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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 10.03.2009

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 13 (+ 3) Mitglieder FG, 10 (+ 3) Mitglieder ORION, 4 Gäste

Thema: Ökologie und Faunistik der Käfer bei Ameisen in Mecklenburg-Vorpommern

Michael Woelky begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden Dr. Andreas Kleeberg. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 10.02.2009 durch Uwe Heinig.


Der Vortrag von Dr. Kleeberg begann mit der Erklärung warum er sich mit Käfern, speziell Kurzflüglern (Staphylinidae) und hier im Besonderen mit Ameisen und ihren Gästen in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Dieses Bundesland, obwohl Urlaubsland auch vieler Entomologen, ist bis auf die Küstenregion nur mäßig erforscht und es besteht im Vergleich zu anderen Bundesländern Nachholbedarf. Köhler/Klausnitzer (1998) verzeichnen nur 718 Arten Kurzflügler, andere Länder bieten weit über 1.000 Arten auf. Es folgte die Gliederung seines Vortrages und die Vorstellung wichtiger Litaraturquellen. So ist für jeden, der sich mit Ameisen beschäftigt das Buch „The Ants" von Hölldobler/Wilson (1990) ein Standardwerk, insgesamt erbrachten Internetrecherchen ca. 14.000 Titel über das Thema, jährlich erscheinen 1.200 Arbeiten neu.

Als Ameisengäste werden 369 Arten aus 31 Käferfamilien angesehen, die Staphyliniden stellen mit ca. 225 Arten den Hauptanteil.

Mittels Grafik wurde der Körperbau einer Ameise detailliert vorgestellt und besonders auf die zahlreichen verschiedenen Drüsen und deren Funktion hingewiesen. Spezielle Begriffe, die sich im Vortrag wiederholten, wurden erläutert, z.B. Trophobiose, Myrmecophilie. Was macht Ameisennester so attraktiv für Käfer? Die Biotopbedingungen werden von den Ameisen auf konstantem Level gehalten, beispielsweise regulieren sie Temperatur und Feuchtigkeit im Nest.

Dr. Kleeberg stellte nun das Bundesland MV etwas genauer vor, zeigte Lage und Fläche, Landschaftszonen und informierte über Einwohnerzahl und Landschaftsnutzung. Jeder kennt wohl die Ostseeküste als Urlaubsregion, das Binnenland ist aber weitgehend unbekannt. Auf Fotos wurden mehrere charakteristische Ameisen-Biotope in den verschiedenen Landschaften von Trockenbiotopen bis zu Mooren vorgestellt und erläutert, wie man Ameisengäste erbeuten kann ohne die Kolonien zu sehr zu stören. Bisher wurden 3.468 Expl. Käfer ausgewertet, 87,2 % zählen zu den Kurzflüglern. 174 Arten aus 19 Familien wurden nachgewiesen, 71,8 % davon Kurzflügler. Darunter finden sich Neu- und Wiederfunde nach 30-50 Jahren sowohl von Käfer- als auch von Ameisenarten. Detailliert ging der Vortragende auf die Frage ein, welche Käfer bei welcher Ameisenart zu finden sind. Es gibt Käferarten, die nur bei einer bestimmten Ameisenart vorkommen, andere findet man bei verschiedenen Ameisenarten. Als Beispiele wurde Lohmechusa paradoxa genannt, der bei Myrmica rubra vorkommt und dort recht gefährlich lebt. Chemische Mimikry verhindert das gefressen werden, der Kurzflügler bietet der Ameise aus einer Beschwichtigungs- bzw. Adoptionsdrüse Sekrete an, die dazu führen, dass er sogar von der Ameise in ihr Nest eingetragen wird. Weiterhin datgestellt wurde das hochinteressante Futterbettelverhalten verschiedener Kurzflüglerarten. Zwischen Ameisen und ihren Gästen laufen vielfach sehr beeindruckende chemische Interaktionen ab, was an weiteren Beispielen erläutert wurde. Eine extreme Anpassung und chemische Mimikry findet man bei Claviger testaceus, der bei Lasius brunneus lebt und Claviger longicornis bei Lasius umbratus. Weitere Ameisenarten und ihre Gäste wurden im Bild vorgestellt, über Verbreitung und Biotopansprüche sowie über Nahrungserwerb informiert. Dabei wurden nicht nur Kurzflügler gezeigt, sondern auch Palpenkäfer (Pselaphidae), Stutzkäfer (Histeridae), Glanzkäfer (Nitidulidae) und Ameisenkäfer (Scydmaenidae).

Zum Abschluss des Vortrages ging Dr. Kleeberg noch auf die Gefährdung von Ameisen-Vorkommen, bedingt durch Biotopveränderungen ein. So sind das Zuwachsen offener Biotope oder das Trockenlegen von Mooren als Hauptgefährdungsursachen zu nennen. Biotopfördernde Maßnahmen sind notwendig! Beispiele wurden vorgestellt.

Im Anschluss an den sehr interessanten Vortrag wurden noch einige Fragen, u.a. zu den Sammeltechniken in Ameisennestern, beantwortet.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.30 Uhr. Das gesellige Beisammensein fand anschließend in der nahe liegenden Gastronomie statt .

Uwe Heinig (Schriftführer FG)