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Protokoll der Sitzung des „Orion" am 22. November 2011 im Naturkundemuseum Berlin

Beginn der Sitzung: 19 Uhr

Anwesend: 13 Mitglieder und 3 Gäste


Der 1. Vorsitzende, Michael Woelky, eröffnete die Sitzung und wies kurz auf das Neujahrsessen am 13.1.2012 im"Marjangrill" hin. Anschließend begann Jens Esser mit seinem Vortrag: Eine koleopterische Reise in die Südtürkei

Er und Axel Bellmann, ein Dungkäferspezialist aus Bremen, unternahmen in den Jahren 2000, 2001, 2002, 2004 und 2011 Reisen in die Südtürkei. Am Anfang ging Jens Esser auf die verschiedenen Widrigkeiten ein, auf die man sich einstellen sollte. Die auftretenden Wetterkapriolen führen häufig zu weggespülten Straßen deren fehlende Teile nur durch Steine markiert werden. Ein aufmerksamer Beifahrer ist da sehr hilfreich. Weiterhin kommt es bei dichtem Nebel in unbekanntem Gelände schnell zu Orientierungsschwierigkeiten. Altrömische Brücken sind manchmal sehr eindrucksvoll, doch eine Überquerung mit dem Auto ist nicht immer ratsam. Durch die Niederschläge entstehen jedoch auch temporäre Kleinstgewässer, an denen sich nicht nur in unseren Breiten eine interessante Käferfauna einstellt.

Als direkte Konkurrenten wurden Salamandere, Agamen, Laubfrösche, Vögel und Wurmschlangen gezeigt. Es gibt jedoch auch Verbündete. Das überall vorhandene Vieh sorgt für einen nie versiegenden Nachschub an Futter für die koprophage Käferfauna und interessierte Einheimische stehen bei fehlender Ortskunde gern zur Verfügung, wobei sich die Kommunikation aber eher auf Gesten und Geräusche beschränkte. So fand man den gesuchten Wasserfall und an ihm eine für die Wissenschaft neue Art.

Was für Entomologen auch nicht unwichtig ist, die Türkei hat auch botanisch einiges zu bieten, sofern das Vieh nicht alles abfrisst. Vereinzelt findet man noch die früher den gesamten Mittelmeerraum dominierende Libanonzeder. Weiterhin verschiedene Hahnenfußgewächsen, Königskerzen, Aronnstabgewächse,…

Da man als Coleopterologe oft im Eifer des Gefechts das photographieren vergisst, was dem Autor nicht anders geht, wurden von den eigentlichen Zielobjekten nur ausgewählte Arten gezeigt. Zum Beispiel der wegen seiner guten Tarnung schwer zu findende Brachycerus undatus, der sich bei Störung steif und wie in Totenstarre zeigt. Er ist an Amarylis-Arten und Lilien zu finden. Man kann aber auch die verwandte Art Brachycerus junix finden. Eine seltsame Art und Weise mit dem überall im Mittelmeerraum an Palmen schädlichen Rhynchophorus ferrugineus umzugehen haben die Türken. Statt die Bäume zu fällen und zu verbrennen, werden sie nur entfernt und hinter die nächste Ecke geworfen. Das wirkt sich, wie zu beobachten war, durchaus positiv auf die Population aus. Neben Adulten tummelten sich Larven verschiedener Stadien neben Puppen in einem Baum. In Kiefernkahlschlägen kann man Calais parreysii, Lacon punctatus, Menephilus cylindricus (der vom Redner auch für Berlin wiedergefunden werden konnte), Uloma cypraea und Helops rossi. An Ufern tummeln sich z.B. Cicindela asiatica und C. concolor. An einem Schneerand konnte die seltene Bockkäferart Parmena mutilloides erbeutet werden. Aus einem Maulwurfsnest konnten ebenfalls interessante Arten gesiebt werden.

Bei der Arbeit im Gelände wurden alle üblichen Gerätschaften genutzt z. B. das Käfersieb, Kescher, Klopfschirm und Stechbeitel. Über den genauen Gebrauch und weiteren Ausbeuten wurde noch nach dem Ende der Sitzung gegen 20:15 in der örtlichen Gastronomie geplaudert.


Ende: gegen 20:15

Thomas Wolsch