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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 10.03.2015

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend: 10 Mitglieder FG, 17 Mitglieder ORION (davon 3 x Doppelmitgliedschaft), 4 Gäste

Thema: "Honeckers letzte Reserve": Der Bitterfelder Bernstein und seine Inklusen.


Thomas Ziska eröffnete den Abend und begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden, Michael Laaß aus Halle/S. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 10.02. durch Uwe Heinig.

Der Vortragende begann mit der Vorstellung seiner Person. Er ist kein Entomologe, sondern Geologe bzw. Paläontologe mit Interesse an den verschiedenen Inklusen.

Erläutert wurde zuerst, wie es zur Entdeckung und zum Abbau des Bitterfelder Bernsteins kam, eine Karte zeigte die Fundstätten, eine Grafik die geologischen Schichten in Mitteldeutschland. Auch Ostsee-Bernstein wurde in der Region gefunden, allerdings in der geologischen Schicht des Quartiär, er wurde durch die Eiszeit dorthin transportiert. Bitterfelder Bernstein findet sich in der Schicht der Tertiär-Sedimente. 1731 wurden erste Funde gemacht, 1756 erfolgte die erste Beschreibung des Binnenland-Bernsteins in der Literatur. Beginn der Aufsammlungen in der DDR war 1974/75, die Stücke wurden an den VEB Ostseeschmuck Ribnitz-Damgarten zur Verarbeitung geliefert. Auf historischen Fotos wurde die Gewinnung und Trennung von der Kohle gezeigt. Zu Beginn erfolgte alles per Hand, später mit Maschinen. Der Vortragende erläuterte die Verfahrensweisen, zeigte Fotos der Maschinen insbesondere Waschanlagen zur Trennung des Bernsteins vom so genannten Bernstein-Schluff. Einige Bilder zeigten Berge von Bernstein, 1975 betrug die Ausbeute 1,1 t, der Höhepunkt wurde 1983 mit fast 50 t erreicht, was einem Wert von 20 Mio DM entsprach. Auf ähnlich hohem Niveau ging es in den Folgejahren weiter, zuletzt sank die Menge aber, 1990 wurden noch 12,3 t gewonnen. Ab 1999 wurde der Tagebau Goitzsche geflutet und ist heute Erholungsgebiet. Die Restmenge Bernstein im Tagebau wurde damals auf 950 t geschätzt. Auch Schmuckstücke u.a. Artikel wurden gezeigt, die der VEB Ostseeschmuck fertigte. Alle Stücke mit Inklusen wurden vom VEB Ostseeschmuck an das Berliner Naturkundemuseum gegeben, wo sie von Wissenschaftlern der jeweiligen Organismengruppe untersucht wurden. Heute gibt es eine beträchtliche Sammlung im Museum.

Es folgten Ausführungen zur Entstehung und zum Alter der Baltischen- und Bitterfelder Bernsteine. Im Tertiär vor 40-50 Mio Jahren lag der mitteldeutsche Raum am Rand eines Meeres. Zur Entstehung gibt es mehrere Thesen, wobei am wahrscheinlichsten ist, dass beide Arten Bernstein zur selben Zeit entstanden, Indiz dafür sind u.a. die Einschlüsse gleicher Pflanzen und Tiere. Wie entsteht Bernstein? Verschiedene Formen je nach Entstehungsort, Rinden, Holzspalten, Wunden oder außerhalb des Baumes wurden gezeigt. Verschiedene Baumarten lieferten unterschiedliche Arten Bernstein.

Eingeschlossen können Bodenmulm, Luft, Wasser, Pflanzenteile oder kleine Tiere sein. 95% der vorliegenden Inklusen sind Tiere, 5% Pflanzen. Unter den Tieren stellen Insekten mit 85% die größte Gruppe, gefolgt von Spinnentieren mit 14%. Die Aufschlüsselung auf Ordnungen zeigt, dass 65% der Insekten Zweiflügler sind, 8% Käfer und ebenso 8% Hautflügler. Es folgten Ausführungen zur Entstehung von Inklusen und zahlreiche sehr schöne Fotos von pflanzlichen und tierischen Einschlüssen. Moose und Pilze waren zu sehen, Säugetierhaare, sehr seltene Vogelfedern, Assel und Pseudoskorpion. An Insekten mangelt es nicht, wie die Fülle detailreicher Fotos zeigte. Fliegen und Mücken, Läuse, eine Grabwespe, Eintagsfliege, Kleinschmetterlinge, viele Ameisen, Köcherfliege sowie Käfer und verschiedene Larven und auch diverse Spinnen wurden präsentiert.

Abschließend zeigte Michael Laaß einige Impressionen des Tagebaus Goitzsche damals und heute.

Nach dem interessanten und eindrucksvollen Vortrag kamen Fragen u.a. von Stephan Gottwald zum Alter, Klaus Dörbandt zur Größe der Bernsteinstücke. Joachim Ziegler ergänzte zu den Fliegen, dass damalige und heutige Arten verglichen wurden und die Unterschiede oft nicht gravierend sind. Thomas Ziska fragte, ob es in Europa weitere Bernstein-Vorkommen gibt. Alle Fragen beantwortete Michael Laaß.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:15 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)