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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.05.2014

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 11 Mitglieder FG, 16 Mitglieder ORION (davon 4 x Doppelmitgliedschaft), 7 Gäste

Thema: Nach Brasilien – natürlich der Insekten wegen.


Thomas Ziska eröffnete den Abend und begrüßte die Anwesenden. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 8.04. durch Uwe Heinig.

Im Vortrag des Abends berichtete Oliver Zompro über eine Reise nach Brasilien, die er in Vorbereitung seiner Diplomarbeit vom 11.11.-3.12.2013 unternahm. Nicht die beste Zeit für Insekten, gesucht wurde nach Phasmiden, es wurde aber das Beste daraus gemacht. Auf dem Programm stand neben der Freilandarbeit der Besuch von Museumssammlungen in den größeren Städten, um einen Überblick über die vorkommenden Arten zu bekommen. Ankunft mit dem Flugzeug war in Sao Paulo, einer riesigen Stadt mit offiziell 23 Mio. EW. Weiterflug ins tropisch-heiße Manaus und dort Besuch des Museums. Beeindruckende Fülle teils riesiger Käfer in der Sammlung, u.a. große Stückzahlen von Titanus giganteus und Dynastes hercules. Aber auch große Wespen, die in der Natur Taranteln lähmen und zur Entwicklung ihrer Nachkommen eintragen und Laternenträger-Zikaden wurden auf Fotos gezeigt. Früher gab es offenbar große Mengen dieser Tiere, heute ist das Vorkommen stark zurückgegangen. Ursache ist u.a. die zunehmende Licht-Verschmutzung, der Vortragende erzählte von einem Fußballspiel, das wegen Anflugs großer Hirschkäfer an das Flutlicht abgebrochen werden musste. Das INPA Manaus ist Museum und Zoo zugleich, Fotos zeigten verschiedene Vögel, Amphibien, Reptilien, die dort zu sehen waren und auch Faultiere.

Schwierig gestaltete sich das Sammeln bei Nacht, da Boot fahren auf den Flüssen wegen der zahlreichen Fischnetze kaum möglich war. Nachtfang wurde von der Station „Harald Sidi" aus durchgeführt. In seinen Ausführungen beschrieb Oliver Zompro das Leben der Einheimischen und deren Anpassung an die extremen Wasserstandsschwankungen, die fantastische Dschungel-Landschaft und als Besonderheit die lange Zeit parallel fließenden schwarzen Wasser des Rio Negro an seiner Mündung in den Amazonas mit seinem lehmig-braunen Wasser. Alles wurde durch sehr schöne Fotos illustriert, auch die Tiere, u.a. Papageien, Anakonda, verschiedene Frösche, allgegenwärtige Ameisen, Wasserwanzen und Welse, letztere werden gerne gegessen. Erst in der Dämmerung bzw. Dunkelheit beginnt der Dschungel richtig zu leben. Zahlreiche Insekten, u.a. Heu-, Stab- und Fangschrecken werden aktiv, Geckos stellen ihnen nach, diverse teils sehr große Spinnen kommen aus den Verstecken, Skorpione und Geißelspinnen und die Geräuschkulisse ist sehr eindrucksvoll.

Nach Manaus ging die Reise nach Belem, hier wurde Museum und Zoo besucht und eine Waldbegehung unter Polizeischutz durchgeführt. Es folgten Sao Paulo und Piracicaba, jeweils mit Besuch der dortigen Museumssammlungen. Gezeigt wurden immer Impressionen aus der die Städte umgebenden Natur. Ein Kautschukwald und die Gummigewinnung wurden gezeigt, Eukalyptus-Kulturen, in dem Zusammenhang eine aus Australien eingeschleppte Stabschrecke. Auch eine Schmetterlingsfarm wurde besucht und über den weltweiten Handel mit den gezüchteten Faltern berichtet. Gleichzeitig dienen diese Farmen aber auch der Forschung zur Biologie der Falter, u.a. deren Entwicklungspflanzen.

Im Anschluss an den interessanten, kurzweiligen Vortrag blieben kaum Fragen. Thomas Ziska fragte nach der Gesamtzahl der dort vorkommenden Phasmiden.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:15 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)