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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.03.2012

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 7 (+ 5) Mitglieder FG, 17 (+ 5) Mitglieder ORION, 12 Gäste

Thema: Die Lepidopteren der Namib-Wüste.


Thomas Ziska begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden, Dr. Wolfram Mey, Kustos der Schmetterlingsabteilung des Naturkundemuseums und Spezialist in erster Linie für Kleinschmetterlinge. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 14.02. durch Thomas Wolsch. Joachim Schulze, Mitglied sowohl der FG und des Orion, feiert im April seinen 75. Geburtstag. Zu diesem Anlass wurde eine Glückwunschkarte zum Unterschreiben herumgegeben.

Zu Beginn seines Vortrages, der bereits im November 2011 anlässlich des African-Lepidoptera-Workshop in Ghana gehalten wurde, stellte Dr. Mey das Expeditionsgebiet Nr. 1 des Naturkundemuseums vor. Zahlreiche Reisen führten ins südliche Afrika, Namibia stand dabei besonders im Fokus. Karten zeigten Lage und Ausdehnung der Wüsten Afrikas und die Sammelplätze im Rahmen des BIOTA-Projektes in Namibia und Südafrika, informierten über Vegetation, Klima und Niederschlagsmengen. Kurz erwähnt wurde auch die Entstehungsgeschichte der Namib-Wüste.

Ein erstes Bild aus der Namib warf die Frage auf, wo und woran sollen dort Schmetterlinge vorkommen? Die Landschaft ist vielfältig, so gibt es reine Sanddünen, Geröllflächen und die Küstenregion. Es gibt auch Pflanzenwachstum und wo es Pflanzen gibt, gibt es auch Schmetterlinge. Zudem ernähren sich die Larven einiger Kleinschmetterlinge (Motten) von Keratin, Exkrementen oder abgestorbenen organischen Materialien. Einige Vertreter der Wüsten-Lepidopteren wurden gezeigt sowie eine Lichtfalle, mittels der nicht nur qualitative, sondern auch quantitative Daten erfasst wurden und die zur Standard-Ausrüstung in der Wüste gehörte.

Charakteristische Pflanzenarten sind überwiegend polsterartige Sträucher, aber auch die berühmte Welwitschia mirabilis, die in der Brandbergregion verbreitet ist. Auch Flechten dienen als Entwicklungspflanzen für Schmetterlinge, bekannt sind Flechtenbären auch bei uns. An Zygophyllum stapfii-Büschen lebt z.B. die endemische Art Arctiocossus gaerdesi, weitere Cossidae sind ebenfalls endemisch, Beispiel Arctiocossus danielii. Keratinfresser sind z.B. Tineiden der Gattung Ceratophaga, die sich an Horn von Antilopen oder Büffeln entwickeln. Coprophag sind Arten der Holcopogonidae und weitere Tineidae-Arten, von abgestorbenen Pflanzenteilen ernähren sich u.a. Pyraliden der Gattung Hypotia. Die Verbreitung der meisten Arten ist nicht bekannt, nur von wenigen gibt es Karten.

Ein besonders interessantes Biotop stellen Trockenflusstäler mit ihrem Randbewuchs überwiegend von Akazien und Tamarisken dar. Auch die Nama-Karoo-Vegetation am Rande der Wüste ist für Schmetterlinge interessant, gezeigt wurden als Beispiel zwei Arten der Familie Lymantriidae. Eine Kuriosität ist die so genannte „sundowner-moth" Sphingimorpha chlorea aus der Familie der Eulen. Sie trinkt gerne Bier, Wein oder andere alkoholischen Getränke aus den Gläsern der Reisenden, in der Natur nimmt sie sicher den Saft vergorener Früchte auf. Auch Tagfalter-Wanderungen wurden in der Wüste beobachtet, gezeigt wurden drei Arten der Familie Pieridae. Wüsten-Tagfalter findet man überwiegend in der Karoo-Region.

Einige Statistiken zu Artenzahlen bezogen auf einzelne Lichtfallen verdeutlichten, dass die Wüste nicht so Artenarm ist, wie zu vermuten wäre: Als Beispiel sei eine Ausbeute von 41 Arten in 307 Exemplaren vom Fundort Wlotzkasbaken am 9.IV.2008 genannt. Die Verteilung der Arten auf Familien wurde gezeigt und angemerkt, dass sich viele unbeschriebene Arten, besonders unter „Mikros" befinden. Fotos kürzlich beschriebener Arten wurden gezeigt und weitere Erkenntnisse zu Wüsten-Lepidopteren vorgestellt. Abschließend gab der Vortragende einige allgemeine Bemerkungen zur Arbeit in Wüstengebieten zur Kenntnis. Man sollte einige Dinge unbedingt beachten.

Auf den interessanten Vortrag folgten Fragen u.a. von Prof. Wenzel, Dr. Schmitz und den Herren Gottwald, Schülke und Ziska zu Nahrungspflanzen und Lepidopterologen im südlichen Afrika, Klimageschichte und Gesamt-Artenzahl der Namib, die von Dr. Mey beantwortet wurden.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:30 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig(Schriftführer FG)