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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 12.10.2010

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 8 (+ 5) Mitglieder FG, 11 (+ 5) Mitglieder ORION, 5 Gäste

Thema: Insekten im Regenwald von Ostaustralien und Borneo.


Thomas Ziska begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden, Dr. Jürgen Deckert aus dem Naturkundemuseum. Dann informierte er über Pläne, das Leipziger Naturkundemuseum zu schließen und den aufkommenden Protest dagegen. Eine Unterschriftenaktion wurde gestartet und eine entsprechende Liste herumgegeben.

Das Protokoll der Sitzung vom 14.09. wurde von Uwe Heinig verlesen.

In seinem Vortrag berichtete Dr. Deckert über zwei Reisen, die er 2005 mit seiner Familie nach Ostaustralien und ein Jahr später mit Dr. Wolfram Mey nach Borneo unternahm. Eine Karte zeigte die Lage der Regenwälder auf der Erde, weitere die besuchten Regionen und Reiserouten.

90 % der terrestrisch lebenden Arten leben im Regenwald, nur 10 % in anderen terrestrischen Biotopen, dabei umfasst der Regenwald nur 7 % der Gesamtfläche der Erde!

In Ostaustralien wurde die Küstenregion der Provinz Queensland bereist. Angaben zu Fläche und Einwohnerzahl verdeutlichten die ungeheuren Ausmaße. Bilder zeigten Landschaft und riesige Zuckerrohr- bzw. Bananenplantagen, die Primärregenwälder erstrecken sich über nur noch 9.000 km². Das Baden im Urlaub birgt einige Gefahren: An der Küste gibt es Salzwasserkrokodile und nesselnde Quallen, in Binnengewässern giftige Fische. Gesehen und fotografiert wurde u.a. ein Helmkasuar mit seinem Jungen, ausgesprochen seltene und scheue Vögel. Weiter wurden in einem NP Schnabeltiere und vielfach Papageien beobachtet. Vielfach spielt sich das Leben in den Kronen der riesigen Bäume ab, was die Beobachtung erschwert oder unmöglich macht, es gibt aber Beobachtungsplattformen, Wipfel-Pfade und Kräne zum Erreichen dieses Lebensraumes inmitten üppiger Vegetation. Insekten sind natürlich auch sehr häufig, man darf außerhalb der NP sammeln, das Material aber nicht ausführen. Dieses Problem wurde vom Vortragenden mittels eines Kollegen vor Ort und Postversand gelöst. Als Experte für Wanzen zeigten die ersten Insektenfotos Vertreter dieser Ordnung: Eine Bodenwanze, die auf Feigenbäumen lebt, nicht am Boden, Lygaeiden und weitere. Eine bemerkenswerte Wanzenart fiel durch Brutpflege auf, sie bewachen die Eigelege auf den Blättern. In den Regenwäldern der gemäßigten Zone um Brisbane, die besonders interessant für Wanzen waren, war Dr. Deckert mit örtlichen Kollegen auf Exkursion. Vorgestellt wurde eine Rindenwanze, die Krötenwanze und als Besonderheit eine Mooswanze. Letztere, so ergaben Untersuchungen am Naturkundemuseum, kommunizieren mittels Substratschall untereinander. Sie trampeln sozusagen, hörbar für Artgenossen, auf der Erde herum.

Im zweiten Teil des Vortrages machte Dr. Deckert mit Borneo bekannt. 2006 hielt sich die Gruppe u.a. eine Woche am Mt. Kinabalu in der Provinz Sabah/Malaysia auf, im Weiteren noch an anderen Orten. Etwa 220 Säugetierarten, darunter 40 endemische, gibt es auf Borneo. Bizarr anzusehende Laternenträger wurden gezeigt sowie weitere Zikaden. Regelmäßig wurden Lichtfänge durchgeführt, die leider wenige Wanzen, nur einige Käfer, aber 1000de Schmetterlinge anlockten. Einige Falterarten wurden detailliert vorgestellt. In kleinen Wasserläufen fanden sich Wasserläufer und Köcherfliegen, letztere sind das Spezialgebiet von Dr. Mey.

Weitere Fotos stellten z.T. bizarre und farbenprächtige Insekten vor: eine Buckelzirpe, eine Grille, diverse Wanzenarten, mit 3 cm Länge die größten Ameisen, Weberameisen und unter ihnen in Mimikry lebende Wanzenlarven sowie 20 cm große Zikaden. Zu letzteren wurde eine Tonaufnahme des ohrenbetäubenden Geräusches vorgeführt, das sie veranstalten. Gezeigt wurden auch einige der ca. 300 Gespenstschrecken-Arten der Region, darunter die größte Insektenart der Welt, eine Stabschrecke mit 56 cm Körperlänge.

Im Zusammenhang mit Berichten über die Verpflegung zeigte der Vortragende zum Schluss einige Impressionen von vielfältigen Obst- und Gemüsemärkten. Zur Vorsicht ist geraten, denn es werden viel Dünger und noch mehr Pestizide eingesetzt.

Der Regenwald wird immer mehr zurückgedrängt. Rodungen zum Anbau von Ölpalmen zur Erzeugung so genannten Bio-Treibstoffes zerstören große Flächen des einzigartigen Lebensraumes. Ob dann von „Bio" gesprochen werden kann ist wohl mehr als fraglich.

Hierzu kam eine Ergänzung von Dr. Matthias Hartung, der über die intensive Werbung für Holz-Pellett-Heizungen schimpfte. Die zur Produktion der Pelletts eingesetzte Energie, sowie schon jetzt fehlenden Holz-Kapazitäten und damit verbundenen Importe und Transporte berechtigen nicht zur Klassifizierung dieser Heizungen als umweltfreundlich!


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.30 Uhr. Das gesellige Beisammensein fand anschließend in der nahe liegenden Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)