zurück zum Programm-Archiv
Banner

P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 14.01.2014

Vorsitzender: Michael Woelky

Anwesend: 7 Mitglieder FG, 18 Mitglieder ORION (davon 3 x Doppelmitgliedschaft), 4 Gäste

Thema: Bemerkungen zur Rüsselkäfer-Fauna Griechenlands.


Michael Woelky begrüßte die Anwesenden zum 1. Treffen im neuen Jahr und wünschte Gesundheit und Freude an der Entomologie im Jahr 2014. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 10.12. 2013 durch Uwe Heinig.

In seinem Vortrag bemerkte Herbert Winkelmann einleitend, dass er sich auch für Wanzen interessiert, hier aber ausschließlich über Rüsselkäfer berichtet. Für Griechenland existiert keine zusammenfassende Literatur zu dieser Familie und es gibt wenige Forschungen.

Ein Internet-Katalog zur Griechenland-Fauna auf der Seite des Curci-Institutes enthält zurzeit etwa 1.500 Arten, er wird privat gepflegt. In Griechenland kommen viele auch hier in Deutschland nachgewiesene Arten Rüsselkäfer vor, hier sind sie selten, dort oft häufiger, auch nicht in Deutschland vorkommende Arten sind dort verbreitet. Reise- und Naturführer wurden vorgestellt sowie eine Checklist der Pflanzen mit etwa 8.000 Arten. GR ist ein ausgesprochener Hotspot der Pflanzenwelt. Eine Karte zeigte das Bearbeitungsgebiet, die verschiedensten Lebensräume wurden vorgestellt. So misst die Küste fast 10.000 km, dafür verantwortlich sind die vielen Inseln und der sehr zerklüftete Verlauf der Festlandküste. Dort lebende Rüsselkäfer wurden vorgestellt, z.B. Sitona syriacus, ein Neunachweis für die Insel Rhodos. Hierzu gleich die Bemerkung des Vortragenden, dass der Lebensraum Insel spezielle Bedingungen erfüllt, ebenso der Lebensraum Gebirge mit seinen z.T. schwer erreichbaren Gebieten, in die meist weder Weg noch Straße führt. Gewässer, im Sommer oft ausgetrocknet sind Lebensraum z.B. für Bagous robustus. In N-Kreta kartierte man ca. 10.000 Höhlen. In ihnen leben blinde Rüsselkäfer. Spalten und Hohlräume im Gestein beherbergen Rüsselkäfer, lohnend ist es auch Steine zu wälzen. Mehrere jeweils typische Arten für die Lebensräume wurden auf Fotos gezeigt und ihre Ansprüche erläutert.

Fotos von Pflanzen folgten, darunter einige der sehr zahlreichen Orchideenarten. An letzteren leben keine Rüsselkäfer. Die Pflanzen blühen in der Regel nur kurz, die Temperaturen sind sehr hoch. Andere Tiere, Laubfrosch, Eule, verschiedene weitere Vögel, Schmetterlingshafte, Bockkäfer, Heuschrecken, Wanzen, Spinnen und Schmetterlinge + Raupen wurden gezeigt. Larven der Rüsselkäfergattung Hypera sehen aus wie bestimmte Schmetterlingsraupen.

Im Weiteren stellte der Vortragende die sehr artenreiche und vielfältige Familie Rüsselkäfer vor und zeigte zahlreiche Vertreter auf Fotos. So gibt es alleine ca. 200 Arten Otiorhynchus. Sie zählen meist zu den größeren Arten der Familie, ebenso Lixus und einige Holzrüssler. Herbert Winkelmann stellte einige Kollegen seiner Zunft mit ihren Spezialgebieten vor, er selbst bearbeitet die Hyperini von denen einige auf Fotos gezeigt wurden. Bunte Coniatus leben an Tamarisken, Ephedra ist die Wirtspflanze verschiedener Ceutorhynchinae, Smicronyx, ist eine Problemgattung, Otiorhynchus eine weitere. Letztere sind nachtaktiv und besetzen verschiedene Pflanzen. 2003 beschrieb Magnano die neue Gattung Mirirhynchus. Probleme machen auch die Gattungen Lixus und Larinus mit vielen schwer bestimmbaren kleineren Arten, die Lebendfärbung geht oft verloren, es gibt Wachs- bzw. Blütenstaubschichten und Psallidium von der viele neue Arten beschrieben, aber nicht publiziert wurden. Andere Probleme für die Rüsselkäferforscher stellen auch die Verwandtschaft zwischen einzelnen Arten und deren Variabilität, planmäßige Brände, Kahlfraß durch Ziegen, gut gepflegte Strände und die allgegenwärtigen Zäune dar.

Miarus stoeckleini und seine Wirtspflanze, eine Glockenblume, wurde gezeigt, kleine Arten Palmenrüssler wurden in Blütenständen gefunden, bekannt wurde die Gruppe durch den großen Palmen-Zerstörer, eingeschleppt aus Asien. An der Südküste Kretas wurde Larinus zanoni neu für Europa nachgewiesen, Heimat ist Zypern, an der Nordküste wurde erfolgreich eine verschollene Thamiocolos-Art an Strauchnessel gesucht. Gut 100 Jahre nach dem Erstfund wurde sie an den heißesten Stellen entdeckt.

Abschließend äußerte Herbert Winkelmann Interesse an Griechenland-Material zur Bearbeitung und beantwortete Fragen von Prof. Barndt zu Apion-Arten und Salzstellen.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:30 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)