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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 11.11.2014

Vorsitzender: Jens Esser

Anwesend: 10 Mitglieder FG, 9 Mitglieder ORION (davon 2 x Doppelmitgliedschaft), 4 Gäste

Thema: Interessante Quälgeister (Einblick in den Alltag der Schädlingsbekämpfung).


Jens Esser eröffnete den Abend und verlas das Protokoll vom 14.10.2014.

Oliver Zompro begann seinen Vortrag zur Berliner Schädlingsfauna mit einer anthropozentrischen Definition von Schädlingen. Diese zählt Eigenschaften wie das Schädigen von Vorräten und Behausung des Menschen auf. Außerdem gehören die Gesundheitsgefährdung sowie die Ekel auslösende Wirkung dazu. Letzteres ist doch mehr auf ein Versagen des Bildungssystems zurückzuführen.

Während seines Vortrags griff der Referent auf Erfahrungen aus seiner beruflichen Tätigkeit beim BIZ zurück und konnte so das gesellschaftlich ernste Thema mit amüsanten Erlebnisbeschreibungen untermalen.

Es wurde eine Übersicht zu Schädlingsgruppen gegeben, die zwischen Spinnentiere, Krebstiere, Insekten, Vögel und Schadnager unterschied, sowie ausgewählte Vertreter und Bekämpfungsmethoden vorgestellt.

Bei den Bekämpfungsmethoden wurden Thermische und Chemische Methoden beschrieben. Als Probleme für die Chemischen Methoden erweisen sich neue EU-Regelungen. Diese erschweren oder verhindern es, auf die schnelle Anpassungsfähigkeit der Schädlinge mit der Entwicklung, Zulassung und Nutzung neuer Präparate zu reagieren.

In der Schädlingsgruppe Spinnen gehören die Zecken, in die der Krebstiere zählen die Kellerasseln.

Ironisch ging der Referent auf die "hoch gefährlichen" Silberfischchen und ihre Bekämpfung ein. Papierfischchen sind in Bibliotheken anzutreffen und können sich durch größere Bücherbestände fressen.

Die Schaben, namentlich die Deutsche Schabe und die Amerikanische Schabe, sind Vertreter der Insekten. Ihre Bekämpfung ist relativ kompliziert, da die Tiere sich in Lüftungsschächte und somit tief im Gebäude verkriechen. Sie legen Ei-Pakete ab, die zu unterschiedlichen Zeiten schlüpfen. Ihre erfolgreiche Bekämpfung erfordert daher einen längeren Zeitraum. Es wurden Bilder von Klebefallen gezeigt, mittels derer Analysen zur Stärke des Befalls durchgeführt werden.

Während die Bekämpfung der Schaben aufwendig ist, erweist sich ihre gezielte Zucht zur experimentellen Nutzung wie bei den meisten Schädlingsgruppen als schwierig.

Schwerpunktschädling aus der Gruppe der Wanzen ist heutzutage die Bettwanze. Vor einigen Jahrzehnten galt sie noch als ausgestorben. Aktuell nimmt ihre Zahl aber dramatisch zu. Mit dem Einhalten altbekannte aber häufig vergessener Verhaltensregeln könnte ihre weitere Ausbreitung begrenzt werden.

Zur Anschauung wurden in einer abgeschlossenen Dose zwei Exemplare ins Publikum gegeben. Der Referent bat darum, die Dose nicht zu öffnen und nach dem Vortrag ihm diese beiden Exemplare unversehrt zurückzugeben.

Bezüglich der Auftragszahl zur Schädlingsbekämpfung ist die Gruppe der Käfer relativ klein aber von der Anzahl der Arten ist sie die Nummer 1. Als Vertreter wurden Speckkäfer genannt.

Zur Schädlingsgruppe Insekten gehören neben den Käfern auch die Hautflügler, wie Ameisen, Bienen und Wespen. Unwissenheit hinsichtlich der Lebensweise dieser Gruppe ist heute leider sehr verbreitet. So lässt sich mit Dulden von Feldwespen die stechfreudige Deutsche Wespe vertreiben.

Vertreter der Schädlingsgruppe Schadnager sind Brandmaus, Hausmaus und Wanderratte. Ihre Bekämpfung erfolgt mit vergifteten Ködern.

Typische Merkmale von Rattenbefall sind absackende Steine oder Müll im Bereich ungesicherter Mülltonnen. Anhand von Bildern wurden Köderfallen und ihre Funktionsweise beschreiben.

Für Käferexperten ist eine schlecht gewartete Köderfalle ein ideales Fundgebiet, da Kadaver Käfer anlocken. In Abhängigkeit von Schadnager und Zerfallsstadium seines Kadavers sind unterschiedliche Käferarten anzutreffen.

Der Vortrag wurde mit einem vollständig anderen Blickwinkel auf dieses Thema beendet. Vom All aus gesehen, gibt es eine ganz andere Spezies, die auf die Vielfalt von Arten und Biotopen unseres Planeten eine schädigende bis zerstörende Wirkung ausübt.

In der sich anschließenden Diskussion, wurden Fragen zu Flöhen, Wanzenverbreitung und zu Ratten in der Berliner Kanalisation aufgeworfen und beantwortet.

Es wurde betont, dass eine Schädlingsbekämpfung immer mit einer Aufklärung beginnt, die auf einer Beseitigung der Lebensgrundlage für die Schädlinge zielt. Außerdem ist eine Verhältnisbetrachtung zu führen, in die nicht nur die schädigenden Wirkung sondern auch der Nutzen dieser Tiere und die Nebenwirkung der Bekämpfungsmittel einbezogen werden.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:40 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Cortez Schulz (Schriftführer ORION)