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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.10.2009

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 10 (+ 2) Mitglieder FG, 7 (+ 2) Mitglieder ORION, 3 Gäste

Thema: Cryptocephalinae von Neukaledonien (Coleoptera, Chrysomelidae).

Thomas Ziska begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden Dr. Matthias Schöller. Dann folgte die Verlesung des Protokolls vom 8.09.2009 durch Uwe Heinig.


Der Vortrag von Dr. Schöller zu einem sehr speziell klingenden Thema, das es aber erst später, zum Ende der Ausführungen wurde, begann mit allgemeinen Informationen zur Pazifischen Inselwelt. Östlich von Australien gelegen erstreckt sie sich über etwa 181 Millionen km² und zählt zur zoogeographischen Region Notogaea. Neukaledonien gehört zu Frankreich, ist also europäisches Überseegebiet und umfasst neben der Hauptinsel Grande Terre einige weitere größere Inseln, z.B. Lifou und Maré. Erste Bilder vom Anflug zeigten eine zerklüftete, bergige Landschaft, weitere Bilder stellten charakteristische Lebensräume auf verschiedenen Inseln vor.

Die Anzahl der endemischen Arten ist sehr groß, bedingt u.a. durch Böden, die Nickel enthalten. Dieses Erz wird auch im Tagebau gewonnen, wodurch weite Landschaften zerstört werden. Die Küstenregion ähnelt der Australiens, im Hochland wachsen jedoch zahlreiche Araukarien-Arten. Vor der Küste findet man phantastische Unterwasserwelten. Die ursprüngliche Bevölkerung waren ab ca. 2000 v. Chr. Kanaken. 1774 kam James Cook nach Neukaledonien.

Im Folgenden stellte der Vortragende die Ufam. Cryptocephalinae aus der Fam. Chrysomelidae (Blattkäfer) vor und informierte insbesondere über die Ökologie der Fam. Alle Teile von Pflanzen werden zur Entwicklung verschiedener Blattkäferarten genutzt, was mittels einer Grafik verdeutlicht wurde. Die Ufam. Cryptocephalinae stellt eine Besonderheit dar, ihre Larven entwickeln sich phytosaprophag, das heißt sie leben in der Laubstreu und fressen trockene Pflanzensubstanz. Ein Foto zeigte eine Cryptocephalus-Larve in ihrem Köcher, der ursprünglich auch Eihülle war.

Ein kurzer Exkurs machte mit der Geschichte der Entomologie bezogen auf die Ufam. in Neukaledonien bekannt. Der Geistliche Montrouzier beschrieb 1861 erste Cryptocephalinae-Arten. Weiter arbeiteten Chapuis, Baly, Sharp und Fauvel über die Region, insgesamt waren neun Arten beschrieben. Dann gab es über 100 Jahre keine neuen Forschungen bzw. Erkenntnisse. Dr. Schöller machte Anmerkungen zu nomenklatorischen Änderungen und heue gültigen Namen. Anfang der 1990er Jahre begannen neue Aufsammlungen, die etwa 150 Individuen erbrachten. Zum Vergleich: Fauvels Publikation 1907 lagen gerade einmal 20 Ex. zugrunde. Auf Besonderheiten von Scaphodius striaticollis wurde hingewiesen, Verbreitungskarte und Genitalabbildungen gezeigt.

Der Vortragende revidierte in den letzten Jahren die Cryptocephalinae Neukaledoniens, beschrieb neue Arten, stellte Synonymien auf und stellte einige Arten in andere Gattungen. Aktuell kennt man nun 20 Arten der Ufam. Es folgten Fotos der einzelnen Arten ergänzt durch die jeweilige Verbreitungskarte. Ein Neuankömmling aus Mittelamerika ist Diachus auratus, der im Ursprungsgebiet schädlich an Kulturpflanzen ist. Ob die Art auch in Neukaledonien Schäden verursacht bleibt abzuwarten. Grafische Übersichten stellten Artenzahlen, Verwandschaftsverhältnisse und Verbreitung der Cryptocephalinae von Neu Guinea, den Salomonen, Neukaledonien, Fiji, Samoa, Mikronesien und Ostpoynesien vor. Von West nach Ost ist bei anderen Ufam. der Blattkäfer eine Abnahme der Artenzahl zu verzeichnen, nicht so bei den Cryptocephalinen.

Zum Ende des Vortrages gab es Schlussfolgerungen und eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Fragen kamen von Thomas Ziska zum Verbleib der Holotypen neu beschriebener Arten: Antwort: Sie befinden sich auf Wunsch der Wissenschaftler Neukaledoniens im Pariser Museum. Bernd Krüger fragte wie gut Neukaledonien bzw. angrenzende Gebiete untersucht sind: Antwort: Teils gut untersuchten Gebieten wie Neu Guinea und Samoa stehen Gebiete wie Australien gegenüber, wo es noch Nachholbedarf gibt. Stephan Gottwald fragte nach dem Verbreitungsareal von Araukarien.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.15 Uhr. Das gesellige Beisammensein fand anschließend in der nahe liegenden Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)