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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 10.11.2009

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 10 (+ 4) Mitglieder FG, 9 (+ 4) Mitglieder ORION, 5 Gäste

Thema: Forschung in Süd-Afrika: Das BIOTA-Projekt.

Michael Woelky eröffnete den Abend und begrüßte besonders den Vortragenden Dr. Wofram Mey vom Naturkundemuseum. Anschließend verwies er auf einen Beitrag im letzten Heft der „Entomologischen Nachrichten und Berichte" (Bd. 53, Heft 2, S. 139-141) in dem Manfred Gerstberger anlässlich seines 65. Geburtstages gewürdigt wird. Michael Woelky dankte dem Jubilar für sein Engagement im Orion und in der Berliner Entomologie.

Manfred Gerstberger informierte, dass der Sandberg des Pimpinellenberges vom NABU Brandenburg gekauft wurde und somit vor Zerstörung geschützt ist. Eine großzügige Spende hierzu kam von Orion-Mitglied Prof. Klaus-Werner Wenzel. Es folgte eine kurze Beschreibung des Biotops sowie ein Exkurs durch die Geschichte des Geländes von früheren Zeiten bis heute. Nähere Informationen sind der Startseitepage www.nabu-barnim.de zu entnehmen.

Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 13.10.2009 durch Uwe Heinig.


Der Vortrag von Dr. Wolfram Mey informierte über die Beteiligung des Naturkundemuseums am BIOTA-Projekt im südlichen Afrika in den Jahren 2007-2010. Das Projekt wurde von höchster Stelle, u.a. vom Bundesforschungsministerium initiiert, das die Zuständigkeit für Südafrika an die Uni in Hamburg vergab. Diese band aufgrund der langjährigen Erfahrung in der Afrika-Forschung das Berliner Naturkundemuseum mit ein.

BIOTA bedeutet Biodiversity Transect Analysis. Das Projekt wurde 2001 gestartet, nach drei Jahren pausierte die Mitarbeit des Naturkundemuseums und seit 2007 ist man wieder aktiv beteiligt. Das Transect erstreckt sich von Kapstadt bis nahe der Angolanischen Grenze in Namibia und umfasst Bio-Observatorien von 1 km² Größe, die im Verlauf der Jahre zu verschiedenen Jahreszeiten immer wieder aufgesucht wurden. Eine Karte verdeutlichte die Lage und enorme Ausdehnung. Die Museums-Mitarbeiter befassten sich entsprechend ihrer Spezialisierung mit Schmetterlingen, Wanzen, Köcherfliegen sowie Blattwespen.

Erste Fotos zeigten ein Bio-Observatorium auf der Kap-Halbinsel, das öfter aufgesucht wurde. Dazu gab der Vortragende Informationen zu Flora und Fauna des Gebietes sowie zum landschaftlichen Charakter. Der Schwerpunkt der Forschungen lag in Namibia auf dem West-Ost Transekt von der Atlantikküste bis nach Windhoek, wo sechs verschiedene Biotope von der trockenen Namib-Wüste bis zur feuchten Savanne bearbeitet wurden. Diese wurden im Foto vorgestellt und die bevorzugten Sammeltechniken gezeigt. Lichtfang sowie der Einsatz von automatischen Lichtfallen spielten eine große Rolle. Zur Vergleichbarkeit der Ergebnisse aus den verschiedenen Biotopen und Jahren war es sehr wichtig, immer dieselbe Methodik anzuwenden, auch was das Auszählen der Fänge betraf. An manchen Abenden wurden 5.000 Tiere erbeutet, andere brachten nur wenige Exemplare. Es folgten Übersichten über die nachgewiesenen Schmetterlingsfamilien, Arten- und Exemplarzahlen. Grafiken zeigten statistische Auswertungen in Bezug auf die Biodiversität der verschiedenen Gebiete. Auffällig war, dass die Mehrzahl der Arten in nur einem oder wenigen Exemplaren gefunden wurden, nur wenige Arten waren häufig.

Ziel der Mitarbeiter vom Naturkundemuseum ist es, in den kommenden Jahren Bestimmungsbücher, so genannte Field Guides ihrer Insektengruppen herauszubringen. Dazu ist eine intensive Vorarbeit zu leisten, neue Arten müssen beschrieben und taxonomische bzw. nomenklatorische Fragen geklärt werden. Eine Liste zeigte seit 2004 neu beschriebene Arten, dazu wurden einige im Bild vorgestellt und die Verbreitung erläutert.

Der zweite Teil des Vortrages befasste sich mit der Erforschung von Köcherfliegen, der zweiten Ordnung, mit der sich Dr. Mey beschäftigt. Während der langen Fahrten wurde an Flüssen immer die Gelegenheit genutzt, auch diese Tiere zu suchen. Als Beispiel wurden Orange River und Fish River gezeigt, beeindruckende, zerklüftete Landschaften, auch der Zuflüsse aus dem Naukluftgebirge. Das Gebiet der Karoo repräsentiert die höchste Dichte an Sukkulenten-Arten weltweit, in Bezug auf Insekten ist es aber sehr arm an Arten. Es gibt dort allerdings viele Endemiten. Zwei Lichtfang-Nächte erbrachten am Orange gerade einmal vier Köcherfliegen-Arten, dieselben Arten waren auch vor 15 Jahren bereits dort nachgewiesen worden.

Beschrieben wurden die unregelmäßig auftretenden Hochwasser und ihre Folgen. Die gesamte Flusslandschaft wird verändert und so ist die Anpassung der Insekten an solche Bedingungen sehr schwierig. Das könnte eine Erklärung für die arme Fauna in den großen Flüssen sein. Seit Beginn des BIOTA-Projektes wurden insgesamt nur 14 Köcherfliegen-Arten nachgewiesen. Einige der Tiere, die manchmal Kleinschmetterlingen sehr ähneln, wurden im Bild gezeigt.

Nicht überall herrscht solch eine Artenarmut: in den Cederbergen nördlich von Kapstadt wurden im Bereich des Rondegat-Flusses über 40 Arten Köcherfliegen gefunden, darunter 12 neu zu beschreibende.

Fragen im Anschluss an den interessanten Vortrag kamen von Bernd Krüger, der wissen wollte, welchen Nutzen das BIOTA-Projekt hat und Michael Woelky, der fragte, ob alle Exemplare auch bei Massenanflügen eingesammelt und ausgewertet wurden. Antworten: Ziel des Projektes ist die Grundlagenforschung um künftig das Verständnis im Verhalten zur Natur zu ändern. Ja, es werden alle Exemplare ausgezählt und aufgelistet, diejenigen Arten, die vor Ort zweifelsfrei zu identifizieren sind, müssen natürlich nicht mitgenommen werden.

Matthias Hartung ergänzte noch den Punkt der Hochwasser-Folgen auf Insekten und beschrieb seine Beobachtungen an Libellen in den Jahren vor und nach dem großen Oder-Hochwasser.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.30 Uhr. Das gesellige Beisammensein fand anschließend in der nahe liegenden Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)