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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 08.06.2010

Vorsitz: Michael Woelky

Anwesend: FG : 5, ORION : 9, Gäste : 5 Summe: 19 Teilnehmer

Thema: Michael Woelky u.a.: Entomofauna der Oderberge Pimpinellenberg und Teufelsberg am Oderberger See


Einleitend gab Michael Woelky einen Überblick über Publikationen zur Insektenfauna der Gebiete am Oderberger See. Er wies dabei insbesondere auf die Arbeiten von F. Zumpt aus dem Jahre 1931 zur Käferfauna und A. Richert aus den Jahren 1993 und 1994 zur Großschmetterlingsfauna hin. In beiden Arbeiten wird auf den besonderen Wert des Gebietes für die Entomofauna hingewiesen. Es werden viele thermophile und südeuropäische Arten aufgezählt, die hier ihren nördlichsten Verbreitungsstandort erreichen. Bei den Großschmetterlingen trifft das auf auf mehrere Tagfalter- und Widderchen- Arten zu. Diese thermophilen Offenlandarten sind erst weiter südlich in Deutschland auf entsprechenden Xerothermgebieten wieder nachgewiesen.
Manfred Gerstberger wies auf das erst seit 1986 und auch aktuell 2010 für Deutschland einmalig hier nachgewiesene Vorkommen der pontisch-pannonischen Wicklerart Cydia larseni hin, die in Europa erst wieder in Tschechien und der Slowakei aktuell nachgewiesen ist. Historische Funde sind aus Ungarn, den Südalpen (Bozen) und Kleinasien belegt. Die Art gilt als sehr selten und war hier auf beiden Bergen recht häufig.

Von besonderem Interesse für die zukünftige Nutzung und Pflege der Gebiete ist die Tatsache, dass der Kernbereich des Pimpinellenberges (der sogen. Sandberg) vom NABU Brandenburg käuflich erworben werden konnte. Der Kauf war insbesondere durch eine großzügige Spende des ORION- Mitgliedes Prof. Dr. Werner Wenzel möglich, der damit insbesondere die spezielle Tagfalterfauna in ihrem Bestand erhalten will! Weitere aktuelle Nutzer des Pimpinellenberges sind eine Landwirtin mit einer Galloway- Rinder- Weide am Fuße des Berges und der Leiter des nahegelegenen Naturfreundehauses. Für die Erarbeitung eines zukünftigen Pflegekonzepts für den Pimpinellenberg arbeiten die Verwaltung des Biosphärenreserwates Schorfheide-Chorin und der NABU Barnim zusammen. Der Teufelsberg befindet sich in Privatbesitz und wird zurzeit. nicht - wie in früheren Jahren üblich - durch Mahd gepflegt.

Manfred Gerstberger erläuterte anhand von Fotos den landschaftlichen Zustand des Pimpinellenberges zum Zeitpunkt einer Begehung im Mai 2010. Der obere, südexponierte Bereich des Sandberges war durch Mahd extrem kurzgeschoren, teilweise sogar kahl / vegetationslos. Verschwärzte Stellen deuteten darauf hin, dass das Mahdgut an Ort und Stelle verbrannt worden ist. Die Hangbereiche des Sandberges wiesen noch kurzgeschnittene Vegetation auf. Der Buschrand bergaufwärts war stellenweise dezimiert, um für neuerrichtete Besucherbänke Platz zu machen. Die Galloway- Weide war mit wenigen Tieren besetzt, die Vegetation kurz gehalten.

Da in Zukunft das landschaftliche Offenhalten des Pimpinellenberges durch Beweidung mit Schafen und Rindern erreicht werden soll, wurden auf dem Sandberg diverse Zaunanlagen installiert. Manfred Gerstberger mahnte aus Sicht der Entomologie folgende Ergebnisse der zukünftigen Nutzung an: Ruhezonen mit ausgewachsenen Wildkräutern als Raupenfutterpflanzen und Gelegenheit der Puppenruhe und sogar Überwinterungsstandort. Futtersuchende Blütenbesucher unter den Insekten benötigen möglichst lange einen geeigneten Blütenhorizont. Ein erreichbarer Zustand wohl nur durch extensive, örtlich und zeitlich wechselnde Beweidung und seltenere Nutzung von Randbereichen. Als lukrativ für den hier vorkommenden Wickler Cydia larseni hat sich das Vorkommen von Weißdornbüschen in den Buschrandzonen und kleinen, einzeln stehenden Weißdornbäumchen auf den Freiflächen erwiesen.

Als Ergebnis der anschließenden Diskussion bleibt festzustellen, dass das Gebiet für die thermophile Entomofauna durch entsprechende Pflege offengehalten werden muss, da sonst Verbuschung und sogar Bewaldung den Wert mindern würden. Die Hoffnung blieb, dass auch der Teufelsberg durch entsprechende Pflege (evtl. Mahd) als Xerothermstandort für die Fauna erhalten werden kann.

Manfred Gerstberger