zurück zum Programm-Archiv
Banner

P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 08.10.2013

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 7 Mitglieder FG, 11 Mitglieder ORION (+ 4 Doppelmitgliedschaft), 8 Gäste

Thema: Ein Blick in die Vergangenheit: Urmotten im Bernstein (Lepidoptera, Micropterigidae).


Thomas Ziska begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden, Dr. Wolfram Mey aus dem Naturkundemuseum. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 10.09. durch Uwe Heinig.

Wolfram Mey begann seinen Vortrag mit einer kurzen Einführung in das Thema und die Gliederung seines Vortrags. Die Kenntnis über Einschlüsse im Bernstein ist nicht neu, schon vor über 200 Jahren beschäftigte man sich damit. Der baltische Bernstein ist der bekannteste und auch häufigste und er ist reich an fossilen Einschlüssen. Es folgten Angaben zum Zustand der eingeschlossenen Insekten.

Die Urmotten, Micropterigidae, sind eine sehr alte, ursprüngliche Familie innerhalb der Schmetterlinge. Bislang wurden vier Exemplare aus baltischem Bernstein publiziert. Im Binnenland-Bernstein der Bitterfelder Gegend wurden inzwischen 12 Exemplare gefunden. Die Erforschung dieses Bernsteins begann Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, als erste Funde im Braunkohle-Tagebau Goitsche unterhalb des Flözes gemacht wurden. Der Bernstein ist 20-23 Millionen Jahre alt und ging zur Verarbeitung an den VEB Ostseeschmuck in Ribnitz Damgarten. Zuvor hatte dieser Betrieb große Mengen Bernstein aus der ehemaligen SU bekommen. Ein Vertrag zwischen dem Berliner Naturkundemuseum und dem VEB Ostseeschmuck führte dazu, dass alle Stücke mit Inklusen zurückgehalten wurden und zur Forschung an das Museum geschickt wurden, wo die verschiedenen Insektengruppen durch jeweilige Spezialisten bearbeitet werden konnten.

Es folgten Bilder des Tagebaus Goitsche in Betrieb und nach der Stillegung 1990. Inzwischen ist er geflutet und gehört zum Erholungsgebiet Bernsteinsee. Der polnische Wissenschaftler Andrzej Skalski war damals führender Experte für Urmotten und so wurde die Kooperation bei der Auswertung der Inklusen vereinbart und diese wurden von ihm nach Polen mitgenommen. Nach seinem Tod wurden sie zurückgeholt und der Vortragende war nun alleiniger Bearbeiter.

Älteste Fossilien von Urmotten in Stein stammen aus der Epoche Trias und Jura. Wesentlich jüngeren Datums sind die Bernstein-Inklusen, von denen Wolfram Mey einige Fotos zeigte und auf die morphologischen Merkmale im Vergleich zu heute in der Bitterfelder Gegend lebenden Urmotten einging. Es wurden weitere Fotos zum Vergleich mit Arten aus den Seealpen Italiens, vom Cederberg in Südafrika und aus Australien bzw. Neuseeland gezeigt, alle Arten sind allgemein sehr ähnlich, die Antennen und Mundwerkzeuge sind aber unterschiedlich ausgebildet.

Aus dem Bernstein wurden fünf Gattungen bestimmt, deren Beschreibung in kürze erfolgen soll. Die Trennung erfolgt nach dem Geäder der Hinterflügel, der Ausbildung von Antennen, Maxillar- und Labial-Palpen und der Lacinia. Außerdem sind die männlichen Genitalapparate von Bedeutung. Die weltweite Verbreitung der Familie und verschiedene Entwicklungslinien der Gattung Micropterix wurden dargestellt. Ein Kladogramm zeigte die Phylogenie der Gattungen innerhalb der Familie Urmotten, Micropterix ist die ursprünglichste Gattung und alle Bernstein-Inklusen sind mit ihr verwandt. Trotz der gewachsenen Zahl der Erkenntnisse sind noch viele Fragen offen, z.B. zum genauen Alter der Bernsteine.

Nach dem interessanten Vortrag wurden Fragen von Thomas Ziska, Klaus Werner Wenzel, Wilfried Funk und weiterer Anwesender beantwortet. Ein Thema war die Frage der Konservierung und Sammlung der Bernsteine mit den Einschlüssen. Sie wurden trocken in Schachteln aufbewahrt, überdauern so Jahrzehnte oder Jahrhunderte, bevor der Bernstein vergeht. In neuerer Zeit werden die Fossilien herauspräpariert und neu in Kunstharz eingebettet. Alle Inklusen befinden sich im wissenschaftlichen Bereich des Museums, da sie nicht ins Konzept der Ausstellung passen. Sie könnten aber bei Sonderthemen gezeigt werden.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:15 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)