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Protokoll der gemeinsamen Sitzung der Fachgruppe für Entomologie und des „Orion" am 12. April 2011 im Naturkundemuseum Berlin

Beginn der Sitzung: 19 Uhr

Anwesend: 8 Mitglieder der Fachgruppe, 19 Mitglieder des Orion, 7 Gäste


Nach einigen einleitenden Worten durch Michael Woelky hielt Dr. Wolfgang Mey seinen Vortrag mit dem Titel: LINNÉ und sein Erbe: Ein Exkurs nach Uppsala und London. Anlass zu diesem Vortrag gaben Reisen nach Uppsala und London, sowie das schon 2007 jedoch in der breiten Öffentlichkeit mit wenig Anteilnahme begangene Linnéjahr.

Bekannt wurde Carl von Linné vor allem durch sein Werk „Systema Naturae" in dem er die binäre Nomenklatur verwendete, welche jedoch nicht nur er, sondern ebenfalls auch andere bekannte Naturforscher verwendeten wie z. B. J. Ray, J. de Tournefort, J. C. Fabricius und H. E. Stickland. Von größerer Bedeutung war jedoch die Einführung der Klassifizierung der Pflanzen anhand ihrer Fortpflanzungsorgane, was viele Zeitgenossen empörte und zu zahlreichen Anfeindungen führte.

Geboren wurde Linné 1707 in Samland. Er studierte von 1727 bis 1735 Medizin in Lund und Uppsala. Anschließend promovierte er in Holland, was in der damaligen Zeit nicht unüblich war, denn ein erworbener Doktorgrad in Holland verhieß höheres Ansehen als ein Doktor an einer skandinavischen Universität und ebnete den Weg zu einer wissenschaftlichen Karriere.

Als er 1741 nach Uppsala zurückkehrte wurde er Professor für Medizin und anschließend für Botanik. Herr Dr. Mey veranschaulichte durch viele Photos aus Uppsala, dass der berühmte Sohn des Landes dort noch nicht in Vergessenheit geraten ist. Straßen, Plätze, Museen, Schulen und Cafés tragen seinen Namen. Als Leiter des Botanischen Gartens bezog er mit seiner Familie ein Haus auf dem Gelände in dem er auch seine Sammlung aufbewahrte. Im Laufe seines Wirkens beschrieb er 3000 Pflanzenarten und verfasste zahlreiche Publikationen. Nach einem Brand, dem große Teile der Stadt zum Opfer fielen, entschied er sich, auch zum Schutz seiner Sammlung, das Landgut Hammerby zu erwerben, wo er bis zu seinem Tode lebte. Seine Sammlung wurde in einem kleinen Gartenhaus, welches eigens dafür gebaut wurde, untergebracht. Wie man sich jedoch vorstellen kann, hatten die ständigen Wechsel der Jahreszeiten mit Hitze und Kälte keinen guten Einfluss auf die Sammlungsobjekte. 1778 verstarb Linné nach langem Leiden. Auf Anraten von Sir Joseph Banks wurde die Sammlung Linnés 1783 von Sir James Edward Smith gekauft. Sie ist heute komplett in der 1788 gegründeten „Linnean Society of London" untergebracht. Herr Dr. Mey konnte auch dieses Ehrfurcht gebietende Gebäude und die Sammlung besichtigen. Präsentiert wurden Bilder von der eindrucksvollen Bibliothek Linnés, welche viele bedeutende Werke der damaligen Zeit enthält wie natürlich eine Erstausgabe der „Systema Naturae", weiterhin Bilder von Kästen der Sammlung, einiger Präparate, Auszüge aus seinem Hauptwerk „Systema Naturae" und aus dem regen Schriftverkehr den Linné mit bedeutenden Zeitgenossen unterhielt. Ein Rundgang durch weitere Räume des Gebäudes rundet das Bild ab. Besonders beeindruckend waren die Bibliothek und der Sitzungssaal, in dem schon C. R. Darwin und A. R. Wallace ihre Ergebnisse zur Entstehung der Arten präsentierte.

Anschließend stand Herr Dr. Mey noch für Fragen zur Verfügung. Es wurde kurz auf den Unterschied von Nomenklatur und der Neubeschreibung von Arten eingegangen. Weiterhin berichtete Herr Dr. Mey, dass man nach Anmeldung ebenfalls das Gebäude und die Sammlung der „Linnean Society of London" besichtigen kann.


Die Sitzung endete gegen 20:30 Uhr und nahm ihren Ausklang in der örtlichen Gastronomie.

Thomas Wolsch