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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.12.2011

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 6 (+ 2) Mitglieder FG, 13 (+ 1) Mitglieder ORION, 2 Gäste

Thema: Durchs wilde Kurdistan.


Nach Verlesung des Protokolls vom 8.11. durch Uwe Heinig präsentierte Oliver Schmitz den sehr beeindruckenden und interessanten Reisebericht einer Familienreise mit entomologischem Schwerpunkt. Vom 19.07.-22.08.2010 bereiste er mit seiner Frau und den beiden Söhnen das unter dem Namen Kurdistan zusammengefasste Gebiet: Kurden leben im Osten der Türkei (Nordkurdistan), in mehreren Provinzen des Irans (Ostkurdistan) und im Kerngebiet Kurdistans im Irak (Südkurdistan). Der ebenfalls von Kurden bewohnte Nordosten Syriens (West-Kurdistan) wurde bei dieser Reise ausgespart, da es keinen internationalen Grenzübergang zum irakischen Teil Kurdistans gibt und ein Abstecher in den nicht-kurdischen Teil Iraks aus Sicherheitsgründen nicht ratsam erschien. Die gesamte Distanz ab/bis Berlin wurde mit dem Auto zurückgelegt, wobei eine Strecke von 16.650 km gefahren wurde. Anmerkung: Die Hinfahrt bis nach Diyarbakir in der Osttürkei absolvierte der Vortragende über Deutschland, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Serbien, den Kosovo, Mazedonien, Griechenland und Türkei alleine, erst dort stieß die Familie hinzu, die per Flugzeug anreiste. Er selbst machte während der fünftägigen Fahrt Zwischenstopps an entomologisch interessanten Punkten im Kosovo, in Mazedonien und Griechenland, von denen kurz berichtet, und jeweils dort gefundene Falter gezeigt wurden.

Auf Karten wurden das Gebiet Kurdistans und die besuchten Fundpunkte gezeigt, wobei darauf verwiesen wurde, dass die Grenzführung im irakischen Teil Kurdistans, je nach Herausgeber der jeweiligen Karte, nicht unwesentlich differieren kann. Kurz wurde über die Kontrollen an den passierten Grenzen und allgemeine Sicherheitsaspekte bei solch einer Reise informiert. Die Tour war akribisch vorbereitet worden, alle notwendigen Papiere waren vorhanden und besonders ein Schreiben der Vertretung der Regionalregierung [Irakisch-]Kurdistans in Deutschland war sehr hilfreich.

Neben Landschaftsimpressionen und Angaben zum Leben der Leute und ihrer Kultur, stand natürlich das Sammeln von Schmetterlingen im Vordergrund, und viele Arten wurden auf Fotos gezeigt. Dazu gab es Ausführungen zu Biotopanspruch und Entwicklungspflanze der jeweiligen Art. In der Türkei ist das Sammeln von Insekten in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Polizei, Militär und Bevölkerung sind sensibilisiert gegenüber Entomologen.

Im Irak ging es über gute Straßen zügig voran, bei Stopps am Straßenrand musste Vorsicht walten, da viele Gebiete vermint sind und man sich im Gelände nicht bewegen sollte. Wieder eindrucksvolle Landschaft und ein Besuch der Tempelanlage Lalish. Fotos zeigten weiterhin Arbil, wo der Basar mit vielfältigen Gewürz- und Honigangeboten sowie die Festung der Stadt besucht wurden. Auch die sehr abenteuerliche Elektroinstallation in den Straßen der Stadt war ein Foto wert. An zwei oder drei Tagen herrschten Temperaturen von 47/48°C, die Ausflüge wurden zur Herausforderung, und ohne ausreichend Wasser ging es gar nicht. Da brachte ein Bad in einem Stausee willkommene Erfrischung. Die Region Barzan wurde besucht, wieder Falter-Fotos gezeigt, und das Bergland nahe der Grenze zum Iran zeigte wieder eine ganz andere Landschaft und erbrachte neue Schmetterlingsarten, die an Gebirgslagen gebunden sind.

Über die Stadt Al Sulaymaniyah wurde die Grenze zum Iran erreicht, der erste Übergang klappte nicht, also musste ein großer Umweg gefahren werden zu einem weiteren Grenzübergang. Hier konnte aus dem Irak aus- und in den Iran eingereist werden, was aber auch sehr abenteuerlich geschildert wurde. In den Provinzen Kermanschah und Kordestan wurden Kulturstätten besucht und Schmetterlinge gesammelt, die Fotos zeigten nun Tempel und Falter, hinzu kamen Landschaften, wie sie Karl May in seinen Büchern beschrieben hat, bis in 3.000 m Höhe wurde hier vorgedrungen.

Die Rückreise verlief nach Aufenthalten am Van-See, in Kappadokien und an den Kalksinterterrassen von Pamukkale zügig. Nach vielen Tagen in der Natur, fast ohne Menschen, stellte die Türkei einen regelrechten Tourismus-Schock dar.

Im Anschluss an den Vortrag wurde noch eine Frage zur Verständigung vor Ort beantwortet, soweit möglich in Englisch. Mit Ausnahmen waren alle Leute sehr freundlich und auch „mit Händen und Füßen" konnte man sich verstehen.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:45 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)