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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 08.02.2011

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 8 (+ 4) Mitglieder FG, 8 (+ 4) Mitglieder ORION, 5 Gäste

Thema: Hat die Temperatur einen Einfluss auf das Vorkommen von Kurzflügelkäfern in Maulwurfsnestern?


Thomas Ziska eröffnete den Abend und begrüßte besonders den Vortragenden, Dr. Andreas Kleeberg. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 11.01.2011 durch Manfred Gerstberger.

In seinem Vortrag sprach Dr. Andreas Kleeberg über Kurzflügler (Staphylinidae) in Maulwurfsnestern. Dabei ging er auf historische Aspekte und die Temperatur-Hypothese ein, erläuterte Material und Methoden, stellte Ergebnisse vor, informierte über Ökologie und Phänologie der Arten, zog Schlussfolgerungen und gab einen Ausblick auf künftige Forschungen.

Vorgestellt wurde das Verbreitungsgebiet des Maulwurfs Talpa europaea, in dem von 1907 bis heute diverse Untersuchungen zur Fauna in den Nestern der Tiere durchgeführt wurden. Horion untersuchte 1933 z.B. 1.000 Nester, Nowosad in jüngerer Zeit in Polen 5.000 Nester. Letzterer publizierte seine Ergebnisse 1990. Die alte These, dass sich mehr Käfer in den Maulwurfsnestern aufhalten, je niedriger die Außentemperatur ist, wurde bis heute jedoch nicht bestätigt.

Auf Basis der Arbeit von Nowosad, der 1.076 mit Kurzflüglern besetzte Nester auswertete und 108 Arten in 4.976 Exemplaren fand, stellte der Vortragende seine Überlegungen an und bezog eigene Untersuchungen von Maulwurfsnestern besonders in Mecklenburg-Vorpommern mit ein. Dazu dienten ihm Wetterdaten aus Schwerin, Warschau und Bialystok. Jahresverläufe der Luft- und Bodentemperaturen wurden den untersuchten Nestern und aufgefundenen Staphyliniden gegenübergestellt. In 70% der Nester war dabei nur 1 Exemplar zu finden, das Maximum lag bei 198 Exemplaren in einem Nest.

Ein signifikanter Zusammenhang von Außentemperatur und Auftreten von Kurzflüglern in den untersuchten Maulwurfsnestern war nicht festzustellen! Im Herbst fanden sich mehr Individuen in den Nestern, als zu anderen Jahreszeiten. Die Feuchtigkeit im Boden und im Nest ist eher entscheidend für das Auftreten von Kurzflüglern.

Es folgten konkrete Beispiele zur Individuendichte anhand der Arten Heterothops nigen, H. praevius, Quedius puncticollis und Q. longicornis. Grafiken zeigten Daten der Luft- und Bodentemperatur, Phänologie und Individuenzahl je Nest. Untersucht wurde auch, ob verschiedene Nesttypen, wie Gras-, Blätter-, Strohnester oder Gemische aus z.B. Gras und Blättern Einfluss auf die Kurzflüglerfauna der Nester hatten. Es zeigte sich, dass verschiedene Staphylinidenarten Vorlieben für bestimmte Nest-Substrate hatten.

Schlussfolgernd blieb festzustellen, dass die Kurzflügler ganzjährig in den Nestern vertreten waren, unabhängig von der Außentemperatur. Die Temperatur-These ist also abzulehnen. Die Hauptaktivitätszeit der Arten liegt im Frühjahr und Herbst.

Abschließend gab Dr. Kleeberg einen Ausblick auf zu erwartende Auswirkungen der Klimaänderung bis 2050 in Brandenburg. Die Temperaturen könnten um 2°C steigen, es werden stärkere Niederschläge erwartet. Die veränderten Bedingungen in den Maulwurfsnestern anhand dieses Szenarios verursachen Stress für die Maulwürfe, z.B. durch zu erwartende Überschwemmungen. Nestbewohnende Insektenarten könnten mit einer Verschiebung der Aktivitäts- und Reproduktionsphase reagieren.

Dank sagte der Vortragende allen an den Untersuchungen mitwirkenden Kollegen und beantwortete Fragen von Matthias Hartung, Bernd Nickel, Michael Schülke, Thomas Ziska und Ralf Deichsel.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20 Uhr, der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)