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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 10.09.2013

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend: 7 Mitglieder FG, 9 Mitglieder ORION (+ 3 Doppelmitgliedschaft), 6 Gäste

Thema: Koleopterologische Reise durch Nordtunesien.


Michael Woelky begrüßte die Anwesenden zur ersten Sitzung nach der Sommerpause, es folgte die Verlesung des Protokolls vom 11.06. durch Uwe Heinig.

Der Vortrag von Jens Esser begann mit einigen allgemeinen Bemerkungen, so informierte er über den Zeitraum im April dieses Jahres und das Klima hier und in Tunesien, stellte seinen Begleiter Axel Bellmann aus Bremen vor, einen Mistkäfer-Spezialisten und zeigte eine Karte mit der Reiseroute. Von Berlin ging der Flug nach Sousse, wo der Mietwagen übernommen wurde. In mehreren Etappen ging es nach Tabarka, ganz im Norden des Landes, nahe der Grenze zu Algerien. Einige Bilder zeigten die Stadt Sousse, das Verkehrschaos rund um den Markt und den Blick aus dem Hotel aufs Meer. Ein Haufen Detritus nahe des Hotels erregte Aufmerksamkeit und erbrachte erste Käferfunde. Einige Schwarzkäfer wurden gesiebt aber auch auf Blüten gab es etwas zu entdecken.

Während der Fahrt wurde mehrfach der Randstreifen der Autobahn besammelt, an Disteln konnten Rüssler (Larinus onopordi, Lixus) und Prachtkäfer der Gattung Anthaxia gesammelt werden. Außerdem Bockkäfer der Gattung Agapanthia, die allerdings keine Disteltiere waren. Auf Blüten fanden sich zahlreich Blatthornkäfer der Gattungen Eulasia, Tropinota und Oxythyrea.

Die Landschaft um Tabarka wurde durch ausgedehnte Eichenwälder, u.a. Korkeichen charakterisiert. Häufiger Nebel sorgt für üppigen Epiphytenbewuchs an den Bäumen. Es wurde ausgiebig gesiebt und viele kleine und kleinste Arten kamen ins Röhrchen. Neben den Insekten gab es auch einige andere Tiere zu sehen, Fotos zeigten Kröten im Schlamm, Skinke, Geckos und einen Skorpion. Das Hotel in Tabarka lag an einem Hang und der Blick ging malerisch auf eine Meeresbucht. Erwähnt und gezeigt wurden auch typische tunesische Verkehrsverhältnisse und Tankstellen, die für uns sehr skurril anmuten. Ein Verkehrsmittel ist der Esel und wenn dieser etwas fallen lässt, findet man schnell kleine und große Mistkäfer, gezeigt wurden der Pillendreher Scarabaeus variolosus und der Mondhornkäfer Copris hispanus. Der prächtige Carabus morbillosus stellte Schnecken nach. Gezeigt wurden auch einige Pflanzen, die in der Landschaft wuchsen, z.B. Narcissa tazetta.

An feuchten Stellen in Wadis und Wassertümpeln waren viele Laufkäfer, u.a. aus den Gattungen Chlaenius und Lebia zu finden, die sehr farbenprächtig sind. Ebenso interessant waren Ackerränder. Ein Komposthaufen wurde gesiebt und erbrachte Trox perlatus, in der Umgebung wurden Kahnkäfer und Blattkäfer gefunden. Mehrere Arten der großen Gattung Timarcha wurden auf Fotos gezeigt.

Sehr spezielle Habitate waren Abfallhaufen einer Putenschlachterei, eine üble Sache, die aber eine Menge interessanter Käfer lieferte, u.a. drei Arten der Buntkäfergattung Necrobia, weiterhin diverse Stutz- und Aaskäfer und auch der schon trockene Kadaver einer Kuh war nicht zu verachten.

Bevor es in vegetationslose Bereiche ging, ein kleiner kultureller Aspekt: Ein Aquädukt, Hinterlassenschaft der Römerzeit weckte das Interesse der Reisenden. Auf den Sandflächen gab es sehr flinke Sandlaufkäfer, Cicindela flexuosa, die einzige Art, die während der gesamten Reise immer wieder erbeutet wurde. Zuletzt zeigte der Vortragende noch eine Zusammenstellung z.T. recht bunter Mistkäfer, die aus Dromedar-Dung gesammelt wurden.

Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Jens Esser Fragen von Wolfram Mey und Wilfried Funk, die wissen wollten ob Lichtfang gemacht wurde bzw. ob viele Schmetterlinge gesehen wurden. Lichtfang fand nicht statt und Schmetterlinge wurden nur recht wenige Exemplare gesichtet.

Michael Woelky wies noch auf die Entomologentagung am 19./20.10. im Ökowerk Berlin hin, das Programm steht auf der Webseite des Orion.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:15 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)