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P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 09.12.2014

Vorsitzender: Jens Esser

Anwesend: 10 Mitglieder FG, 13 Mitglieder ORION (davon 2 x Doppelmitgliedschaft), 22 Gäste

Thema: Photonische Insekten, Wunder der Natur – Das Phänomen der brillierenden und changierenden Farben.


Jens Esser eröffnete den Abend. Es wurde das Protokoll vom 11.11.2014 verlesen.

Prof. Wenzel besaß in den 90iger Jahren ein Schmetterlingshaus im Britzer Garten und war aus diesem Grund Mitglied der International Association der Schmetterlingshausbetreiber und Züchter.

Während einer Fachtagung der Association wurde von seinem italienischen Kollegen Enzo Moretto ein Vortrag zu diesem Thema gehalten, der ihm als Grundlage diente.

Die reiche Farbenpracht im Tierreich dient der Geschlechterselektion sowie den Männchen für ein erfolgreiches Werben um die Weibchen. Außerdem sind gute Tarnung und Abschreckung durch geschickte Farbgebung wesentliche Erfolgsmerkmale in der Evolutionsgeschichte.

Zur Beschreibung der physikalischen Grundlagen, die sich die Insekten für ihre beeindruckenden Farbeffekte nutzen, wurde ein kurzer Ausflug in die Farbtonbildung beim Opal vorgenommen.

Licht-Brechung und –Reflektion an Schichten von Micro-Kügelchen in der Größenordnung der Wellenlänge des Lichts verursachen unterschiedliche Farben. Dabei führen kleine Kugeln zu blau-anteiligen und große zu rot-anteiligen Spektralfarben.

Opal-artige Gitterstrukturen lassen sich beim australischen Rüsselkäfer finden.

Optische Effekte, die auf Interferenz des Lichtes beruhen, wurden am Beispiel der Seifenblase erläutert. Dabei kommt es durch Reflektion zu einer Auslöschung von Farbanteilen, die zu der für den Menschen dann sichtbaren Farbe führt. Beim Papilio palinurus führt eine Doppelreflektion von Blau und Gelb zu seiner grünen Farbe.

Die Farbgebung durch Irisieren steht in enger Beziehung zur Interferenz. Dabei bestimmt der Betrachtungswinkel die Farbe. Diesen Effekt machen sich die Glasflügel-Schmetterlinge (Satirinae) sowie die Sand-Goldwespe (Hedychrum nobile) zu nutze.

Durch Polarisation des Lichtes lassen sich schillernde Effekte erzielen. Das Licht wird durch ein schmales Gitterfilter geleitet, das nur gleichgerichtete Lichtanteile durch läßt. Beim Rosenkäfer

(Protaetia cuprea) führt links polarisiertes Licht zu schillernden Effekten, während rechts polarisiertes Licht schwarz erscheint.

Grund-Lamellen, über denen sich Hohlschuppen befinden, führen bei den Schillerfaltern unter bestimmten Betrachtungswinkel zu der schillernden Wirkung.

Farbeffekte, die von den Bläulingsarten und Morpho-Arten bekannt sind, werden durch Mehrfachschichten von Lamellen hervorgerufen. Neben den Grundlamellen haben diese eine zweite Lamellenschicht, die mittels ihrer Ausprägung in der Form unregelmäßig gelöcherte, räumliche Gitterstruktur oder transparente Lamellen die Farbe und ihren metalligen Glanz bestimmt. Es wurde eine Vielzahl von Käfern und Schmetterlingen gezeigt, ohne für jede Art den Hintergrund des optischen Effekts begründen zu wollen.

Im Anschluss ging der Referent auf die Paläo-Entomologie mit Bezug auf die Grube Messel bei Darmstadt ein. Diese gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe.

In der sich anschließenden Diskussion wurde eine Vielzahl von Fragen so u.a. zu der Gruppe der Leuchtkäfer gestellt. Diese erzielen ihre Lichteffekte durch Enzyme.

Der Referent wies darauf hin, dass eine Vielzahl der optischen Effekte, die sich die Insekten zu nutze machen, heutzutage bei EURO-Geldscheinen zur Sicherheit gegen Fälschung verwendet werden.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:40 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Cortez Schulz (Schriftführer ORION)