der neu beschriebenen Subspecies stieg rasant, ob deren Status immer gerechtfertigt ist bleibt fraglich, aber so können auf Börsen höhere Preise erzielt werden. Manche Autoren, Beispiele Bryk (1943) und Weiss & Michel (1989) vergaben aus politischer Sympathie oder Opportunität kuriose Namen wie dalailama oder denxiaoping, beides Subspecies von Parnassius cephalus. Diese Praxis war und ist umstritten, die Gründe wurden durch Dr. Eckl erläutert. Manche Art wurde nur einmal gefunden und beschrieben, ist seitdem nicht wieder nachgewiesen worden, was auch wieder der Erreichbarkeit der Fundorte geschuldet ist. Heute gibt es da in Nord-Afghanistan und Pakistan erhebliche Probleme, wie man sich bei der aktuellen politischen Lage gut vorstellen kann.

Wie bereits erwähnt, ist der Status gerade einiger Subspecies aufgrund ihrer eng benachbarten Verbreitungsareale umstritten. Japaner machten sich daran über DNA-Untersuchungen Artverwandtschaften zu erforschen und konnten so mehrfach fragliche Zugehörigkeiten klären. Meist wurden die „alten" Entomologen bestätigt, es gab aber auch Fälle in denen die DNA bei unterschiedlichem Habitus identisch war und umgekehrt, was neue Fragen aufwarf.

Im Anschluss an den Vortrag wurden Fragen und Ergänzungen von Dr. Oliver Schmitz, Stephan Gottwald und André Salk vorgetragen, einmal zu den DNA-Untersuchungen, zum zweiten zur Datengrundlage bezüglich Feststellung des Artstatus.

Dr. Eckl hatte sieben Kästen seiner Sammlung mitgebracht, in denen sowohl die im Vortrag gezeigten, aber auch noch weitere asiatische Arten dieser schönen Schmetterlinge bewundert werden konnten.


Die Sitzung endete gegen 21.00 Uhr. Der gesellige Teil fand anschließend in den Chaussee-Stuben statt .

Uwe Heinig (Schriftführer FG)