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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 09.06.2009

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 10 (+ 2) Mitglieder FG, 7 (+ 2) Mitglieder ORION, 2 Gäste

Thema: Wanzen und andere besondere Lebewesen im südwestlichen Afrika.

Thomas Ziska begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden Dr. Jürgen Deckert vom Naturkundemuseum. Dann folgte die Verlesung des Protokolls vom 12.05.2009 durch Uwe Heinig. Zum Protokoll merkte Michael Woelky an, dass Euphydryas aurinia jetzt auch im Löcknitztal wieder angesiedelt wurde.


Der Vortrag von Dr. Deckert führte ins südliche Afrika. Virtuell bereist wurde eine Route vom Kap der guten Hoffnung bis zum Kunene, dem nördlichen Grenzfluss Namibias. Gezeigt wurden faszinierende Landschaften, Wanzen, andere Insekten und auch Großtiere. Begonnen wurde im Darwinjahr 2009 mit seinem Zitat zur Dichte gefährlicher Tiere in Südafrika. Einige wurden auf Fotos vorgestellt, so Flusspferd, das die meisten tödlichen Unfälle im südlichen Afrika verursacht, Krokodile, Schlangen und Skorpione.

In Pretoria wurde in den Sammlungen des Transvaal-Museums gearbeitet, dann ging es auf Tour. Die Bilder stammten von diversen Reisen aus mehreren Jahren, in denen das Naturkundemuseum mit örtlichen Partnern forscht. Das Spezialgebiet des Vortragenden sind Wanzen, so war der Vortrag natürlich überwiegend Vertretern dieser Ordnung gewidmet. Begonnen wurde mit der Vorstellung einer Bodenwanze aus der Namib-Wüste, die in der Region und diesem extremen Lebensraum doch etwas ganz Besonderes sein müsste? Irrtum, es handelt sich um eine in ganz Afrika und darüber hinaus weltweit verbreitete, häufige gefundene, Art. Auch so etwas gibt es in Afrika wobei es auch sehr viele Endemiten gibt. In der westlichen Kapprovinz wachsen z.B. 8.500 Pflanzenarten, viele von ihnen nur dort. Auch unter den Vögeln und Insekten findet man viele endemische Arten mit meist kleinen Verbreitungsgebieten, einige wurden als Beispiele auf Fotos vorgestellt. Es folgten sehr verschieden aussehende Raubwanzenarten und eine bizarre Lederwanze, die wie ein welkes Blatt aussieht.

Besucht wurde die Kolonie der Brillenpinguine bei Simonstown, hier leben Mensch und Tier sehr eng beieinander, was häufiger auch zu Komplikationen führt.

Vorgestellt und besprochen wurden Termitenhügel, Schwarzkäferarten und die blühende Karoo in den Frühjahrsmonaten. Karten aus einem Schulatlas Namibias zeigten Flüsse, Trockenflüsse, Regenmengen, Temperaturen und Vegetation auf das Gebiet Namibias bezogen. Im Westen ist das Land sehr trocken, nach Nordosten nimmt der Niederschlag zu, der in den letzten Jahren immer unregelmäßiger fällt. Die Mengen variieren über die Jahre stark. Die Einheimischen Stämme der Himba und San ziehen als Nomaden mit ihren Viehherden dem Grünland hinterher.

Die Nama-Karoo wurde mit ihrer charakteristischen Landschaft gezeigt, hier gibt viele Euphorbien und Köcherbäume, an letzteren lebt eine Wanze der Gattung Aloea aus der Familie Miridae. Auch die berühmte Welwitschia wurde im Bild gezeigt und erklärt, auch an ihr lebt eine Wanzenart.

Spezielle Lebensräume der Tiere im südlichen Afrika sind u.a. Galeriewälder von Flüssen bzw Trockenflüssen, Salzpfannen und im Jahresverlauf wechselnde Überflutungsgebiete. Weitere Karten zeigten Endemismus und Diversität der Tierwelt Namibias. Zuletzt durften natürlich auch die „big five" im Vortrag von Dr. Deckert nicht fehlen, Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard möchte jeder Safari-Tourist gerne sehen. Außerdem gezeigt wurden einige Vogel- und Reptilienarten.

In einem speziellen Anhang zum Vortrag berichtete Dr. Deckert über Netzwanzen Namibias und stellte deren Fundorte vor. Frau Dr. Göllner, zuvor schon beim Sammeln im Bild und er bearbeiten diese Tiere besonders intensiv. Bislang sind 85 Arten bekannt, Informationen über Endemismus folgten. Insgesamt sind aus Namibia ca. 8.000 Insektenarten bekannt, darunter 1.300 Endemiten, die nur in diesem Land vorkommen. Da die Insektenkunde aber nur sehr wenig betrieben wird, gibt es ständig neue Arten. Vermutet wird, dass die wirkliche Artenzahl der Insekten bei bis zu 35.000 liegt.

Die Fragen im Anschluss an den Vortrag betrafen den Zeitraum der Forschung und die Kooperation mit vor Ort ansässigen Institutionen. Seit 1992 werden vom Museum fast jährlich Expeditionen nach Namibia und Südafrika veranstaltet, hinzu kommen private Reisen der Museumsmitarbeiter. Kooperation ist sehr schwierig, da z.B. in Namibia nur 2-3 Entomologen tätig sind und das nicht einmal hauptberuflich. Im gesamten südlichen Afrika gibt es nur einen Wanzen-Spezialisten. Diese Verhältnisse erlauben keine flächendeckende entomologische Forschung und ausländische Hilfe ist dringend notwendig. Allerdings gibt es Probleme bezüglich des Verbleibs der Typen neu beschriebener Arten, die in der Regel nach Afrika zurückgeführt werden müssen. Einige Museen kann man als sichere Aufbewahrungsorte bezeichnen, andere unter den derzeit herrschenden politischen Verhältnissen in manchen Ländern nicht.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.30 Uhr. Das gesellige Beisammensein fand anschließend in der nahe liegenden Gastronomie statt .

Uwe Heinig (Schriftführer FG)