zurück zum Programm-Archiv
Banner

PROTOKOLL der Sitzung des ORION vom 27.10.2009

Anwesend sind 12 Mitglieder.


Jens Esser eröffnet um 19 Uhr die Sitzung. Es folgt eine kurze allgemeine Aussprache.

Bernd Schulze berichtet im ersten Beitrag vom Fund einer Jung - Raupe von Papilio machaon auf dem Blatt einer kleinen schwächlichen Citrus - Pflanze am 24.7.2009.

Der Fundort liegt auf der Haus-Südseite zwischen weiteren gut entwickelten Citrus - Kübel-Pflanzen. Das Gelände in Berlin-Gatow ist durch reichlich Falter - Futterpflanzen (Phlox) gekennzeichnet, es ist aber als sogen. Parklandschaft kein typisches machaon - Fluggebiet.

Die Entwicklung der Raupe kann bis zu ihrem Verschwinden am 13.08.2009 beobachtet werden . Sie ist zu dem Zeitpunkt erst etwa einviertelgroß. Bemerkenswert ist : die Raupe sitzt bei Kontrollen am Tage in Ruhestellung auf der Mittelrippe der Blattoberseite wie es andere Papilioniden – Raupen-Arten auch tun. Dabei nagt sie diese an. Außerdem sind zunehmend reichlich Fraßspuren am distalen Blattrand vorhanden.

Es wird auf weitere Schwalbenschwanz - Futterpflanzen eingegangen, die für Mittel-Europa aber nur im Ausnahmefall in Betracht kommen und wie Citrus zu den Rautengewächsen gehören. Sie sind reich an ätherischen Ölen : Diptam (Dictamnus albus) und Weinraute (Ruta graveolens). Die Pflanzen sind am Raupenfundort ebenfalls vorhanden, aber ohne jegliche Fraßspuren gewesen.

Die Ausführungen werden durch Lichtbilder ergänzt.

Der zweite Beitrag behandelt Zuchtbeobachtungen zur Sommerruhe bzw. zweimaligen Überwinterung der Grünspanner Thalera fimbrialis (Magerrasen-Grünspanner) und Hemistola chrysoprasaria (Waldreben-Grünspanner) : Die Raupen beider Arten überwintern 2008/2009 fast erwachsen fest sitzend auf Stängeln in Streckhaltung und sind auch bei Reiz fast bewegungslos. Sie sind der Umgebung angepasst schmutzig braun verfärbt.

Während im Frühjahr die meisten Raupen wieder fressen, typisch grün werden und sich zu Faltern entwickeln, überdauern von beiden Arten einige den ganzen Sommer 2009 mit unverändertem Überwinterungsverhalten und Aussehen ohne erkennbare Futteraufnahme. Während von Thalera fimbrialis die Zucht durch Haltungsfehler (zu trocken) kurz zuvor kippte, sind von chrysoprasaria einige Raupen für die zweite Überwinterung vorhanden.

Das Verhalten ist offenbar weitgehend unbekannt, wird aber bei Ebert „Schmetterlinge Baden-Württembergs" für chrysoprasaria kurz erwähnt (bei Eisenberg 1953).

Auch dieser Beitrag wird durch Lichtbilder ergänzt.

Es schließt sich eine lebhafte Diskussion überwiegend über Verhalten und mögliche Überlebensstrategien während der Vegetationsperiode der rel. kleinen Raupen an.


Die Sitzung endet gegen 20 Uhr 15.

Bernd Schulze