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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.01.2009

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 8 (+ 5) Mitglieder FG, 13 (+ 5) Mitglieder ORION, 4 Gäste

Thema: Biologische Vielfalt in Chile.

Nach der Begrüßung der Anwesenden, besonders des Vortragenden Dr. Matthias Kühling durch Michael Woelky und bester Wünsche für das Jahr 2009 folgte die Verlesung des Protokolls vom 9.12.2008 durch Uwe Heinig.


In der Einleitung zu seinem Vortrag informierte Dr. Matthias Kühling darüber, warum er 1999, 2001 und 2004 in Chile weilte. Es handelte sich um dienstliche Reisen mit Studenten, wärend der in Zusammenarbeit u.a. mit Chilenischen Universitäten Projekte auf dem Gebiet Geologie und Hydrologie durchgeführt wurden. Die Partner wurden im Bild vorgestellt.

Insektenkunde fand nur am Rande in recht begrenzter Zeit statt. Das mitgebrachte Material ist noch nicht vollständig ausgewertet.

Seinen Vortrag gliederte Dr. Kühling in Landeskunde, Biologische Vielfalt, Naturschutzaspekte und stellte zwei Berliner Naturforscher vor, die im Land gewirkt haben. Auf Karten wurde zuerst die Lage und Geometrie des Landes gezeigt, an der Pazifikküste Südamerikas gelegen, das ca. 756.000 km² groß ist. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 4.200 km, die Ost-West-Ausdehnung maximal einige hundert km, meist ist sie viel geringer. 16,1 Mio Einwohner leben dort, die Hälfte im Großraum der Hauptstadt Santiago de Chile. Informiert wurde über die verschiedenen Völkergruppen und deren Anteil an der Bevölkerung. Der Vortragende stellte weiterhin das politische System vor, Chile wurde 1818 von Spanien unabhängig nach zuvor langer Kolonialzeit. Es gibt 13 Verwaltungseinheiten, die sich in insgesamt 50 Provinzen teilen. Es folgten Informationen zur Geschichte, besonders zur Kolonialzeit und zu deutschen Einwanderern. Ab ca. 1850 war Chile ein beliebtes Ziel deutscher Auswanderer. Kurz wurde über die Wirtschaft gesprochen, das Land verfügt über sehr große Vorkommen an Bodenschätzen, z.B. Kupfer, das in riesigen Tagebauen gewonnen wird. 75 % der weltweiten Lithium-Vorkommen liegen in Chile. Weinbau wird im großen Stil betrieben, die Reblaus ist hier unbekannt, was einen geringeren Einsatz chemischer Mittel zur Folge hat. Chilenische Weine werden auch bei uns verkauft! Weiterhin werden z.B. Inkalilie, Fuchsien und Roter Pfeffer als Zierpflanzen bzw. Gewürz nach Europa exportiert, alles wächst in Chile wild.

Geologie und Klimazonen wurden angesprochen, auf die besonderen Bedingungen der Gebirge hingewiesen und festgestellt, dass Chile einer Insel ähnelt, es ist ein an Arten relativ armer Bereich Südamerikas, beheimatet aber viele Endemiten. Die Vielfalt der Lebensräume bedingt durch die große Nord-Süd-Ausdehnung bringt vielfältige Organismen hervor. In seinem folgenden Streifzug durch das Land von Norden nach Süden stellte Dr. Kühling Landschaftsformen und Lebensräume vor, zeigte charakteristische Bilder dieser Landschaften und der dort lebenden Tiere. Vulkanismus wurde angesprochen, Hochgebirgssteppen gezeigt, in denen u.a. viele Nagetiere, Schwarzkäfer und Vogelspinnen anzutreffen sind, Senken mit Wasser, wo dann Weidewirtschaft stattfindet (Alpakas). Gezeigt wurden jeweils auch charakteristische Pflanzen, viele von ihnen wurden jedoch im Laufe der Geschichte von den Einwanderern mitgebracht. Im dicht besiedelten Großraum Santiago-Valparaiso gibt es kaum noch unberührte Natur, allerdings findet man einige kleine Naturschutzgebiete. Die Panamericana ist beidseitig von der Wirtschaft erschlossen. Gezeigt wurden weiterhin Salzflächen und Salzseen, letztere bieten den drei Flamingoarten Chiles hervorragende Biotope, die Atacama-Wüste, Halbwüstengebiete mit üppigem, vielfältigem Kakteenbewuchs und die Küstenregion. Im Meer kommen weit über 1.000 Seefischarten vor, demgegenüber stehen nur 37 Arten Süßwasserfische. Im valdivianischen Regenwald findet man eine Fülle verschiedener Gehölzarten, viele von ihnen nur dort.

Zusammenfassend stellte der Vortragende fest, dass es im Land 12 ökologische Regionen gibt. 28.875 Tier- und Pflanzenarten sind bekannt, darunter 10.133 Insektenarten. Eine Endemiten-Tabelle verdeutlichte eindrucksvolle Zahlen, so gibt es z.B. 92 % der Wanzenarten nur in Chile. Gezeigt wurden einige interessante Amphibien, Atacama-Kröte und Darwin-Frosch, letzterer brütet seinen Nachwuchs im Magen aus! Unter den Reptilien findet man nur eine giftige Schlange, eine Seeschlange, es gibt viele Leguan- und Eidechsenarten, eine bunte Vogelwelt und etliche Säugetiere. Letztere leben oft versteckt und es waren während der Reisen von Dr. Kühling recht wenige zu sehen. In den Wüsten- und Halbwüsten leben etwa 25 Arten Vogelspinnen.

Insekten findet man bevorzugt in Totholz, von dem es sehr viel gibt. Gezeigt wurden verschiedene Hirschkäfer, Prachtkäfer und Bockkäfer, aber auch einige sehr farbenprächtige Großlaufkäfer. Überraschend wenige Schmetterlingsarten waren zu beobachten. Mehrere Arten wurden durch die Landwirtschaft eingeschleppt und sind mit unseren heimischen identisch. Im Foto gezeigt wurden einige Saturniden, die einzige vorkommende Schwalbenschwanzart und einige weitere farblich auffällige Arten.

Den Abschluss des Vortrages bildete ein kleiner Anhang zu zwei Naturforschern aus Berlin, Rudolfo Amando Philippi und Herman Burmeister, die in Chile tätig waren. Dr. Kühling informierte über ihre Geschichte und das jeweilige Forschungsgebiet.


Der Vortrag endete gegen 21.00 Uhr und ließ keine Fragen offen. Der gesellige Teil des Abends fand anschließend in den Chaussee-Stuben statt .

Uwe Heinig (Schriftführer FG)