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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.04.2010

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 9 (+ 3) Mitglieder FG, 12 (+ 3) Mitglieder ORION, 4 Gäste

Thema: Leptidea sinapis (L.) und Leptidea reali Reissinger in Deutschland.


Michael Woelky eröffnete den Abend und gratulierte Manfred Gerstberger nachträglich zu seinem 66. Geburtstag, den er gestern feiern konnte. Manfred Gerstberger verlas anschließend das Protokoll seines Vortrages am 9.03.

Dr. Oliver Schmitz hielt seinen vom März verschobenen Vortrag über die beiden „Schwester-Arten" Leptidea sinapis und Leptidea reali. Bereits vor drei Jahren berichtete er an gleicher Stelle über die Problematik dieser beiden Schmetterlingsarten, einige Fragen sind seitdem immer noch offen, andere konnten geklärt werden. Nun wurden die neuen Aspekte präsentiert.

Die Existenz der beiden Arten ist inzwischen in Expertenkreisen weitgehend akzeptiert. Im Vortrag wurden u.a. Artdiagnose, Taxonomie, Verbreitung (historisch/heute) und Ausblick besprochen.

Imagines unterscheiden sich in Form und Färbung des Apikalflecks der Vorderflügel und der Farbe der Hinterflügel-Unterseite. Eine eindeutige Zuordnung ist oft aber nicht möglich, nur die Genitaluntersuchung bringt in beiden Geschlechtern Gewissheit, wie Fotos belegten. Im Puppenstadium sind beide Arten recht gut über die Färbung der angelegten Fühler zu unterscheiden, wie Untersuchungen aus Schweden belegten. Es folgten Literaturhinweise zum Thema Artstatus/Taxonomie im Verlaufe der Zeit.

Beide Arten sind paläarktisch verbreitet, wie auf Karten gezeigt wurde, Leptidea reali mehr in der Westpaläarktis. Klare Unterschiede in der Verbreitung innerhalb Europas sind bei großer Datenfülle nicht zu erkennen. Gezeigt wurden hierzu Verbreitungskarten verschiedener Länder. Besprochen wurde anhand der Nachweise auch das zeitliche Vorkommen beider Arten.

Der Vortragende hat bisher knapp 3.500 Ex. Leptidea aus Museums- und Privatsammlungen untersucht, knapp 3.000 Ex. darunter stammten aus Deutschland. Aufgelistet wurden die Nachweise bezogen auf die Bundesländer, es folgten Verbreitungskarten und Biotopfotos. Für Berlin-Branden-burg wurde die Verbreitung auf Landkreise aufgeschlüsselt, wobei ein Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen ist: reali ist im Norden und sinapis im Süden dominierende Art.

Abschließend dankte Dr. Schmitz besonders seiner Frau, die viele Genitalpräparate für seine Untersuchungen angefertigt hat

Fragen im Anschluss an den interessanten und mit vielen Daten gespickten Vortrag kamen von Michael Woelky, Sebastian Sczepanski, Bernd Kalipke und Werner Renner. Es ging um die Futterpflanzen und die Frage, ob die Raupen beider Arten zu unterscheiden sind. Präferenzen bezüglich Entwicklungspflanzen sind umstritten, die Raupen nicht zu trennen. Ebenso können die Generationen nicht voneinander getrennt werden.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.30 Uhr. Das gesellige Beisammensein fand anschließend in der nahe liegenden Gastronomie statt .

Uwe Heinig (Schriftführer FG)