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PROTOKOLL der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 12.01.2010

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 5 (+ 6) Mitglieder FG, 9 (+ 6) Mitglieder ORION, 14 Gäste

Thema: Entomologische Streifzüge in Kirgisistan.

Michael Woelky eröffnete den Abend, wünschte allen Anwesenden ein gutes neues Jahr und begrüßte besonders den Vortragenden, Dr. Joachim Ziegler, vom Naturkundemuseum. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 8.12.2009 durch Uwe Heinig.


Dr. Joachim Ziegler berichtete von der naturwissenschaftlichen Expedition nach Kirgisistan im Jahr 2009, zeigte dazu Fotos, die auch von anderen Reiseteilnehmern stammten, denen er für die Überlassung dankte. In den Vorjahren war er mehrfach im Iran unterwegs, wo er Fliegen sammelte. Aus seinem Spezialgebiet Raupenfliegen kam viel interessantes Material zusammen so dass nun auch die östlich gelegenen Gebiete in Mittelasien reizvoll erschienen. Initiiert wurde die Reise durch Prof. Müller-Motzfeld von der Uni Greifswald, der Kirgisistan bereits seit mehreren Jahren besuchte. Die Forschungen werden auch 2010/11 fortgesetzt. Teilnehmer waren neben Greifswaldern u.a. auch Entomologen aus Berlin, Müncheberg und Stuttgart. Ein Gruppenfoto zeigte alle Expeditionsteilnehmer.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Instituts für Biologie und Bodenkunde Bischkek (AdWK), der Hauptstadt des Landes, ging es in das Tienschan-Gebirge. Auf Karten wurde die Lage Kirgisistans gezeigt, weiterhin die Route der Expedition. Einige Daten zu dem recht armen Land folgten: Auf einer Fläche von fast 200.000 km² leben ca. 5 Millionen Einwohner. Angaben über Staatsform, Religion, Klimazonen und Niederschlagsmengen ergänzten die Informationen. Kirgisistan bedeutet übrigens „Land der Kirgisen", diese Schreibweise ist die korrekte/sinnvollste, es gibt aber auch die Form Kirgistan und von früher Kirgisien.

Beschrieben wurde zunächst die Flugverbindung mit der „guten alten" Aeroflot, dann folgten Fotos aus der Hauptstadt, verbunden mit dem Erlebnisbericht der Erlangung von notwendigen Genehmigungen sowie späterer Kontrollen im Gelände und im Weiteren Impressionen von den ersten Zeltlagern. Leider war das Wetter während der gesamten Reise ungünstig, es war kalt und jeden Tag gab es Regen, Gewitter oder Sturm. Keine guten Voraussetzungen für entomologische Feldarbeit! Die Fotos zeigten weitläufige Steppen-Landschaften, meist Weideflächen mit kurz gefressener Vegetation. Hier soll es Insekten geben? Es gab sogar dort welche, bessere Sammelplätze, z.B. für Laufkäfer, waren allerdings Gewässer mit Schotterbänken oder vegetationsreichere Biotope mit vielfältig blühenden Pflanzen, Gebüsch oder Wald. „Nebenbei" boten sich überwältigende Blicke auf eine grandiose Bergwelt, die Sammelplätze lagen in bis zu 4.000 m Höhe. Auf sehr schönen Fotos vorgestellt wurden diverse Pflanzen, z.T. mit Insektenbesuch, mehrere Vertreter der Fliegen, darunter auch bisher unbekannte Arten, aber auch dort vorkommende Säugetiere wie Füchse, Murmeltiere und domestizierte Haustiere. Gezeigt wurden auch immer wieder Camps und Sammelimpressionen, dazu wurde von den Sammelbedingungen berichtet, der Bembidien-Suche von Prof. Müller-Motzfeld und der Suche nach Mückenlarven durch Dr. Doreen Werner in 4° kaltem Wasser. Nachts gab es regelmäßig Frost, bis -9° wurden vom Vortragenden in seinem Zelt gemessen. Außerdem erwischte alle Teilnehmer früher oder später ein sehr unangenehmes Magen-Darm-Problem. Trotz aller Widrigkeiten war die Reise erfolgreich, es wurden relativ wenige Fliegen-Ex. gesammelt, dafür aber sehr interessante Arten. Aus der Gattung Germaria liegen mehrere neue Arten vor. Dr. Ziegler präsentierte Makroaufnahmen, Stammbäume und Verbreitungsgebiete. Ein weiteres Insekt beendete den Vortrag: Ein Ölkäfer der Gattung Mylabris in einer Geranium-Blüte.

Anzumerken ist noch, dass die Reise auch einen sehr traurigen Aspekt hatte: Prof. Müller-Motzfeld, der während der Expedition Geburtstag feierte, verstarb wenige Tage später. Trauer und Schock saßen tief, nach längerer Beratung wurde die Reise aber fortgesetzt.

Im Anschluss an den von Dr. Ziegler wie gewohnt mit viel Humor gehaltenen Vortrag fragte Dr. Funk nach der zurückgelegten Strecke: Es waren zwischen 1.500 und 2.000 km.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.15 Uhr. Das gesellige Beisammensein fand anschließend in der nahe liegenden Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)