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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 12.11.2013

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend: 8 Mitglieder FG, 14 Mitglieder ORION (+ 6 Doppelmitgliedschaft), 15 Gäste

Thema: Als Schmetterlingskundler im Wakhan (Afghanistan) - Eine Reise auf das Dach der Welt.


Michael Woelky begrüßte die zahlreich erschienenen Anwesenden, es folgte die Verlesung des Protokolls vom 8.10. durch Uwe Heinig.

Oliver Schmitz begann seinen Vortrag mit der Klärung der Fragen warum Afghanistan und gab es keine Bedenken in Punkto Sicherheit? 2004 unternahm er eine Expedition ins Pamir-Gebirge Tad-schikistans, diese weckte den Plan, auch die afghanische Seite des Pamir zu besuchen. Im äußersten Norden des Landes ist es recht sicher, Taliban gibt es dort keine und Unruhen auch nicht.

So bereiste der Vortragende mit einem Freund, den er vorstellte, im Juli/August 2011 das Gebiet des Wakhan. Karten zeigten die Route der Anreise über Duschanbe und Khorog nach Ishkashim, das besuchte Gebiet und die Fundpunkte der Expedition. Von Duschanbe gab es keinen Weiterflug, daher musste eine 30-stündige Odyssee auf dem Landweg in Kauf genommen werden. Gelegenheit für interessante Landschaftsimpressionen entlang der Fahrtroute. Anschließend erholte man sich im warmen Wasser von Kalksinterterrassen. In Ishkashim wurde Proviant für drei Wochen gekauft, das Auto mit Fahrer übernommen und Genehmigungspapiere von Kontrolle zu Kontrolle auf der Route besorgt. Auch wurde der Basar mit seinem bunten Treiben besucht. In dem Zusammenhang informierte Oliver Schmitz über die Zusammensetzung der Bevölkerung, zeigte Porträts der Leute, besonders von Kindern und stellte fest dass es interessante Menschen sind, die in der Stadt leben.

Mit dem Auto ging es nach Sarhad, gelegen in einem Tal, über 2.000 m hoch. Eindrucksvolle Gebirgspanoramen wurden gezeigt und Fotos der ersten Falter der Reise. Ab Sarhad ging es für die zwei Teilnehmer mit Pferden und Jaks, einem Guide, gleichzeitig Koch weiter. Als Ausländer erregten sie reges Interesse bei der einheimischen Bevölkerung. Besonders die Kinder waren neugierig auf die Fremden. Ein Lager-Abbruch und das Beladen der Tragetiere wurde gezeigt, dann ging es über z.T. schmalste Pfade den Berg hinauf. An der spärlichen Vegetation entlang des Weges fanden sich Falter und Käfer, die wie auch Reptilien auf Fotos präsentiert wurden. Der Dabiz-Pass in 4.200 m Höhe wurde überquert, es flogen dort einige Parnassien. An Lerchensporn entwickelt sich Parnassius hunza, der in Deutschland weiter gezüchtet wurde. Seine Raupe und weitere Falterarten wurden vorgestellt. Mit Sedum wurde eine weitere Entwicklungspflanze von Parnassien gefunden. Immer wieder stellte sich für den Vortragenden und seinen Begleiter die Frage fotografieren oder fangen? Gar nicht einfach beides zu bewältigen.

Abenteuerliche Flussüberquerungen über Brücken die nicht Vertrauen erweckend aussahen oder gleich durch das Wasser folgten und man erreichte eine endlose Hochebene in 4.000 m Höhe mit karger Gebirgsvegetation und wachsamen Murmeltieren. An Feuchtstellen gab es mehr Blütenpflanzen und auch mehr Falter-Arten. Verschiedene Bläulinge wurden gezeigt. Nachts herrschte leichter Frost, die gefühlte Tagestemperatur betrug 25°-30°C.

Fast zum Abschluss des Vortrages stellte Oliver Schmitz die Kultur und Lebensweise der Bevölkerung, Verpflegung, Ziegelproduktion und Hausbau vor. Auf der Rückreise sollte in Tadschikistan exkursiert werden, es handelte sich aber um vermintes Gebiet und so wurde der Plan aufgegeben.

Im Anschluss an den interessanten Vortrag gab es einige Fragen, die von Oliver Schmitz beantwortet wurden: Nach der Verständigung fragte Prof. Wenzel. Soweit möglich erfolgte diese auf Englisch. Weitere Fragen betrafen die Quartiere, Zelt oder Steinbauten sowie Sicherheitsbedenken. Dr. Mey fragte, ob andere Insekten gesehen bzw. mitgenommen wurden? Antwort: Sehr wenige. Bernd Krüger fragte nach der Fotoausrüstung.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:15 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)