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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 09.11.2010

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 7 (+ 4) Mitglieder FG, 15 (+ 4) Mitglieder ORION, 25 Gäste

Thema: NSG Grünes Band (ehemalige Zonengrenze) und dort überlebende Tagfalter (Lepidoptera).

Michael Woelky eröffnete den Abend und begrüßte die zahlreich erschienenen Anwesenden. Eine Ankündigung im „Tagesspiegel" und die Werbetrommel des Vortragenden, Prof. Klaus Werner Wenzel bescherten einen Rekordbesuch, es haben sich längst nicht alle in die Anwesenheitsliste eingetragen (anwesend waren ca. 60 Personen).

Das Protokoll der Sitzung vom 12.10. wurde von Uwe Heinig verlesen.


Orion-Mitglied Prof. Wenzel, von Beruf Mediziner, stellte sich und seine entomologische Laufbahn eingangs des Vortrages vor. In der Karlsruher Umgebung machte er die ersten Schritte in der Lepidopterologie, seine damalige Sammlung wurde allerdings von Museumskäfern geschädigt. In Berlin rief er das inzwischen geschlossene Schmetterlingshaus im Britzer Garten ins Leben, der geplante Neubau im Tiergarten wurde leider nicht realisiert.

Was bedeutet eigentlich das Wort Schmetterling? Es basiert wohl auf einer Verballhornung aus dem Tschechischen. Dort bedeutet „Smetana" Sahne, in Sachsen und Thüringen wird auch von „Schmand" für Sahne gesprochen. Im Internet findet sich eine ebenfalls in diese Richtung gehende Erklärung, nach der Schmetterling wohl vom ostmitteldeutschen „Schmetten", gleichbedeutend mit Schmand bzw. Rahm stammt, von dem die Tiere teilweise angezogen werden. Hermann Hesse nennt die Bezeichnungen „Butterfliege" oder „Molkendieb". Die englische Bezeichnung Butterfly deutet in dieselbe Richtung. Das aus dem Norden stammende schöne Wort „Sommerfugl", in Süddeutschland auch „Sommervogel" ist heute nicht mehr in Gebrauch.

Die Idee zum Vortrag kam Prof. Wenzel aufgrund einer Wanderung entlang des Grünen Bandes im Frühjahr 2009 in Thüringen. Der ehemalige Todesstreifen ist heute ein Denkmal des Lebens, erstreckt sich über 1.393 km Länge auf einer Gesamtfläche von 17.600 ha und führt durch neun Bundesländer. Die Lage wurde auf einer Karte verdeutlicht, ein Schema zeigte die Struktur der ehemaligen Grenzanlagen zwischen BRD und DDR. Das Grüne Band, die Gründung des BUND-Projektes erfolgte am 9.12.1989 im Beisein von 400 Naturschützern aus Ost und West in Hof, war Vorbild für einen Natur-Korridor, betreut durch die IUCN, der sich von der Barentsee im Norden Russlands bis zum Schwarzen Meer in der Türkei zieht. Der Vortragende dankte allen, die ihn mit Daten und Fotos unterstützten und so den Vortrag möglich machten. Sehr schöne Fotos steuerte z.B. der Orionide Bernd Krüger bei.

Die detaillierte Vorstellung des Grünen Bandes startete mit dem Abschnitt Sachsens, der 2002 als FFH-Gebiet ausgewiesen und nun in Fotos verschiedener Orte gezeigt wurde. Das erste Schmetterlingsfoto stellte den Goldenen- oder Abbiss-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) vor, eine sehr seltene Art, die am Teufels-Abbiss lebt. Weitere Fotos zeigten weitere Scheckenfalter, verschiedene Feuerfalter der Gattung Lycaena, Mohrenfalter, Perlmuttfalter und Blutströpfchen. Zu jeder Art wurde die Gefährdung in Sachsen, Deutschland und Brandenburg anhand der Einstufung in die jeweiligen Roten Listen dargestellt. Diese Angaben wurden auch bei den folgenden besprochenen Abschnitten des Grünen Bandes in Thüringen und Sachsen-Anhalt gezeigt. Aus Thüringen zeigte Prof. Wenzel u.a. Violetten Feuerfalter, Großen Schillerfalter, Braunauge, Baumweißling, Thymian-Ameisen-Bläuling und verschiedene Zipfelfalter-Arten. Zu jeder Art wurde über Lebensraum und Biologie informiert. Die Fotos aus Sachsen-Anhalt stellten Großen Fuchs, Kleinen Eisvogel, Kleinen Schillerfalter und Schwalbenschwanz vor.

Aktuelle Zahlen über das Grüne Band von September 2010 informierten über Besitzverhältnisse von Bund, Bundesländern und Privat. Der BUND kauft von Privat so viel Fläche, wie möglich, um die wertvollen Biotope für den Naturschutz zu sichern. Einzelne Flächen wurden vorgestellt. Ursachen für die Gefährdung der Biotope liegen in etwa 450 Straßen, die diese kreuzen bzw. durchschneiden aber auch in Naturfrevel durch Menschen. Zudem ist die Pflege der Biotope unabdingbar, was mit hohen Kosten verbunden ist und deshalb oft zu kurz kommt.

Zuletzt informierte der Vortragende über die Möglichkeit über Anteilsscheine zur Unterhaltung des Grünen Bandes beizutragen und stellte in diesem Zusammenhang einen sehr prominenten Anteilseigner vor: Michail Gorbatschow erwarb mit dem Grünen Anteilsschein „ die erste Aktie seines Lebens". Wenn „Gorbi" und der 11.November 1989 nicht stattgefunden hätten, wäre heute sehr vieles anders. Es gäbe keine gemeinsamen Treffen von FG und Orion, Das Naturkundemuseum hätte keinen neu aufgestellten Brachiosaurus und keinen rekonstruierten Ostflügel und es gäbe auch kein Grünes Band!

An den sehr interessanten und informativen Vortrag schloss sich eine kurze Diskussion an, bevor Prof. Wenzel die Interessierten zum gemütlichen Teil des Abends in die Gastronomie einlud.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20.45 Uhr.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)