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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 09.12.2008

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 7 (+ 3) Mitglieder FG, 10 (+ 3) Mitglieder ORION, 1 Gast

Thema: Alpenfliegen.


Nach der Begrüßung der Anwesenden, besonders des Vortragenden Dr. Joachim Ziegler durch Thomas Ziska folgte die Verlesung des Protokolls vom 11.11.2008 durch Uwe Heinig.

 

Dr. Joachim Ziegler, Kustos der Fliegenabteilung des Naturkundemuseums berichtete in seinem Vortrag über Ergebnisse einer Biodiversitätserfassung bei Dipteren im Nationalpark Stilfserjoch (Parco Nazionale dello Stelvio, Italien) aus dem Jahr 2005, ergänzt durch Daten auch aus den Randgebieten des Parks, die zwischen 1995 und 2007 zusammengetragen wurden. In erster Linie widmete er sich dabei den Raupenfliegen (Tachinidae), seinem Spezialgebiet, angesprochen wurden aber auch Vertreter weiterer Fliegen- und Mückenfamilien.

In der Einleitung zeigte Dr. Ziegler Satellitenaufnahmen der Alpen und speziell des Untersuchungsgebietes, stellte anhand dieser den Bereich des Parks, westlich von Bozen gelegen, detailliert vor und informierte kurz über das Interessengebiet Hochgebirge, das er neben Gebieten in Asien bearbeitet. Erwähnt wurden hier u.a. Gebiete in den Französischen Alpen, die Hohen Tauern und Kärnten. Auf Karten gezeigt wurden Geologie, Landnutzung und Grenzen des Gebietes sowie die besuchten Fundpunkte. Mit den Alpen verbindet man Bilder schneebedeckter Berge und faszinierender Landschaften, aber auch die vielfältigen Biotope der Alpen in verschiedenen Höhenlagen stellen interessante Untersuchungsgebiete dar. Zum Einsatz kamen neben dem Kescherfang Malaisefallen, eine Fensterfalle und Gelbschalen, alle Sammeltechniken, ihre Vor- und Nachteile und die an der Forschung beteiligten Personen wurden im Bild vorgestellt. Untersuchungszeitraum war zwischen Mitte Mai und Mitte Oktober, in den Höhenlagen nur bis Ende August, dann fiel hier der erste Neuschnee.

In einem speziellen Teil des Vortrags wurden Bilder einzelner Fliegenarten (nicht nur Raupenfliegen) gezeigt, diese wurden bezüglich ihrer Lebensweise und des bevorzugten Lebensraumes, bezogen auf die Höhenstufen des Untersuchungsgebietes, detailliert besprochen. Besonders bemerkenswert waren Fotos mit Details im Körperbau der Tiere. Sie zeigten z.T. bizarre Formen, Haarbüschel, Borsten u.s.w.

Angesprochen wurde auch das in einem früheren Vortrag ausführlich behandelte Hilltopping einzelner Fliegenarten. Für die Schmetterlingsfreunde wurden einige Bilder z.B. des Segelfalters, von Bläulingen, aber auch von der bunten Alpenflora gezeigt. Ebenso ein Foto der interessant aussehenden Schmetterlingsmücke.

Ein kleiner Abschweif in die Kultur zeigte Impressionen aus den Orten und von Trachten-Prozessionen. Traditionelle Alpen-Kultur wird hier groß geschrieben!

Es folgte eine Zusammenfassung der Ergebnisse: Die Ordnung Zweiflügler (Diptera) stellt die artenreichsten Tiergruppe Mitteleuropas dar. Für das Untersuchungsgebiet wurden bisher Funddaten von 25.259 Dipteren-Individuen ausgewertet, das entspricht aber höchstens der Hälfte des vorliegenden Materials. Die bisher untersuchten Fliegen und Mücken gehören zu 1.094 Arten und repräsentieren 46 Dipteren-Familien. Die Ergebnisse werden in 32 Einzelbeiträgen dargestellt, an denen 32 internationale Spezialisten mitgewirkt haben. Der Vortragende stellte Fakten zum Endemismus mehrerer Arten, in Verbindung zu ihren speziellen Biotopen, vor und gab einen Ausblick auf kommende nomenklatorische Arbeiten. Mehrere der nachgewiesenen Arten sind bisher unbeschrieben. Obwohl die Dipterologie eine lange Tradition im Untersuchungsgebiet hat, waren 70 % der festgestellten Dipteren, also ganz erstaunliche 771 Arten, bisher nicht aus Südtirol bekannt. 248 Arten wurden erstmals für Italien nachgewiesen!

Zum Abschluss informierte Dr. Ziegler über Probleme des 1935 gegründeten Nationalparks durch Beweidung, Obstanbau und andere Landnutzung durch die Menschen z.B. Skigebiete. Die Veränderung der Landschaft war im Laufe der Jahre z.T. gravierend, wie Fotovergleiche damals-heute zeigten.

Im Anschluss an den Vortrag der mit einer Fülle eindrucksvoller Dias illustriert wurde, beantwortete Dr. Ziegler noch einige Fragen der Anwesenden, u.a. von Wilfried Funk, Roland Herrmann und Thomas Ziska.


Die Sitzung endete gegen 20.50 Uhr. Der gesellige Teil fand anschließend in den Chaussee-Stuben statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)