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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 08.04.2014

Vorsitzender: Jens Esser

Anwesend: 10 Mitglieder FG, 20 Mitglieder ORION (davon 3 x Doppelmitgliedschaft), 6 Gäste

Thema: Drei Einsätze in Afghanistan – Naturbeobachtungen eines Stabsfeldwebels.


Jens Esser eröffnete den Abend, begrüßte die Anwesenden und besonders den Vortragenden, Frank Joisten. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 11.03. durch Uwe Heinig.

Der Vortragende begann mit Angaben zur Person, nannte als besonderes Interesse „alles, was kreucht und fleucht", besonders die Ornithologie hat es ihm angetan. 12 Jahre gehörte er der Bundeswehr an, war dreimal im Afghanistan-Einsatz, ist seit 2011 Soldat a.D. und lebt heute in Eggesin. Sein Hobby ist die Insel Riether Werder im Stettiner Haff, wo er sich öfter aufhält.

Auf Karten zeigte er Afghanistan und die Orte, an denen er sich aufhielt, Fotos stellten das Leben in den Militärlagern und die eingesetzte Technik vor, die Ausführungen berichteten vom Tagesablauf. Gemeinsam mit drei weiteren deutschen Soldaten betreute er einheimische Kräfte. Anhand von Szenen der Bevölkerung, z.B. mit Burka bekleideten Frauen oder Episoden am Straßenrand erklärte er Familienleben und Kultur der Afghanen, Speisen und Getränke sowie Essgepflogenheiten. Der Umgang mit der Bevölkerung gestaltete sich oft schwierig. Die Landschaft ist sehr karg, bei trockener Witterung sehr staubig, bei Nässe hat man tiefen Schlamm. Besonders die Landwirtschaft ist von Niederschlag und somit Wasser abhängig. Januar-März ist eine kalte Zeit, auch mit Schnee. Als Armist ist man gut geschützt, die Bevölkerung aber leidet, geheizt wird, wenn überhaupt, mit getrockneten Kuhfladen.

Auf den zahlreichen Fotos zu den Naturbeobachtungen führte Frank Joisten von Pilzen, Pflanzen bis zu Säugetieren. Von Krokussen bis zu Ranunkel, wenn es feucht ist, gedeiht bei bis zu 40° Tagestemperatur eine üppige Vegetation. Interessante Bilder stellten Boxbart mit fußballgroßem Fruchtkörper vor, Wiesen (eingezäunt) voller Knabenkräuter, Disteln in alles Variationen. In der Nähe von Siedlungen findet man kaum Grün, die Schafe und Ziegen fressen alles ab, dafür kann man inmitten vom Kartoffelfeld Schlafmohn und Hanf entdecken.

Schmetterlinge vor Ort, vorgestellt wurden mehrere Tagfalter, haben oft Verwandte Arten in Europa, gehören zu gleichen Gattungen bzw. Gruppen. Diverse Spinnen wurden gezeigt, darunter die „Falsche Witwe" und eine große Walzenspinne, verschiedene Arten Wespen, Hornissen, Holzwespen, Schwebfliegen. Ausschlaggebend für das Naturinteresse im Land war das Buch von Günter Ebert: „Als Insektensammler in Afghanistan". Für das Naturkundemuseum Karlsruhe sammelte der Vortragende 2.500 Falter die inzwischen präpariert sind und der Bearbeitung harren. Für Kollegen Ehrmann brachte er Fangschrecken mit, für den Zoo Karlsruhe besondere Agamen. Weitere Insekten-Fotos zeigten verschiedene Wanzenarten, Zikaden, Schaben, Schmetterlingshafte, Heuschrecken, Libellen und Käfer. Skorpione, Schnecken, Fische und Fischfang, Afghanische Schildkröte, Agamen und Geckos, Kröten und Frösche, Schlangen, darunter verschiedene Nattern und eine Kobra wurden fotografiert. Enten und die Jagd auf sie wurde gezeigt und besprochen, Limikolen an Wasserstellen, Bart-, Schnee-, Gänse-, Mönchs- und Schmutzgeier, verschiedene Adler und andere Greifvögel vorgestellt. Jungfern-Kraniche, verschiedene Taubenarten, Wiedehopf und Blauracke, Bienenfresser, Spinte und eine große Zahl Singvogelarten wurden auf zahlreichen sehr schönen Fotos gezeigt. Die Jagd auf Säugetiere ist verboten, trotzdem findet sie statt. Alles größere Wild, wie Steinbock und Marco-Polo-Schaf, wird gejagt und gegessen! Mäuse und Ratten traten im Bundeswehrcamp auf, Weißbauch-Igel und sehr selten Hasen wurden beobachtet. Zuletzt wurden noch einige Haustiere vorgestellt, darunter das Jak.

Ein sehr interessanter Vortrag, der mit einer unerwarteten Fülle an Natur Afghanistans bekannt machte und in dessen Anschluss Fragen u.a. von Michael Woelky zur Ausrüstung der Bundeswehr und Andreas Kleeberg zur ursprünglichen Vegetation beantwortet wurden.

Michael Woelky wies auf die Spenden-Büchse hin und informierte kurz über die neue Struktur des Orion-Vorstands. Vorsitzender ist nun Jens Esser, nach 50 Jahren Vorstands-Arbeit zieht sich Michael in ruhigere Gefilde zurück.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:45 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)