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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 12.02.2013

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 7 Mitglieder FG, 12 Mitglieder ORION (+ 1 Doppelmitgliedschaft), 6 Gäste

Thema: Faszination Elbtalaue.


Der Abend begann mit der Verlesung des Protokolls vom 8.01. durch Uwe Heinig.

Im Vortrag von Dr. Oliver Zompro wurden Top-Sammelreviere der Hamburger Entomologen aus dem Bereich Hamburg, Geesthacht bis Wittenberge vorgestellt. Eine Karte stellte die behandelte Landschaft vor. Begonnen wurde der Exkurs in Geesthacht, hier liegt um das KKW Krümmel eine weitgehend unbewohnte Gegend mit diversen Elb-Neben- und Altarmen mit vielfältiger Kleintierfauna. Man findet u.a. Flussmuscheln der Gattung Unio, die sich mittels des Bitterlings entwickeln. Auf die Besonderheit der Beziehung zwischen Muschel und Fisch ging der Vortragende ausführlich ein. Die ebenfalls hier heimischen Biber vollbringen erstaunliche Fällleistungen in einer Nacht, vier Molcharten kommen vor. Im NSG Borghorster Elblandschaft bei Geesthacht hat die Gestreifte Zartschrecke ihr nördlichstes Vorkommen, in der Dünen- und Heidelandschaft findet man zudem den Walker (Polyphylla fullo), Riesenkurzflügler (Ocypus olens), Moschusbock (Aromia moschata) und Sandohrwurm. Außerdem ist die Landschaft ein Schmetterlingsparadies, dieser Ordnung widmet sich der Vortragende allerdings nicht.

Bei Göhrde, in einem großen Forstgebiet mit hohem Totholzanteil findet man Raritäten aus dem Käferreich wie Lucanus cervus, Protaetia aeruginosa, Xylotrechus tropicus und Gnorimus variabilis. Die Suche nach Larven kann gefährlich werden, hier ist Kreuzotter-Gebiet! Außer den bereits erwähnten Käferarten kommen Balken- und Kopfhornschröter, Stierkäfer, und alle übrigen Rosenkäferarten vor und den Nashornkäfer findet man in freier Wildbahn. Fotos aller drei Maikäferarten zeigten die unterschiedliche Form des Pygidiums, erstes Merkmal zur Trennung der Arten. Wespen-Schwebfliege und auch Feuersalamander sind heimisch. Den alten Eichen droht Gefahr von Wildschweinen, die den Wurzelbereich auf der Suche nach Larven sehr tief ausgraben. Dadurch ist auch der Hirschkäfer in seinem Fortbestand gefährdet.

Prezelle mit seiner Kiefern-Monokultur ist ein Paradies für Bock- und Prachtkäfer, besonders eine Brandfläche ist von Interesse. Mulmbock, Hausbock im Freiland, Buntkäfer und der Sandlaufkäfer Cicindela silvatica sind zu finden. Bei Holzfällungen verblieben Kronenbereiche vor Ort. In einem eng begrenzten Zeitfenster konnten tausende Monochamus sutor beobachtet werden, ebenso in großer Zahl Kamelhalsfliegen. Dr. Zompro berichtete über die erfolgreiche Zucht einer Mulmbock-Larve mittels Klopapier-Zellulose.

Prisser mit seinem an Trockenrasen grenzenden ca. 1 ha großen Moor ist Heimat vieler Laufkäferarten, Gartow hat eine berühmte Eichenallee mit Vorkommen des großen Heldbocks. Auch der kleinere Cerambyx scopolii kommt vor, man kann Sägebock und Mondhornkäfer finden. Aus weiter Ferne kommen Menschen hierher um die Heldböcke zu sehen. Außer den Insekten sind auch Fischotter und Biber in den Gräben heimisch, Dachs, Marderhund, Schleiereule und Wasserfledermaus kommen vor und in den Elbarmen gibt es große Hechte.

Kaltenhof ist für einen Tümpel direkt hinter dem Deich bekannt, in dem der Medizinischer Blutegel, zwei Kolbenwasserkäferarten, vier Arten Gelbrandkäfer, Stabwanze und Wasserskorpion und die Skorpionsfliege vorkommen. Neben dem Laubfrosch findet man hier auch weitere Amphibien.

Zum Abschluss des Vortrages, der alle angesprochenen Insektenarten auf schönen Fotos zeigte, widmete sich der Vortragende noch einigen Fischen, machte mit Aland und Flussbarsch, Hecht und Schlammpeitzker bekannt.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:15 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Protokoll: Uwe Heinig