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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 08.12.2009

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 10 (+ 2) Mitglieder FG, 9 (+ 2) Mitglieder ORION, 4 Gäste

Thema: Libellen (Odonata): Jäger auf gläsernen Schwingen.

Thomas Ziska eröffnete den Abend, es folgte die Verlesung des Protokolls vom 10.11.2009 durch Uwe Heinig.


Sebastian Sczepanski, Berufsfotograf, gestaltete seinen Vortrag mit wenig Text, dafür umso mehr eindrucksvollen Bildern. Einer kurzen Einführung in die Ordnung Libellen folgten Ausführungen zur Bedeutung Brandenburger Regionen für die Libellenfauna sowie detaillierte Angaben zu ausgewählten Arten.

Auf einer Grafik wurde der Entwicklungszyklus von Libellen vorgestellt, Bilder der Herbst-Mosaikjungfer bei der Eiablage sowie die Larvenhaut, die nach dem Schlupf übrig bleibt, gezeigt. Ebenso ein Sammlungskasten mit Exuvien, viele Arten sind an diesen zu bestimmen. Die Augen der Libellen bestehen aus 7.000 bis 30.000 einzelnen Facetten, sie können damit hervorragend sehen. Makrofotos zeigten entsprechende Porträts. Unterschiede zwischen Groß- und Kleinlibellen wurden erläutert sowie zwischen Männchen und Weibchen.

Weltweit sind etwa 5.700 Libellenarten bekannt, in Europa leben 120 Arten, davon in Deutschland 81, in Brandenburg 66 und in Berlin 58 Arten. 30 der Berliner Libellenarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere, einige gelten als ausgestorben bzw. verschollen. Beispiele sind u.a. die Große Pechlibelle, Becherjungfer und Hufeisen-Azurjungfer.

Besondere Bedeutung für Libellen besitzen Biotope in der Uckermark, hier gibt es viele Seen, aber auch in Süd-Brandenburg mit der Tagebaufolgelandschaft gibt es bedeutende Libellenvorkommen. An Feldsöllen in der Uckermark findet man z.B. die Südliche Mosaikjungfer und die Südliche Binsenjungfer, in Süd-Brandenburg, den Kleinen Blaupfeil und die Sumpf-Heidelibelle. Gezeigt wurde auch ein prächtig rotes Männchen der Gebänderten Heidelibelle von der Dahme. Auf der Foto-Wunschliste des Vortragenden stehen z.B. die Große Mosaikjungfer, eine FFH-Art, die Pokaljungfer, die in Südost-Brandenburg isolierte Vorkommen hat und die Feuerlibelle, deren Erstnachweis für Deutschland um 1900 in Brandenburg erfolgte. Anschließend wurde sie nicht mehr gesehen und jetzt kennt man über 100 Fundorte. Sie ist ein Einwanderer aus Südosten und ihr vermehrtes Auftreten könnte als Indiz für die Klimaänderung herhalten. Die Zwerglibelle ist in Brandenburg eine Rarität, steht in Kategorie 1 der Roten Liste. 90 % der Vorkommen in Deutschland finden sich im Alpenvorland, wenige in Norddeutschland und nur vier in Brandenburg. Der Zweifleck hat große Bestände im Südwesten Deutschlands, aber auch in Brandenburg über 100 Fundpunkte. Von dieser Art gelang eine beeindruckende Serie Fotos vom Schlupf aus der Larvenhaut. Weitere hervorragende Fotos zeigten noch mehr FFH-Arten.

Zum Abschluss des Vortrages stellte Sebastian Sczepanski Bücher zur Libellenfauna von Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen vor. Frage ist, ob auch für Brandenburg mit seinen wichtigen Verbreitungsgebieten einmal solch ein Atlas erscheinen wird. Derzeit gibt es zwar ca. 100.000 Fundnachweise, diese stehen aber nur als Notizen zur Verfügung und nicht als Datenbank als Basis für die Anfertigung von Verbreitungskarten. Im Internet findet man allerdings unter www.libellen-verbreitungsatlas.de entsprechende Informationen. Präsentiert wurden zur Ansicht auch diverse Exuvien mehrerer Arten.

Fragen und Anmerkungen kamen im Anschluss von Matthias Hartung, der selbst Libellen-Experte ist.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.15 Uhr. Das gesellige Beisammensein fand anschließend in der nahe liegenden Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)