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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 8.04.2008

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 14 Mitglieder FG, 12 Mitglieder ORION, 9 Gäste

Thema: Jean-Henri Fabre (1823-1915) - Ein Leben für die Entomologie.


- Der Vorsitzende begrüßte die Teilnehmer, besonders den Vortragenden, Prof. Dieter Barndt.

- Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 11.03.2008 durch Uwe Heinig.

- Manfred Gerstberger informierte über Gelände und Treffpunkt der Exkursion von FG und Orion am 1.Mai 2008. Es geht auf eine renaturierte Abraumhalde des Kalkwerkes Rüdersdorf.

Zum Thema des Abend sprach Prof. Barndt über das Leben des bekannten französischen Naturkundlers Jean-Henri Fabre, dieser war nicht nur Entomologe, sondern auch ein sehr guter Beobachter der übrigen Natur, Sammler diverser Naturalien und Autor vieler Schriften. Fabres Buch „Bilder aus der Insektenwelt", das der Vortragende im Alter von 12 Jahren in den Händen hielt, brachten ihn zur Entomologie und als Student trampte er einmal in die Heimat seines großen Vorbildes.

Im ersten Teil des Vortrages stellte Prof. Barndt den Lebenslauf Fabres vor, ergänzt durch Zitate aus seinen Büchern. Jean-Henri Fabre wurde am 21.12.1823 in den armen Verhältnissen einer Bauernfamilie in Saint-Léons geboren, seine Kindheit war schwierig. Es folgte die Beschreibung seiner Schul- und Studienzeit, die ebenfalls nicht einfach war. Er musste, bedingt durch Umzug der Familie, öfter die Schule wechseln, Stationen dieser Zeit waren u.a. Toulouse und Montpellier. Weil er die Familie zu Hause und auf dem Feld unterstützen musste konnte er die Schule nicht abschließen, setzte die Ausbildung erst später mit einem Stipendium in Avignon fort und wurde Lehrer mit sehr niedrigem Gehalt. Ständig war er bestrebt sein Wissen zu mehren, beschäftigte sich mit Mathematik, später mit Physik.

Mit seiner ersten Frau hatte Fabre sieben Kinder, das Geld war sehr knapp und so verlegte er seine Lehrtätigkeit nach Ajaccio auf Korsika. Dort verdiente er besser und lernte Naturwissenschaftler kennen, die ihn überzeugten sich der Biologie zu widmen. Er kehrte nach Avignon zurück und lehrte dort 17 Jahre lang Chemie und Physik. Daneben entdeckte er die Entomologie als Steckenpferd, für die er sich zunehmend interessierte. Eine erste Publikation erschien 1855, im selben Jahr promovierte er im Alter von 32 Jahren in Naturkunde und lehrte dieses Fach anschließend in Avignon, wo er aber Probleme wegen seiner offenen Darstellung der Befruchtung bei Pflanzen bekam. Die prüde Gesellschaft in der Stadt der Päpste war dafür noch nicht bereit. Fabre schied aus dem Schuldienst aus und arbeitete künftig in Orange N Avignon als Autor von Schulbüchern, wisenschaftlichen Werken für die Bevölkerung, die leicht verständlich waren und seinen ersten Band zur Insektenkunde, seine berühmten „Souvenirs Entomologiques".

Mit dem verdienten Geld erwarb Fabre in Sérignan ein Grundstück, das er „Harmas" nannte in Anlehnung an den Begriff Ödland. In seinem ersten eigenen Haus lebte er bis an sein Ende, schrieb etwa 100 Bücher und setzte seine Beobachtungen zum Insektenleben fort. Sein Werk „Souvenirs Entomologiques" wuchs auf insgesamt 10 Bände, leider wurden diese nicht ins Deutsche übersetzt. 1887 heiratete Fabre seine zweite Frau, viel jünger als er und Mutter weiterer drei Kinder von ihm. 1904 wurde er für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen, bekam ihn aber nicht. Er starb am 11.10.1915 in Sérignan, dort ist er auch begraben. Die Stationen seines Lebens wurden während des Vortrages auf einer Südfrankreich-Karte dargestellt.

Im zweiten Teil des Vortrages zeigte Prof. Barndt Bilder einer Reise, die er mit seiner Frau auf den Spuren Fabres unternahm. Neben den historischen Stätten in Sérignan, dem Wohnhaus und Garten Fabres und dem Grab auf dem örtlichen Friedhof, wurden Natur- und Landschaftsimpessionen vom Mt. Ventoux gezeigt, einem bevorzugten Exkursionsgebiet Fabres für seine Naturstudien. Eine Fliege, der Trauerschweber (Anthrax) hat ihn immer besonders beschäftigt. Wie bei unseren Ölkäfern der Gattung Meloe werden Triungulinus-Larven in die Nester von Bienen eingetragen, wo die weitere Entwicklung erfolgt. Stundenlang beobachtete Fabre Bauten von Mörtelbienen und wie die Larven von Anthrax in diese hineingelangten. Die Ausführungen von Prof. Barndt wurden durch Zitate von Fabre ergänzt.

Weiterhin stellte Fabre z.B. Versuche zu Brutröhren des Dreihornmistkäfers (Typhaeus typhaeus) an und schuf Nisthilfen für Hymenopteren. Heutige Forschungen bestätigen Fabres damals nur mit einer Lupe gemachten Beobachtungen.

Sein Haus wird als Museum präsentiert, das Arbeitszimmer ist original hergerichtet. Es beherbergt den kleinen Schreibtisch und die vielfältigen Sammlungen, neben den Insekten u.a. ein umfangreiches Herbarium, geologische Fundstücke und Muscheln. Zu sehen sind weiterhin seine Werkzeuge, Botanisiertrommel und Versuchsanordnungen. Fabre zeichnete zudem von 500 Pilzarten Aquarelle, nach denen er sie von Experten bestimmen ließ.

Im Garten kann man seine Versuchsflächen sehen, den Platz vor der Kirche ziert eine Büste Fabres mit seinen unentbehrlichen Begleitern, Hut und Lupe. Sein Grab schmücken Pflanzen aus dem Garten und es gibt eine Wand mit Mörtel- und Mauerbienen. So umgibt Fabres Paradies ihn auch noch im Tod.

Der Vortrag von Prof. Barndt beleuchtete in beeindruckender Weise das erstaunliche Leben Jean-Henri Fabres von der Geburt in ärmsten, schwierigsten Verhältnissen bis zum studierten, gelehrten Mann. Eine bemerkenswerte Entwicklung.

Ausgelegt waren einige Bücher Fabres als Anschauungsmaterial zu seinem umfassenden Schaffen.


Die Sitzung endete gegen 20.30 Uhr. Der gesellige Teil fand anschließend in den Chaussee-Stuben statt .

Uwe Heinig (Schriftführer FG)