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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 14.10.2008

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 9 (+ 6) Mitglieder FG, 8 (+ 6) Mitglieder ORION, 5 Gäste

Thema: Die Entwicklung der Insekten auf dem ehemaligen Gondwana-Kontinent.

Nach der Begrüßung der Anwesenden, besonders des Vortragenden Prof.Dr.Thomas Schlüter durch Thomas Ziska folgte die Verlesung des Protokolls vom 9.09.2008 durch Uwe Heinig.


Prof. Schlüter begann seinen Vortrag mit einer kurzen Vorstellung seines Lebens. Schon als Schüler im Alter von 10-12 Jahren interessierte er sich für Insekten, speziell Käfer. Mit 14 kam er zum ersten Mal zum Orion, wo er später Mitglied wurde. Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn dann allerdings zur Geologie und Paläontologie, letzteres war Inhalt seiner Promotion. 30 Jahre war er im südlichen Afrika für die UNESCO tätig, seit einigen Monaten ist er nun im vorzeitigen Ruhestand. Jetzt besucht er auch wieder die Versammlungen des Orion.

Auf Literatur zum Thema des Vortages wurde hingewiesen und diese teilweise herumgegeben. Der Berliner Alfred Wegener (1880-1930) schrieb eine Monografie über die Entstehung der Kontinente und Ozeane, ein weiterhin wichtiges Zitat ist Stills (1949).

Es folgten Folien, die den Urkontinent Pangea, den Urzustand von Gondwana und die Bewegung der Kontinente zu ihrer heutigen Position darstellten, bezogen auf die Zeitalter Perm, Trias, Jura u.s.w. Außerdem wurde die Vereisung der Gondwana-Kontinente ausgehend von Antarktika dargestellt. Dies führte zum Aussterben von 85% der Organismen. Gezeigt wurden weiter die Biodiversität verschiedener Organismen-Gruppen in der Zeit und das Aussterben in Gegenüberstellung zum jeweilig herrschenden Klima und zur Lage der Landmassen.

Es folgte eine Computersimulation mit Vorausschau auf die Lage der heutigen Kontinente in einer fernen Zukunft in 50, 150 und 250 Millionen Jahren. Die Bewegung der Kontinente führ danach zu einem neuen Superkontinent wie Pangea.

Im speziellen Teil des Vortrages, in dem Prof. Schlüter nun auf Insekten einging, wurden zuerst die verschiedenen Typen von Fossilienlagerstätten vorgestellt und informiert, wo Insekten zu erwarten sind. Die ältesten fossilen Insektenfunde stammen aus dem Devon, allerdings nicht vom Gondwana-Gebiet. Im Oberen Karbon sind relativ viele Insektenfunde, z.B. aus Kohleablagerungen in Argentinien, Simbabwe, von Madagaskar und Tasmanien bekannt geworden, letzterer Fundplatz war ein fossiler Gletscher. Wie auch im Weiteren nannte der Vortragende die jeweiligen Ablagerungen aus denen die Funde stammen und zeigte charakteristische Beispiele im Bild. Zum Teil rekonstruierte er die jeweiligen Lebensräume, über die gerade gesprochen wurde.

Aus dem Perm gibt es Fundstellen in Südamerika, Südafrika, Australien und auch drei aus der Arktis. Aus dem Oberen Perm sind ca. 70 Insektenarten bekannt. Im Trias fand ein Faunenwandel statt, die aus dieser Epoche nachgewiesenen fossilen Insektenordnungen ähneln den heute bekannten. Aus Südafrika liegen ca. 25.000 Funde fossiler Pflanzen und ca. 3.000 Funde fossiler Insekten vor. Australien ist ähnlich reich an Funden, von dort gibt es ca. 1.000 fossile Insektenreste, während aus Südamerika nur wenige Funde registriert wurden. Aus dem Jura gibt es von Gondwana nur fünf oder sechs Lagerstätter fossiler Insektenreste, als Beispiel wurden eine Libelle aus der Arktis und ein Zweiflügler aus Indien gezeigt. Die Kreide lieferte aus Brasilien über 3.000 Nachweise fossiler Insekten, die immer mehr unseren heutigen Vertretern ähneln. Australien hat den Erstnachweis eines Flohs zu bieten und die Diamantenvorkommen in Botswana lieferten ca. 3.000 Funde.

Ein separates Thema des Vortrags waren Bernsteininklusen. Der Levante-Bernstein aus der Unteren Kreidezeit lieferte ca. 1.000 Insekten, weitgehend blieben sie bis heute unbeschrieben. Details des Körperbaus der Tiere sind im Bernstein viel besser zu sehen, als bei fossilen Versteinerungen. Dominikanischer Bernstein von der Insel Hispaniola aus dem Zeitalter Miozän beinhaltet tausende Insekten-Einschlüsse.

Zum Schluss des Vortrags präsentierte Prof. Schlüter Trends in der Paläodiversität, nur Gondwana betreffend, in Gegenüberstellung ausgestorbener mit rezenten Familien von Karbon bis Kreide. Eine gleiche Darstellung folgte für Artenzahlen.

Im Anschluss an den sehr interessanten Vortrag wurden Fragen aus dem Kreis der Zuhörer beantwortet: So wollte Jürgen Kurdas wissen ob unter den gefundenen Insekten auch Schmetterlinge waren. Antwort: Diese sind aufgrund der Vergänglichkeit schwer nachzuweisen. Erste echte Schmetterlinge tauchten in der Kreidezeit auf.

Matthias Hartung ergänzte zur Darstellung von Libellenflügeln, dass auch heute noch eine Art mit so charakteristischem Geäder der Flügel lebt.

Wolfram Mey fragte nach Fundstellen im südlichen Afrika in Zusammenhang mit den Expeditionen des Museums und erfuhr, dass es dort verboten ist jegliche Fossilien zu sammeln. Ein Ansprechpartner für weitere Informationen wurde genannt.

Peter Weisbach wollte wissen, wie die Kontinente eigentlich driften. Antwort: Sie schwimmen auf der Erdkruste, haben gegenüber dieser ein geringeres spezifisches Gewicht.

Es folgten noch einige weitere kurze Fragen, die zeigten, wie groß das Interesse an diesem Vortrag war.

Bevor die Sitzung schloss stellte Michael Woelky noch drei schon neu aufgestellte Kästen aus der Käfersammlung des Orion vor. Sie beinhalten Laufkäfer. Die Geschichte der Sammlung wurde kurz dargelegt sowie Angaben zur Neuaufstellung und dem geplanten Umfang gemacht. Geworben wurde um Mitarbeit und um die Bereitstellung fehlender Arten, damit die Sammlung einmal eine möglichst umfangreiche Mitteleuropäische Vergleichssammlung wird.

Die Möglichkeit zur Arbeit an der Sammlung besteht am 2. und 4. Dienstag jeden Monats ab 17 Uhr im Humboldt-Exploratorium des Naturkundemuseums.


Die Sitzung endete gegen 20.30 Uhr. Der gesellige Teil fand anschließend in den Chaussee-Stuben statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)