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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 10.06.2014

Vorsitzender: Jens Esser

Anwesend: 14 Mitglieder FG, 17 Mitglieder ORION (davon 6 x Doppelmitgliedschaft), 6 Gäste

Thema: Arthropoden im Himmelreich – Mooruntersuchungen in der Ostprignitz.


Jens Esser eröffnete den Abend und begrüßte die Anwesenden. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 13.05. durch Uwe Heinig.

Einleitend erinnerte Prof. Barndt an Horst Korge, dem es leider nicht mehr so gut geht und der heute auf Betreuung angewiesen ist. 1952 ermunterte er den Vortragenden zu einer ersten gemeinsamen Exkursion, der viele weitere und eine enge Freundschaft folgten. Horst Korge bearbeitete einen großen Teil des gefangenen Materials. Außerdem dankte Prof. Barndt Eduard Prinke aus Paschüle/Fläming (1939-2013), der in den Untersuchungsgebieten half, sowie den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die Teilgruppen determinierten.

Entführt wurden die Anwesenden in zwei Moorgebiete bei Rheinsberg/Luhme, den Kellsee und den Himmelreichsee. Eine Karte verdeutlichte die Lage der Untersuchungsgebiete. Die Entstehungsgeschichte der Moore im Allgemeinen wurde dargelegt, wobei die Vergletscherung während der Eiszeit und der anschließende Rückzug des Eises eine große Rolle spielte. Bis auf 40 km näherte sich das Eis während der letzten Eiszeit Berlin. Am Beispiel des Teufelssees und Teufelsmoores in den Müggelbergen wurden Details der Moorentstehung erläutert. Moore sind bei uns 5-8 Tausend Jahre alt, interessant ist, dass Brandenburg über keine Hochmoore verfügt, unsere Moore gehören zum Typ Niedermoor, Unterschiede wurden erklärt. Um Gletscher und deren Rückzug zu sehen, reiste Prof. Barndt in die Schweiz, wo er nebenbei die sehr interessante Alpen-Schneemücke (Chionea alpina) fand und fotografierte.

Der Kellsee ist das beste Moor, das der Vortragende je sah. Es hat den Status „Geschützter Landschaftsbestandteil", nicht einmal „NSG". Dieses Moor und auch der Himmelreichsee sind derzeit gut mit Wasser versorgt und sehr nass. Es folgte die Vorstellung der Umgebung der Moore mit ihrem Waldbewuchs und die herausragende Vegetation an und in den Mooren selbst. Sumpfcalla und Wollgras in großen Beständen, und in der nassen Randzone üppige Sphagnum-Moose sind Zeichen eines intakten Biotopes. Trockene Bulten und nasse Schlenken findet man auf kleinstem Raum.

Der Himmelreichsee, 1.000 m vom Kellsee entfernt ist „NSG", obwohl nicht ganz so intakt. Unterschiede im Moor- und Umgebungsbewuchs wurden aufgezählt. Zahlreiche typische Pflanzenarten wurden genannt und im Foto gezeigt, darunter verschiedene Sonnentauarten, Moosbeere, Fieberklee und Sumpfporst. Die Verwendung einiger in der früheren und heutigen Medizin wurde genannt.

Spezielle Moor-Insekten wurden Vorgestellt und ihre Bindung an dieses Biotop erläutert. 2012/13 wurden insgesamt 507 Arthropodenarten in den beiden Gebieten nachgewiesen. Darunter fanden sich mehrere Laufkäfer- und Kurzflüglerarten, die tyrphobiont leben, also auf den Moorlebensraum angewiesen sind. Als Beispiele wurden u.a. Agonum ericeti vorgestellt, wie auch die tyrphobionte Webspinne Notioscopus sarcinatus. Tyrphophil ist nur im Himmelreichsee Dytiscus lapponicus, eine seltene Schwimmkäferart, tyrphobiont mehrere Arten der Gattung Contacyphon aus der Familie Sumpfkäfer. Im Rahmen der Untersuchungen in beiden Mooren wurden hauptsächlich Fallen gestellt, die nur wenigen Käscherfänge ergänzten das Spektrum um interessante Arten. Tyrphobionte Wanzen und Zikaden, ein Kleinschmetterling, Köcherfliegen, Ameisen und ein Doppelfüßer wurden gefunden.

Die Bewertung der Moore anhand von Laufkäfern, Kurzflüglern und Webspinnen ergab, dass Schwingmoor das wertvollste Biotop darstellt, gefolgt von der Sumpfporst-Region.

Kurz ging der Vortragende auf Gutachten und deren Daten ein. Diese werden z.B. im Vorfeld von Abbaggerungen zur Kohlegewinnung beauftragt. Sie sind oft fehlerhaft, was die Determination angeht, werden von den Behörden aus Zeitmangel nicht ausgewertet und verschwinden im Schrank. So werden deren Kosten und Sinn infrage gestellt.

Abschließend zog Prof. Barndt ein Resümee seiner umfangreichen Untersuchungen, informierte über den Zustand der Moore heute und gab einen Ausblick in die Zukunft der Moore in Brandenburg, Deutschland und weltweit. Der Torfabbau gefährdet die Biotope, hinzu kommen Umweltfrevel in großem Ausmaß, Beispiel die riesigen Torfbrände in Russland.

Im Anschluss an den sehr interessanten und informativen Vortrag gab es noch Fragen von Prof. Wenzel und Dr. Mey, die vom Vortragenden beantwortet wurden.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 21:00 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)