zurück zum Programm-Archiv
Banner

P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 09.10.2012

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 4 Mitglieder FG, 7 Mitglieder ORION (+ 2 Doppelmitgliedschaft), 6 Gäste

Thema: Tagfalterbeobachtungen in Französisch Guyana.


Thomas Ziska eröffnete den Abend, es folgte die Verlesung des Protokolls vom 11.09.2012 durch Uwe Heinig.

Im Vortrag berichtete Andree Salk über Reisen nach Französisch Guyana. Ursprünglich als einmalige Tour geplant, bereiste er das Land seit 2005 bis jetzt achtmal und es wird auch für künftige Touren geplant, da es immer noch den gewissen Überraschungseffekt gibt. Auf Karten wurde die Lage dieser französischen Provinz auf dem südamerikanischen Kontinent gezeigt, weiterhin das Land selbst und die besuchten Regionen, die z.T. nur schwer zu erreichen waren. Französisch Guyana gehört zur EU, die Währung ist Euro, Angaben zur Einwohnerzahl und Hauptstadt vervollständigten die Vorstellung. Es gibt nur eine große Straße entlang der Küste, kaum gut befahrbare Straßen und Wege ins Landesinnere.

Die Landschaft, überwiegend Wald, ist phantastisch. 90 % der Primärregenwälder sind noch vorhanden, man findet Riesenbäume, z.T. blühend und Vertreter mit gewaltigen Brettwurzeln. Strände zum Baden gibt es kaum, dafür an den Küsten üppige Mangrovenvegetation. Die bevorzugten Biotope der meisten Schmetterlinge sind im dichten Regenwald aber auch an Flussufern und Lichtungen. Trockenzeiten gibt es im März und September/Oktober, in den übrigen Monaten kann sehr viel Regen fallen.

Die Präsentation der Tagfalter begann mit den Papilioniden, von denen ca. 40 Arten in der Region vorkommen. Sie sind jedoch selten zu sehen. Es folgten Pieridae mit ca. 30 Arten, Nymphalidae (ca. 350), Riodinidae (ca. 470) und Lycaenidae (ca. 240). Beispiele aus jeder Familie wurden gezeigt. Insgesamt kommen in Französisch Guyana ca. 1.200 Arten farbenprächtiger Tagfalter vor, es gibt laufend Neubeschreibungen, so dass die Zahl ständig wächst. Viele neotropische Arten sind bereits bekannt, aber unbeschrieben, da sie nur in 1-2 Exemplaren vorliegen (z.B. ca. 30 % aller bekannten Lycaenidae). Für 2013 ist auch die Beschreibung einer neuen Art (Lycaenidae) vorgesehen, die der Vortragende erstmals in Französisch Guyana gefunden hat. Auch ist die Variabilität groß, wie am Beispiel einiger Heliconinae demonstriert wurde. Zu den im Bild vorgestellten Arten wurde jeweils das bevorzugte Fluggebiet, Wald oder Offenland genannt, sowie wenn bekannt, die Entwicklungspflanzen. Besonders beeindruckend waren dabei die riesigen Morpho-Falter mit Flügelspannweiten von bis zu knapp 20 cm oder Lycaenidae, sie haben hier vielfach lange Anhänge an den Flügeln. Der Fang von vielen Nymphaliden ist fast nur mittels Fallen mit Obst (Bananen) zu bewerkstelligen, da die Tiere oft sehr hoch fliegen und extrem schnelle Flieger sind.

Es folgten kurze Ausführungen zu professionellen Schmetterlingsfängern und ihrem Geschäft bevor noch einige Nicht-Tagfalter im Bild gezeigt wurden. Bizarre Saturniidae-Raupen, extrem giftig und weitere Raupen, oft mit Nesselhaaren wurden präsentiert, ebenso riesige Bockkäfer, Blattkäfer (u.a. farbenprächtige Cassidinae) und Spinnenameisen aus der Ordnung Hymenoptera. Ameisen und Termiten selbst sind einfach überall! Bunt und bizarr kommen Wanzen und Zikaden daher, Libellen, Heu- und Stabschrecken beendeten die Insektenvielfalt. Weitere Bilder zeigten Skorpione, Zecken, die überwältigende Vielfalt der Spinnen, Arthropoden, Schlangen, z.B. die sehr giftige Lanzenotter, Agakröte und Frösche, hier u.a. farbenprächtige Pfeilgiftfrösche, Kaiman, Teju, Fledermaus, Aguti, Faultier und mehrere Arten Affen. Auch die bunte Flora, u.a. mit einigen Orchideen, kam nicht zu kurz.

Im Anschluss an den sehr schönen Vortrag gab es noch Fragen von Thomas Ziska und Prof. Wenzel, die vom Vortragenden beantwortet wurden.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:30 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig(Schriftführer FG)