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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 14.10.2014

Vorsitzender: Thomas Ziaka

Anwesend: 11 Mitglieder FG, 13 Mitglieder ORION (davon 2 x Doppelmitgliedschaft), 5 Gäste

Thema: Veränderungen und Neuheiten der Brandenburger und Berliner Käferfauna.


Thomas Ziska eröffnete den Abend, es folgte die Verlesung des Protokolls vom 9.09. durch Uwe Heinig.

Jens Esser begann seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass Michael Schülke nach seinen eigenen Ausführungen Informationen zur Familie Kurzflügler beisteuern wird. Dann stellte er bislang nicht bzw. lange Zeit nicht in Brandenburg (inkl. Berlin) gefundene Käferarten vor, gefolgt von Arealerweiterern, eingeschleppten und selten gemeldeten Arten. Es überwogen Käfer von Totholz und Pilzen, da beide Substrate zu seinem Hauptsammelmedium zählen

Boitzenburg in der Uckermark war Ausgangspunkt einiger Exkursionen. Dabei wurden die Schnellkäfer Ampedus elegantulus und Ampedus quercicola an mehreren Orten gefunden.

Die Orion-Exkursion 2014 in die Märkische Schweiz erbrachte u.a. Dirhagus lepidus, Acalles camelus und Trachodes hispidus, Moore in Nord-Brandenburg lieferten die Stenus-Arten S. ampliventris und S. oscillator. Weitere Schnellkäfer wurden gezeigt, darunter ein „Doppelgänger" vom weit verbreiteten Dalopius marginatus aus der Gattung Agriotes. Clambus minutus und Pteryngium crenatum sind beide neu für Brandenburg, Thymalus limbatus, Mycetophagus decempuctatus, Ostoma ferruginea, letztere an Porlingen, sind weitere Neu- bzw. Wiederfunde. Beim Lichtfang wurde Synchita mediolanensis gefunden, ein Wiederfund nach 98 Jahren!

Zu Arealerweiterern zählen Cucujus cinnaberinus, gefunden zuerst von Tobias Mainda in einem Hybridpappelforst. Bisher war die Art aus Bayern, Baden-Württemberg und dem Rheinland bekannt, nun gibt es inzwischen 16 Fundorte in Brandenburg. Da es sich um eine FFH-Art handelt, besteht seitens der Behörden nun Handlungsbedarf bezüglich Monitorings. Vorgestellt wurden zwei Arten, mit denen Verwechslungsgefahr besteht: Cucujus haematodes und für Ungeübte auch mit Pyrochoa coccinea. In Berlin-Niederschönhausen wurde die Art Brachypteroma ottomanum gefunden. Wohl verschleppt aber in 3 Exemplaren???

Eingeschleppt in unsere Fauna wurde Megabruchidius dorsalis, der 2014 in Berlin-Kreuzberg an Lederhülsenbaum nachgewiesen wurde. Aufpassen sollte man bei weiteren fremdländischen Gehölzen, es könnten weitere Bruchidae-Arten am Japanischen Schnurbaum bzw. Judasbaum auftreten.

Selten gemeldet wurden Aspidapion validum, jetzt gefunden an Stockrosen bei der Liebermann-Villa in Berlin-Wannsee. Ebenfalls erwähnt wurden die Schnellkäfer Nothodes parvulus, Idolus picipennis, Athous bicolor, Cardiophorus gramineus und Crepidophorus mutilatus. Weitere Clambidae-Arten wurden gezeigt, Cychramus luteus (ein Glanzkäfer), Cyanostolus aeneus aus der Familie Monotomidae, die Blatthornkäfer Onthophagus taurus, Copris lunaris und Geotrupes mutator, Cassida hemisphaerica (ein Schildkäfer, Familie Blattkäfer), die Rüsselkäfer Bradybatus fallax, Anthonomus humeralis und Rutidosoma fallax.

Alle Arten wurden im Bild gezeigt und über Fundorte, Fundumstände, Lebensraum, Entwicklung informiert.

Michael Schülke stellte Ergebnisse der Revision alter Sammlungen vor. Hier genannt wurde insbesondere die nun zugängliche Sammlung Korge, die sich im Naturkundemuseum befindet.

Micropeplus ripicola, Atheta ermischi, Atheta minuscula und Atheta serrata sind neu für das Land Brandenburg. Außerdem fand er in der Sammlung von Jens Esser Bolitochara tecta, ebenfalls neu für das Bundesland. Mit Gabrius astutoides gelang auch ihm selbst 2014 ein Neufund für Brandenburg, gefangen mit dem Autokescher. Diese Sammelmethode erbrachte die Bestätigung weiterer fraglicher Nachweise. Abschließend berichtete Michael Schülke über Wiederfunde und korrigierte Falschmeldungen. Die aktuelle Artenzahl der Familie Kurzflügler für Brandenburg liegt bei 1099.

Thomas Ziska hatte als Einziger noch eine Frage, die von den Vortragenden beantwortet wurde.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:30 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)